Jetzt kaufen, später zahlen

Montag, 25. April 2022
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Sieben von zehn Deutschen und Österreichern zeigen sich offen für Konsumentenkredite. Und greifen deshalb auch gerne bei teuren Produkten zu, wenn Händler ihnen eine bequeme Finanzierung  direkt am POS anbieten.

Vor allem junge Kunden setzen auf «buy now, pay later» (BNPL)  – und zwar sowohl beim Online-Shopping als auch vor Ort im Geschäft. Das zeigt die Studie «Konsument:innenfinanzierung neu gedacht», für die das Fintech-Unternehmen Credi2 GmbH mit Sitz in Wien im Jahr 2021 repräsentativ 1024 Deutsche und Österreicher befragt hat. Für die Verbraucher werden passgenaue Angebote mit mehreren Wahlmöglichkeiten bei der Bezahlung immer mehr zur Selbstverständlichkeit. Und: Bei der Finanzierung punktet der Handel gegenüber den Banken. Ein Viertel der Befragten findet, dass die Kreditzusage bei der Hausbank zu umständlich ist und zu lange dauert. Die Finanzierungen werden auch deshalb gerne bei Händlern abgeschlossen, weil Kunden davon ausgehen, dass diese ihnen mit der Höhe des Kreditrahmens, flexibler Ratenhöhe und beim Rückzahlungszeitraum bessere Konditionen anbieten als die Hausbank. Für die Konsumenten zählt auch, dass die Kreditvergabe reibungslos in den Kaufprozess integriert und die Antragsprozedur innerhalb von wenigen Minuten erledigt ist. Drei von vier Befragten erwarten zudem flexibel anpassbare Kreditraten.  

Hebel für Spontankäufe
Besonders beliebt ist das spätere Bezahlen bei den 18- bis 34-Jährigen. Mehr als 70 Prozent würden eine Finanzierung in Anspruch nehmen, um spontaner oder auch mal ein höherwertiges Produkt kaufen zu können. Dabei wünschen sich die Kunden heute auch eine Auswahl an verschiedenen Bezahlmethoden, egal, ob sie online oder vor Ort einkaufen. Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für BNPL ist zudem die finanzielle Flexibilität. Rund die Hälfte der Befragten empfindet BNPL-Angebote beim Shoppen als praktisch und unkompliziert. Zahlen in Raten, passend zum eigenen finanziellen Budget, fragen vor allem die Jüngeren nach. So können sich 57 Prozent der unter 35-Jährigen vorstellen, BNPL-Angebote auch an der Ladenkasse zu nutzen.

Zusatzleistungen sind gefragt
Der Konsumentenkredit am POS ist eine Möglichkeit, Käufe anzustossen und Kunden zu binden – aber es gibt noch weitere Erfolg versprechende Ansätze. Die Studie zeigt, dass die meisten Kunden sich neben verschiedenen Bezahlarten beim Shoppen auch die Möglichkeit wünschen, Zusatzleistungen zum Produkt zu buchen. Besonders hoch im Kurs stehen bei Gebrauchsgütern Reparatur- (65 %) und Wartungsservices (60 %). Auch über die Möglichkeit, direkt beim Kauf Versicherungen gegen Verlust oder Schäden abzuschliessen, würde sich die Mehrheit (58 %) aller Befragten freuen. Und 53 Prozent wünschen sich ein Angebot an Abomodellen, um ihre Produkte regelmässig durch Nachfolgemodelle upgraden zu können. Bei all diesen Optionen zeigt die jüngere Zielgruppe (18-34 Jahre) das grösste Interesse.

Defizite beim Händler
Wie die Studie weiter zeigt, klafft zwischen den Wünschen der Verbraucher und der Wirklichkeit am POS noch eine grosse Lücke. Mehr als 70 Prozent der Befragten finden, dass sie beim Shoppen oft selbst aktiv nach Finanzierungsmöglichkeiten fragen müssen. Selbst wenn die Händler BNPL-Lösungen anbieten, sieht die Mehrheit der Kunden hier noch Verbesserungspotenzial bei den Angeboten. So sagen 63 Prozent: «Die Angebote gibt es, aber ohne grosse Auswahl». Und 60 Prozent finden, dass die Angebote der Händler «dem Kunden wenig Flexibilität» bieten.

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Länder-Vergleich
Potenzial für Zusatzservices im Handel gibt es sowohl in Deutschland als auch in Österreich, aber der Wunsch danach ist bei österreichischen Konsumenten grösser. 76 Prozent aller Befragten in Österreich (in Deutschland 62 %) vermissen beim Kauf das Angebot an Reparaturservices und 71 Prozent die Möglichkeit der Versicherung (D: 57 %). Im Gegensatz dazu finden 71 Prozent der deutschen Konsumenten BNPL-Lösungen wie den Konsumentenkredit interessant, während diese Quote in Österreich bei «nur» 69 Prozent liegt.