Plastik - Teil 2: Es geht weiter voran

Mittwoch, 25. Mai 2022
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Viele Lieferanten treiben die Reduktion von Plastik bei ihren Produkten und Verpackungen in grossen Schritten voran. Bereits in drei Jahren sollen ganze Produktlinien komplett mit Rezyklaten auskommen.

Der Einsatz von Recyclingmaterial in Kunststoffverpackungen macht Fortschritte. Nach letzten Zahlen der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen waren es im Jahr 2017 knapp 400 000 Tonnen und 2019 bereits 474 000 Tonnen. Binnen zwei Jahren ist die Nachfrage nach Rezyklaten also um über 18 Prozent gestiegen, während zugleich der Verbrauch an Kunststoffneuware rückgängig war. Die IK sieht eine Fortsetzung des Trends und ständige Verbesserung der Kreislauffähigkeit.

Skalierte Kreislaufwirtschaft
Ein sehr hohes Mass skalierter Kreislaufwirtschaft hat die ERDAL-REX GmbH, ein Unternehmen von Werner & Mertz, bereits bei der Beschaffung und Gestaltung von Rezeptur, Verpackung und Produktion realisiert. Die Verpackungen werden nach Recyclingfähigkeit konzipiert beziehungsweise überarbeitet und setzen nach Unternehmensangaben heute «branchenweit die höchsten Rezyklat-Anteile» ein. Das hat die unabhängige Ellen MacArthur Foundation (Ausrichter des internationalen Wirtschaftsforums in Davos, Schweiz) in ihrem Fortschrittsbericht im November 2021 als beispielhaftes Highlight hervorgehoben. Werner & Mertz will bis 2025 zu 100 Prozent auf Virgin Plastic verzichten. Gleichzeitig verzeichnet der deutsche Mittelständler auch schon jetzt in diesem Bereich den höchsten Anteil an Post-Consumer-Rezyklat (PCR) in seinen Verpackungen. Mit dem patentierten und vielfach ausgezeichneten, verpackungssparenden Beutel für Waschmittel, Seifen und andere Produkte aus Monomaterial (Polyethylen) sei ein Meilenstein gelegt, um Folien effizient und hochwertig im Recycling-Kreislauf zu halten.

Nachwachsende Rohstoffe
Glaxo Smith Kline (GSK) hat sich als Consumer-Health­care-Unternehmen das Ziel gesetzt, bis 2030 alle Produktverpackungen auf recyclingfähige oder wiederverwendbare Formate umzustellen. Wo Qualität und Sicherheit es zulassen, soll Plastik vermieden und recyceltes Material eingesetzt werden. Bis 2025 möchte GSK die Verwendung von Kunststoffen auf Erdölbasis um insgesamt zehn Prozent verringern (gg. 2020). In diesem Sinne läuft seit Juli 2021 die stufenweise Umstellung auf recyclingfähige Zahnpastatuben. Die Umverpackungen der Dr.BEST-Zahnbürsten im Erwachsenenportfolio sind seit August 2021 plastikfrei und bestehen zu über 85 Prozent aus recyceltem Karton. Die innovativen Sichtfenster bestehen aus Zellulose, einem nachwachsenden Rohstoff. Durch diese Initiative können schon heute jährlich über 325 Tonnen Plastik eingespart werden.

Innovative Konzepte
«Wir möchten auch in Zukunft weiter an innovativen Verpackungskonzepten arbeiten, die eine Kreislaufwirtschaft fördern», betont man bei GSK. «So erkunden wir ständig nachhaltigere Ansätze, die zum Beispiel den Plastikeinsatz in Zahnpastatuben optimieren oder die Nutzung von Rezyklaten ermöglichen sollen.» Ausserdem ist GSK Teil des Pulpex-Konsortiums, das an innovativen Flaschen auf Zellulose-Basis als Alternative zu Plastik oder Glas arbeitet. Aktuell wird die Einführung von Pulpex-Flaschen für Produkte der Mundpflege-Marken «Sensodyne» und «Parodontax» geprüft. Seit Anfang 2022 ist GSK auch aktives Mitglied im Forum Rezyklat, «um gemeinsam mit den weiteren Akteuren der Wertschöpfungskette die Verwirklichung einer Kreislaufwirtschaft, insbesondere für Plastik und Verpackungen, zu beschleunigen».

