Neue Liebhaber finden

Freitag, 29. September 2023
Foto: stock.adobe.com/aekachai

Unabhängig von Sorte und Herkunftsland steht Whisky bei den Kunden derzeit hoch im Kurs. Wer sowohl für Kenner und Neulinge etwas im Programm hat und darüber hinaus sein Portfolio erlebnisorientiert präsentiert, sollte bei der Klientel punkten können.

Die Nachfrage nach hochwertigen und abwechslungsreichen Whiskysorten wächst. Die Shopper interessieren sich zunehmend für die Geschichte der Spirituose, die Verfahren der Herstellung und die variantenreichen Geschmacksprofile. «Mit der grossen Vielfalt an unterschiedlichen Whiskys werden neue Käufergruppen erreicht, die genussaffin sind», berichtet Tobias Maier, Geschäftsführer und Master Distiller bei Lantenhammer, der etwa mit Sild einen deutschen Whisky anbietet. Es sei die Regionalität, die auch bei Whisky immer mehr eine Rolle spiele.
 
Frauen als Zielgruppe
Bei William Grant & Sons Deutschland macht man weiterhin den Trend zum Home-Mixen aus, der die Kategorie auch nach der Corona-Pandemie vorantreibe, sowie einen wachsenden Anteil an weiblichen Whisky-Konsumenten. Whisky sei auch längst kein reines «schweres» Wintergetränk mehr. Im Premium-plus-Segment über 20 Euro fokussierten grosse Whisky-Hersteller auf Day-/Summer-Drinking und Aperitif-Momente und zielten auf eine deutlich jüngere und weiblichere Zielgruppe. Vor allem Whisky im Preiseinstiegsbereich und Premium-Whisky würden wachsen. Und: «Wir sehen momentan starke Verkäufe von schottischen Whiskys, insbesondere Blended Scotchs erfreuen sich hoher Nachfrage (+6 %) – und auch hier werden die Premium-Varianten (+7 %) deutlich stärker nachgefragt als noch vor einem Jahr. Dass hochwertige Premium-Spirituosen und Sonderabfüllungen hoch im Kurs stehen, die vor allem Whisky-Liebhaber und Sammler ansprechen, bestätigt auch Marc Kirchner, Senior Brand Manager bei Beam Suntory Deutschland. «Im Lifestylebereich beobachten wir, dass insbesondere fruchtig-frische Drinks gefragt sind. Trends sind vor allem Flavors und Mixes, die Zitrusnoten aufgreifen, aber auch andere fruchtige Geschmacksrichtungen sind beliebt.» Ready-to-drink (RTD), perfekt gemischt und direkt verzehrfertig, ist ebenfalls angesagt. Hier gibt es mittlerweile vielfältige und immer neue Convenience-Varianten.
 
Vom Korn zum Genuss
Aber wie kommt der Whisky überhaupt in die Flasche? Auch wenn sich die Produktionsprozesse von Scotch, Irish oder American im Detail durchaus unterscheiden, sind doch zumindest die grundlegenden Schritte vergleichbar. Beim Mälzen wird Gerste (oder anderes Getreide) mehrere Tage lang in frischem Wasser eingeweicht, bevor das feuchte Korn etwa eine Woche ausgebreitet und mehrfach gewendet wird. Es beginnt zu keimen: Dabei entsteht ein Enzym, das die enthaltene Stärke in Malzzucker umwandelt. Sobald sich genügend davon gebildet hat, wird das Getreide getrocknet. Daraufhin werden die gemälzten Körner geschrotet und mit frischem Wasser in einem Bottich aufgekocht. So entsteht gezuckertes Wasser, das man auch «Wort» (Würze) oder «Sweet Mash» (süsse Maische) nennt. Dann versetzt man diese Würze mit Hefe und erhitzt diese Mischung. Die Hefe wandelt den Malzzucker nun in Kohlendioxid und Alkohol um. So entsteht eine bierähnliche Flüssigkeit mit acht bis zehn Prozent Alkohol. Man spricht hierbei auch von «Distiller's Beer», «Sour Mash» oder «Wash». Jetzt wird destilliert. Da Alkohol einen geringeren Siedepunkt als Wasser hat (78,3 Grad Celsius) steigt zunächst er als Gas auf, wird abgeleitet und kondensiert. So erhält man die klare Spirituose, die anschliessend in Fässern reift. Hier haben Klima und Holz einen wichtigen Einfluss auf Geschmack und Färbung des fertigen Produkts. Bevor der Whisky in Flaschen abgefüllt wird, werden Rückstände abgefiltert und das Produkt wird mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt.
 
Verkostung und Beratung
Um sich gegenüber dem Getränke-Fachhandel zu positionieren und abzugrenzen, empfiehlt Nils Rieckmann, Head of Trade Marketing bei Brown-Forman Deutschland, dem Kunden ein erlebnisorientiertes Einkaufen durch eine entsprechende Ladengestaltung und Verkostungsaktionen zu ermöglichen. «Auch mit attraktiven Zweitplatzierungen und Aktionen, die über das Getränkesortiment hinausgehen und weitere Warengruppen des LEH einbinden, kann gepunktet werden. Gut geschultes Fachpersonal im Wein- und Spirituosenbereich dient in jedem Fall der Profilierung.»
 

