Initiative Tierwohl

Dienstag, 01. März 2016
Foto: www.johannmayr.de

Die Initiative Tierwohl sieht sich auf gutem Wege, die Standards in der Schweine- und Geflügelhaltung marktweit zu verbessern. Auch die teilnehmenden MARKANT Mitglieder sind von der Nachhaltigkeit dieses Konzeptes überzeugt. Eine erste Bilanz.

Mit der 2015 gegründeten Initiative Tierwohl setzen sich erstmals in Deutschland branchenübergreifend Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam für eine tiergerechtere Fleischerzeugung ein. Die Initiative Tierwohl will die Standards in der Nutztierhaltung aktiv, flächendeckend und Schritt für Schritt objektiv und messbar weiter verbessern. Ziel ist es, in möglichst vielen landwirtschaftlichen Betrieben Verbesserungen anzustoßen. Ein wichtige Rolle spielt dabei auch der Dialog mit dem Verbraucher über Standards und Hintergründe der Tierhaltung sowie Fortschritte in Sachen Tierwohl. "Unser Fazit nach dem ersten Jahr ist sehr positiv", teilte die Initiative auf der Grünen Woche 2015 in Berlin mit. "Das zeigen die Zahlen der ersten Zwischenbilanz."

Tierwohl-Maßnahmen für 267 Millionen Tiere

85 Millionen Euro haben die teilnehmenden Handelsunternehmen im ersten Jahr zur Verfügung gestellt. Auch für die nächsten zwei Jahre sind weitere 170 Millionen Euro an Mitteln gesichert. Nach derzeitigem Stand können pro Jahr 267 Millionen Hähnchen, Puten und Schweine von verschiedenen definierten Tierwohl-Maßnahmen profitieren. 81 Auditoren überprüfen unangemeldet, ob die Kriterien in den Betrieben eingehalten werden. 95 Prozent der bisher überprüften Betriebe haben das Audit bestanden. Elf Unternehmen des deutschen Lebensmittelhandels, darunter die MARKANT Mitglieder Kaufland und Real, nehmen bislang (Stand 16.2.2016) an der Initiative teil, mit weiteren laufen Verhandlungen. Jedes dieser Unternehmen führt aktuell vier Cent pro Kilogramm verkaufter Schweine- und Geflügelfleischware an die Initiative Tierwohl ab. Mit dem Geld wird der Mehraufwand finanziert, der den zugelassenen Tierhaltern bei der Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen entsteht.

Tierwohl in die Breite tragen

"Als Schnittstelle zwischen Herstellern und Verbrauchern nehmen wir unsere Verantwortung ernst und haben das Thema Tierwohl deshalb fest in unserer CSR-Strategie verankert", begründet Kaufland seine Teilnahme. Ziel sei es, das Tierwohl in der Nutztierhaltung zu verbessern und somit "eine verantwortungsvollere Herstellung von Produkten tierischen Ursprungs garantieren zu können". Ähnlich die Überlegungen bei Real: "Tierschutz, soziale Verantwortung und nachhaltiges Handeln sind für uns zentrale Anliegen von höchster Priorität. Daher steht es für uns außer Frage, dass wir als Einzelhandelsunternehmen mehr Transparenz bei der Herkunft unserer Produkte schaffen und uns besonders im Bereich Tierschutz und Tierwohl stark engagieren." Real wertet die große Teilnahmebereitschaft der Landwirtschaft als Beleg dafür, mit der Initiative den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Dass rund zwölf Millionen Schweine und 255 Millionen Hähnchen und Puten  bereits von den Tierwohlmaßnahmen profitieren, sei "deutlich mehr als mit jedem anderen bisherigen Ansatz erreicht wurde". Kaufland sieht einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Tierwohl-Programmen mit entsprechend gelabelten Produkten darin, dass mit der Initiative Tierwohlstandards in die Breite getragen werden. Nur so sei möglich, diese flächendeckend zu verbessern, so dass eine Vielzahl an Tieren davon profitiert. "Es ist uns daher wichtig, entsprechende Standards auch bei konventionellen Sortimenten zu implementieren und damit auch breitere Verbraucherschichten zu erreichen", berichtet eine Kaufland-Sprecherin.

Gemeinsame Kundenkommunikation

Die Unternehmen informieren ihre Kunden auf verschiedenen Wegen über den Tierwohl-Ansatz. Grundsätzlich haben sich die Bündnispartner auf ein gemeinsames Vorgehen im Hinblick auf die Kundenkommunikation verständigt, insbesondere in Bezug auf verwendete Botschaften und Gestaltungselemente, um den Wiedererkennungseffekt und eine einheitliche Wahrnehmung der Initiative zu fördern. Kaufland kommuniziert das Thema neben der persönlichen Ansprache über sein Kundendienstcenter im Rahmen von Kundenanfragen über Online-Medien wie Website oder Email-Newsletter, aber auch über die Kundenzeitung „TIP der Woche“ sowie zeitweise auch am POS über diverse Plakatierungen.