REduce, REuse, REcycle
Die Everdrop GmbH verfolgt mit ihren Refill-Produkten im WPR- und Drogeriesortiment konsequent den Weg der wiederverwendbaren Alternativen zu herkömmlichen Haushaltsprodukten in Einwegplastik. Darüber hinaus sind die Inhaltsstoffe überwiegend natürlichen Ursprungs und damit leicht biologisch abbaubar. Die verwendeten Tenside basieren auf nachwachsenden und zertifizierten Rohstoffen. Everdrop verwendet grundsätzlich kein Mikroplastik in seinen Produkten. Alle Produkte werden nach dem 3R-Prinzip der Abfallwirtschaft – REduce, REuse, REcycle – designed und produziert. «Das bedeutet, wir versuchen im ersten Schritt durch unsere Produkte Verpackungsmüll zu reduzieren, im zweiten Schritt setzen wir ausschliesslich auf wiederverwendbare Lösungen und zuletzt, wenn dann doch mal etwas kaputt geht, ist es uns ein Anliegen, dass alle Produkte vollständig recycelt werden können», beschreibt das Unternehmen die Vorgehensweise. Durch die wiederverwendbaren Putzmittelflaschen konnten bereits über sechs Millionen Einwegplastikflaschen eingespart werden. Alle Flaschenkörper im Einzelhandel sind zu 100 Prozent aus rPET oder rHDPE (High Density Polyethylen / Polyethylen hoher Dichte). Bei allen Produktverpackungen wird Papier eingesetzt, das zu 100 Prozent im Altpapier recyclebar ist. «Wir bekämpfen Einwegplastik nicht nur mit unseren Produkten», nennt Everdrop noch einen weiteren Ansatzpunkt, der aktuell umgesetzt wird: 2022 sollen gemeinsam mit der Organisation CleanHub mindestens 60 Tonnen Plastik aus der Umwelt gesammelt werden. Key-Account-Managerin Tanja Kammann: «Jedes neue Produkt, das wir entwickeln, verfolgt unsere Mission, den Menschen ganz einfach einen nachhaltigeren Lifestyle im Alltag zu ermöglichen.»

Kreislauf

Ganzheitliche Ansätze
Die Marke Frosch und das dahinterstehende Unternehmen Werner & Mertz arbeiten nach einem ganzheitlich-nachhaltigen Ansatz, dem Kreislaufprinzip. Dies betrifft auch die Verpackungen, die seit Jahren nach dem Prinzip «Reduce + Reuse + Recycle» konzipiert und stets verbessert werden. Die Frosch-Rezepturen sind pflanzlich basiert und inzwischen zunehmend europäischen Ursprungs wie Raps aus Deutschland. Bei Frosch wird in den beiden Werken in Mainz und Hallein (bei Salzburg) nach dem weltweit höchsten Umweltstandard EMAS der EU produziert. Die Produktion läuft mit erneuerbaren Energien und ausschliesslich Ökostrom.

Recycling

10-Millionen-Tonnen-Ziel
Die von der EU-Kommission gegründete «Circular Plastics Alliance» (CPA) hat das Ziel, den EU-Markt für recycelte Kunststoffe bis 2025 auf zehn Millionen Tonnen zu steigern. Die deutsche IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zählt zu den Unterzeichnern. Die IK hat sich das Ziel gesetzt, in Deutschland bis 2025 eine Millionen Tonnen Rezyklat und 90 Prozent Recyclingfähigkeit von Haushaltsverpackungen zu erreichen. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) zeigt, dass der Anteil recycling- oder mehrwegfähiger Haushaltsverpackungen aus Kunststoff bereits seit 2016 von 75 Prozent auf 81 Prozent im Jahr 2020 gestiegen ist.