Warenkunde

Abhängig von seiner Herkunft und der individuellen Herstellung beschert Whisky den Konsumenten, je nach Kenntnisstand, unverwechselbare bis aussergewöhnliche Genussmomente. Ein kleiner Überblick über verschiedene Whiskysorten.

Bourbon: Er wird auch Kentucky Straight genannt und ist wohl der bekannteste US-Whiskey. Sein Name geht auf Bourbon County zurück: eine Region im US-Bundestaat Kentucky. Es ist gesetzlich festgelegt, dass seine Maische zu mindestens 51 Prozent aus Mais bestehen muss. Bei der Gärung kann das Sour-Mash-Verfahren genutzt werden. Das heisst, dass der frisch angesetzten Maische neben der Hefe auch ein Teil bereits fertig fermentierte saure Maische (Sour Mesh) zugesetzt wird. Das gibt der Mischung einen besonderen Charakter. Das Destillat lagert mindestens zwei Jahre in neuen, ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Weisseiche. Charakteristisch sind süssliche Noten von Vanille und Karamell.

Irish Whiskey: Irischer Whiskey schmeckt fast nie rauchig. Das liegt daran, dass er – anders als etliche schottische Varianten – nicht getorft wird. Die Gerste wird nach dem Keimen also nicht über Torffeuern getrocknet. Dadurch ist er leichter und milder im Geschmack. Irish Whiskey wird häufig dreifach destilliert. Dadurch hat er nach der Destillation meist einen Alkoholgehalt von 80 Vol.-%. Irish Whiskey kann aus einer Mischung verschiedener Getreidesorten hergestellt werden, wodurch er vielfältige Aromen aufweisen kann, darunter fruchtige und nussige Nuancen. Übrigens hat die Whiskey-Herstellung ihren Ursprung in Irland, wo 1608 die erste registrierte Whiskey-Destillerie gegründet wurde.

Schottischer Whisky (Scotch): Als Rohstoffe sind in der Regel gemälzte Gerste, Wasser und Hefe erlaubt. Anders als beim Bourbon darf dem Produkt Zuckerkulör (Farbe) zugesetzt werden. Seine Mindestreifedauer liegt bei drei Jahren. Getorfte Whiskys, bei denen die Trockenöfen für die gekeimte Gerste mit Torf befeuert werden, können einen subtilen Hauch von Rauch haben oder auch von sehr intensivem und starkem Rauch-Aroma sein. Das hängt etwa von der Art des Torfs, Dauer der Trocknung und der Lagerung des Malzes ab. Scotch wird in der Regel zweimal destilliert. Die Geschmacksnuancen können von fruchtig-blumig und malzig bis torfig/streng, salzig, wild reichen.

Blended Whiskys: Hier werden Whiskys aus mehreren Brennereien vermischt. Das Blenden (Vermählen) von vielen verschiedenen Whiskys ist eine Kunst für sich. Schliesslich muss jeder abgefüllte Blend den gleichen Charakter haben wie die vorherige und die nächste Variante. Bei Blended Scotch Whisky wird in der Regel Malt und Grain Whisky verschiedener Destillerien kombiniert.

Single Malts: Sie stammen aus nur einer Destillerie und werden mit gemälzter Gerste in kupfernen Brennblasen destilliert. Single Malts gibt es als Scotch, Irish und American.

Single Grain Scotch Whisky: Das ist Whisky, der grösstenteils aus ungemälzter Gerste hergestellt wird. Um die enzymatische Umwandlung der Stärke in Malzzucker in Gang zu bringen, wird für gewöhnlich auch ein Anteil gemälzter Gerste verwendet. Diese Whiskysorte kann weitere Getreidearten enthalten, beispielsweise Roggen, Hafer, Weizen oder Mais.

American Rye Whiskey: Er enthält 51 Prozent Roggen und reift, genauso wie Bourbon, mindesten zwei Jahre in neuen Eichenfässern. Typisch ist sein würziger Charakter mit Aromen von Gewürzen wie Pfeffer und Zimt.

Irish Pott Still Whiskey: Er ist für Irland typisch. Verwendet wird eine Mischung von jeweils mindestens 30 Prozent gemälzter und ungemälzter Gerste. Es können bis zu fünf Prozent andere Getreidesorten zugegeben werden.

Finishes: Whisky-Fässer können etwa aus europäischer oder amerikanischer Eiche gefertigt sein. Zur Reifung des edlen Getränks können zudem Fässer verwendet werden, die vorher für andere Spirituosen genutzt wurden, etwa Sherry, Rum, Port- oder Süsswein. Solche Fässer werden gerne für Finishes genommen: Dabei wird der Whisky nach der ersten Reifung weitere Monate gelagert.

