Kontaktlose Zukunft

Montag, 26. April 2021
Foto: Unternehmen

Für den kontaktlosen Einkauf der Zukunft zeichnen sich vier neue Methoden ab. Die Universität St. Gallen hat untersucht, welche davon beim Kunden die grössten Chancen hat.

Viele Händler haben bereits kontaktlose Bezahlsysteme, SB-Kassen oder auch einen Online-Shop eingerichtet, um das Einkaufen komfortabler und sicherer zu gestalten. Im Extremfall können Konsumenten bereits völlig autonom in automatisierten Shops einkaufen – in der Schweiz beispielsweise im «avec 24/7 store», in Deutschland bei «tegut... teo». Wohin dieser Weg führen kann und welche Präferenzen die Verbraucher haben, das hat Prof. Dr. Thomas Rudolph gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern am Forschungszentrum für Handelsmanagement der Universität St. Gallen ergründet. Für die Studie «Retail Store of the Future» wurden 500 Erwachsene zu ihrer Einstellung befragt.

Convenientes Einkaufserlebnis
Ein Kernergebnis lautet, dass das Bedürfnis nach Con­venience der Auslöser des kontaktlosen Einkaufens ist. Die Konsumenten wünschen sich ein möglichst effizientes und unkompliziertes Einkaufserlebnis und werden dabei immer anspruchsvoller. Untersucht wurden die vier kontaktlosen Systeme, die bereits auf dem Markt existieren. Die erste Methode ist das automatisierte Kaufsystem, bei dem etwa der eigene Kühlschrank automatisch eine Bestellung auslöst. Die zweite Methode ist Click&Collect mit einer Pickstation, an der Konsumenten ihre zuvor online bestellten Einkäufe abholen können. Drittens gibt es den virtuellen Laden, bei dem man in seinen eigenen vier Wänden durch das Aufsetzen einer Virtual-Reality-Brille in einer virtuellen Ladenumgebung stöbern und einkaufen kann. Die vierte untersuchte Methode ist der voll automatisierte Selbstservice-Laden, in dem Sensoren den Wert des Warenkorbs erkennen und der Kunde, ohne an eine Kasse zu gehen, den Laden verlassen kann.

Beliebter Selbstservice
Nach eingehenden Befragungen kristallisierte sich heraus, dass stationäre Shops und Erlebnisse auch für kontaktlose Einkaufsmethoden höchst relevant sind. Damit qualifizierten die Schweizer Verbraucher den Selbstservice-Laden als die beliebteste der vier Einkaufsmethoden. Diese Erkenntnis wurde vom Forschungsteam abgesichert: Alle Befragten erhielten die Möglichkeit, ihre E-Mail-Adressen zu hinterlegen, wenn sie informiert werden wollen, sobald die jeweilige Einkaufsmethode in ihrer Nähe verfügbar ist. Dieses Vorgehen erlaubt es, über die verbalen Äusserungen hinaus das explizite Interesse zu messen. Es zeigt sich, dass Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor den Einkauf ausserhalb ihrer Wohnung dem Einkauf in den eigenen vier Wänden vorziehen. Mit 32 Prozent haben die meisten Befragten ihre E-Mail-Adresse hinterlassen, um über einen neuen Selbstservice-Laden informiert zu werden.

Zudem wurden die Teilnehmer gefragt, inwiefern sie das jeweilige Szenario als vorteilhaft gegenüber anderen Einkaufsmethoden einschätzen. Die Zustimmungswerte zu den vier Szenarien sind eher niedrig. Einzig der Selbstservice-Laden bietet mit einem Durchschnittswert von knapp vier von sieben Punkten aus Sicht der Befragten einen Mehrwert im Vergleich zu bekannten Einkaufsmethoden. Der virtuelle Laden (2,9 Punkte), die Pickstation (2,5) und das automatisierte Kaufsystem (2,5) liegen deutlich darunter. Eine weitere Erkenntnis: Die Schweizer Konsumenten zeigen aktuell keine Bereitschaft, für die Nutzung von kontaktlosen Einkaufsmethoden mehr zu zahlen.

 

Randnotiz

Kontaktloser Einkauf: eine Frage des Sortiments
Interessant für Händler ist die Frage, welche Sortimente bevorzugt per kontaktloser Einkaufsmethoden gekauft werden. Die Befragten würden alle vier Methoden am ehesten für den Einkauf von Haushalts- und Hygieneartikeln nutzen. «Da es sich hierbei um eine Produktkategorie mit geringer emotionaler Bedeutung handelt, unterstreicht dies die derzeitige Zurückhaltung gegenüber den vorgestellten Einkaufsmethoden», so die Autoren der Studie.­ Die grösste Akzeptanz für den Einkauf verschiedener FMCG-Sortimente hat der kontaktlose Selbstservice-Laden: Hier würden immerhin 64 % Haushalts- und Hygieneartikel einkaufen und jeweils mehr als 61 % Lebensmittel und Drogerieartikel.