Real bewirbt sein Engagement im Bereich Tierwohl ebenfalls auf vielfältige Art. So werden dafür regelmäßig der wöchentliche Angebotsprospekt und online der wöchentliche Newsletter eingesetzt. Außerdem schaltet Real regelmäßig 20-sekündige Spots in seinem POS-Radio und setzt zudem am POS verschiedene Plakate ein, etwa direkt an der Kühltruhe oder als Deckenhänger.

Die Resonanz der Kunden sei durchweg positiv und von großem Interesse am Thema Tierwohl in all seinen Facetten geprägt, berichten die Unternehmen. "Gerade beim Thema Tierwohl sind die Fragen, mit denen sich Kunden an uns wenden, sehr heterogen und lassen sich schwer verallgemeinern", berichtet Kaufland. Ähnliche Erfahrungen macht Real: "Die Debatte über Tierwohl und Tierschutz wird mittlerweile auch deutlich breiter geführt als noch vor wenigen Jahren." Genauso wie vegane und vegetarische Ernährungsformen deutlich verbreiteter geworden sind, sei auch das Interesse der Verbraucher an der Herkunft der Fleischprodukte gestiegen. Dabei geht es nach Beobachtung von Real zum einen um Aspekte wie die regionale Erzeugung und zum anderen auch um die Rahmenbedingungen der Aufzucht und Schlachtung der Tiere.

Blick in die Zukunft

Für die Weiterentwicklung der Initiative Tierwohl haben deren Mitgliedsunternehmen klare Vorstellungen - nämlich, das Ganze auf eine noch breitere Basis zu stellen, um noch mehr landwirtschaftliche Betriebe und damit Tiere einbinden zu können. "Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass die Initiative Tierwohl auf einer breiten Basis steht, an der möglichst viele – idealerweise alle – Handelsunternehmen und Unternehmen der Fleischwirtschaft teilnehmen", lautet der Standpunkt von Real. Andernfalls sei die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung sehr hoch, da auch Unternehmen, die nicht an der Initiative teilnehmen, profitieren, aber nach wie vor günstigeres Fleisch anbieten können.

Kontroverse Diskussion

Kontrovers diskutiert wird die Frage, ob die Fleischprodukte der teilnehmenden Handelsbetriebe mit dem Label der Initiative Tierwohl ausgezeichnet werden sollten. Kaufland vertritt den Standpunkt, dass es grundsätzlich wichtig sei, die Verbraucher noch mehr über die Initiative zu informieren und dass dabei durchaus auch ein Produktbezug herzustellen sei. "Ein entsprechendes Label beziehungsweise einen Hinweis auf der Verpackung befürworten wir daher", sagt eine Unternehmenssprecherin. Wichtig sei es dann allerdings, transparent zu machen, wofür eine entsprechende Kennzeichnung steht und wofür nicht. Die Initiative Tierwohl hält das Labeling von Produkten indes nicht für praktikabel und sieht vor allem das Problem, dass dann alle Produktionsstufen des auszuzeichnenden Produktes zertifiziert und kontrolliert werden müssten. Ein Schweinemäster dürfte dann nur Ferkel von einem ebenfalls zertifizierten Ferkelaufzuchtbetrieb, dieser wiederum nur von zertifizierten Sauenhaltern beziehen. Eine solche aufwändige Praxis, so das Argument der Initiative, würde die schnelle Etablierung von Tierwohlmaßnahmen in der Breite erheblich erschweren. Es bestehe die Gefahr, dass dann aufgrund der regulatorischen Hemmnisse nur wenige Landwirte teilnehmen wollen - und die Initiative in ein Nischensegment abrutscht.

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Info

Die Initiative Tierwohl hat für die Haltung von Schweinen, Hähnchen und Puten einen Katalog mit Anforderungen erstellt, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. Neben Grundanforderungen gibt es zahlreiche Wahlpflichtkriterien, die einzeln oder in Kombination das Tierwohl fördern. Das sind bei der Schweinemast insbesondere mindestens zehn Prozent mehr Platz pro Tier im Stall als gesetzlich gefordert, ständiger Zugang zu Raufutter, Kastrationsverbot für Jungeber, tierfreundlichere Klima- und Tränketechnik, organisches und/oder anderes Beschäftigungsmaterial und viele weitere Maßnahmen. Analog dazu gibt es Kriterienkataloge für die Sauenhaltung und Ferkelaufzucht sowie für die Hähnchen- und Putenmast. Eine Übersicht aller Kriterien steht auf der Website www.initiative-tierwohl.de zur Verfügung.