Whiskey oder Whisky?: Je nach Schreibweise kann man auf die Herkunft des Produkts rückschliessen. Whiskey bezeichnet in der Regel amerikanische und irische Sorten, Whisky hingegen schottische und kanadische. Allerdings gibt es gelegentlich Ausnahmen. Deutsche Duden-Schreibweise: Whisky.

 

 

News

Foto: Unternehmen

Ein Start-up will den Süsswarenmarkt umkrempeln, mit gesunden Naschereien – gesüsst mit Datteln.

Foto: Unternehmen

Die Unternehmensgruppe ist darauf spezialisiert, verschiedene Dienstleistungen für Händler und Lieferanten zu erbringen.

Foto: Udo Hermann

Die Barzahler in Deutschland haben ihre Gewohnheiten in den Coronajahren verändert und sind dabei geblieben. Sie zahlen am liebsten mit Karte – und zwar mit der Girocard.

Statements

Beim Aufbau des Whiskeyregals sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden: Kategorisierung nach Regionen wie etwa American, Scotch und Irish sowie Bildung von Markenblöcken (Gewichtung nach Abverkaufszahlen und Marktanteilen). Whiskeys, die den Konsumenten durch höhere Werbeinvestitionen bekannt sind und in ihrer Kategorie zu den Marktführern zählen, kommen in die obere «Greifzone», Whiskeysorten des Preiseinstiegs in die «Bückzone».
Nils Rieckmann, Head of Trade Marketing Brown-Forman Deutschland

Whisky, vor allem der höherpreisige, wird nach wie vor bevorzugt als Geschenk oder aber als Belohnung für sich selbst gekauft. Der Verkaufshöhepunkt von (Premium plus-)Whisky ist zum Jahresende und insbesondere die Woche vor Weihnachten, die den höchsten Umsatz aller Kalenderwochen aufweist. Das sind grösstenteils Geschenke, aber es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Käufer ihren Gästen oder für sich selbst etwas Besonderes anbieten möchten.
Der LEH muss am Puls der Zeit sein und die Balance finden zwischen Mainstream-Produkten, die den Grossteil des Umsatzes ausmachen, und Sortimentsbreite, um höherwertige Shopper mit Innovationen und Raritäten zu überraschen. Damit kann sich der Supermarkt gegenüber dem Wettbewerb profilieren.
William Grant & Sons Deutschland

Es ist relevant, dass nicht nur die Produkte selbst am POS hervor-gehoben werden, sondern auch die entsprechende Atmosphäre und Inspiration geschaffen werden, die das Produkt für die Konsumenten bereits vor dem Kauf erlebbar machen. Attraktive Zweitplatzierungen und Cross-Category-Platzierungen im LEH, die auf besondere Konsumanlässe hinweisen, sind in diesem Zusammenhang besonders interessant.
Marc Kirchner, Senior Brand Manager Beam Suntory Deutschland

Deutscher Whisky erfährt immer grössere Aufmerksamkeit bei den Konsumenten, da viele der deutschen Whisky-Produzenten verstanden haben, Whisky nicht nur regional zu produzieren, sondern den Konsumenten die Möglichkeit zu geben, die Handwerkskunst und die Leidenschaft hinter den Produkten hautnah zu erleben.
Tobias Maier, Geschäftsführer und Master Distiller bei Lantenhammer 

Produkte

Beam Suntory Deutschland
Der neue «Jim Beam Sunshine Blend» (exklusiv für den deutschen Markt) ist eine Mischung aus Jim Beam Kentucky Straight Bourbon Whiskey und einem neuen Bourbon, der u. a. aus braunem Reis hergestellt ist. Mild und mit blumig-fruchtigem Geschmacksprofil ist er gut zum Mixen von Longdrinks und Aperitifs geeignet.

Brown-Forman Deutschland
«Jack Daniel's Bonded» wird aus 80 Prozent Mais, 12 Prozent gemälzter Gerste und 8 Prozent Roggen hergestellt. Die Auswahl besonderer Fässer verleiht dem Whiskey zusätzliche Tiefe und Geschmack. Das Ergebnis: ein mahagonifarbener, kräftiger Whiskey mit vielschichtigen Noten von Karamell, Eiche und Gewürzen, der pur oder in Cocktails genossen werden kann.

Lantenhammer
Für die limitierte Whisky-Spezialität «Sild Whisky Crannog 48 % vol.» werden Braugerste und Quellwasser von der Insel Sylt verwendet. Seine Vollendung erfährt der Sild in kleinen Holzfässern auf dem historischen Kutter «Gret Palucca» mit dem Heimathafen List – durch die Bewegungen auf See: ein Single Malt mit einem vielschichtigen, dezent torf-salzigen Aroma.

William Grant & Sons Deutschland
«Monkey Shoulder» ist kräftig genug für Cocktails und mild genug für puren Genuss. Ein Blend aus Single Malt Speyside Scotch Whiskys, der auf Batch 27, Monkey Shoulders Originalrezept, zurückgeht. Der würzige Duft nach Orange, Vanille, Honig und Eiche geht mit dem Geschmack von milder Vanille mit würziger Note einher.