Die Zeit ist reif für LED

Dienstag, 05. Mai 2015
Foto: www.johannmayr.de

Immer mehr Lebensmittelhändler denken über den Wechsel zu moderner LED-Beleuchtung nach. Lohnt sich die Investition heute schon? Aktuelles zur Kosten-Nutzen-Relation bei LED.

Für immer mehr Handelsunternehmen liegt der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen und nachhaltig orientierten Lichtplanung in der LED-Technik. LED-Licht soll Ware und Verkaufsflächen sehr natürlich und energieeffizient zugleich beleuchten und die Aufenthaltsqualität für Kunden und Mitarbeiter fühlbar steigern. Die Vorzüge gegenüber der konventionellen Entladungstechnik sind gerade auch bei der Beleuchtung von Frischwaren unbestritten, senken sie doch sowohl die Abschriften als auch die Kosten für Lüftung und Klimatisierung beträchtlich, gar nicht zu reden von den Energieersparnissen durch die deutlich niedrigere Anschlussleistung der LED. Die Lichtleistung der LED gilt mit der aktuellen Bestmarke von 120 Lumen/Watt inzwischen als mindestens gleichwertig, wenn nicht höher im Vergleich mit der neuesten Generation hochwertiger Entladungslampen. Doch das allein ist gar nicht entscheidend: „Die Lichtqualität bringt den Gewinn, nicht die Lichtmenge“, unterstreicht der unabhängige Lichtplaner und -designer Reinhard Vedder. Ein differenziertes Lichtspektrum und eine sehr gute, natürliche Farbwiedergabe sind für die flexible, warenspezifische Beleuchtung viel wichtiger. Auch ist die lange durchschnittliche LED-Betriebslebensdauer von 50.000 Stunden einfach nicht zu toppen. Daher plant ein großer Teil der befragten Händler laut EHI Ladenmonitor, in absehbarer Zeit in LED-Technik zu investieren. Tatsächlich ist der Lebensmittelhandel deutschland- und europaweit bereits Vorreiter in der Umsetzung dieser Technologie. Stark vorangetrieben wurde das Thema auch von den Discountern.

Die Preise für LED in Deutschland geben deutlich nach

Zwei Vorbehalte bremsen allerdings bislang viele Lebensmittelhändler in ihrer Investitionsbereitschaft für LED. Das sind zum einen die vermeintlich deutlich höheren Investitionskosten und zum anderen die tatsächlich fehlenden Standards, die bei einem explosionsartig gewachsenen und unüberschaubaren Marktangebot viele Investoren stark verunsichern. Vor allem Fernost-Importe stehen hier in Sachen Qualität in zweifelhaftem Ruf. Allerdings hat sich hier die Marktlage entspannt, weiß Lichtexperte Vedder: Inzwischen bieten nach seiner Beobachtung nämlich auch viele Leuchtenhersteller im Inland und in Europa gute LED-Leuchtenqualität an. Hier sei vielleicht noch ein Preisunterschied von maximal 10 bis 15 Prozent gegenüber der Entladungslampe erkennbar, der angesichts der langen Lebensdauer der LED sowie den vielfältigen Einsparpotenzialen aber unterm Strich aber gar keine Rolle mehr spiele. Im Gegenteil führt die Entscheidung für LED aus seiner Sicht zu einer sehr günstigen Bilanz bei den Betriebskosten, und das schon in einem recht kurzen Zeitraum. Hinzu kommt, dass mit steigender Nachfrage auch im deutschen Markt die Preise für LED bereits deutlich nachgeben.

Energieprojekte ganzheitlich betrachten

Für die Mehrheit der Händler würden ohnehin bei Investitionen in Energieprojekte ganzheitliche Betrachtungsweisen von Anlagen und Systemen in den Fokus rücken, sagt Claudia Horbert, Ladenbauexpertin beim EHI Retail Institute. Diese als Total Cost of Ownership bezeichnete Strategie basiert auf folgender Idee: Man erhält eine Abrechnung, die nicht nur die Anschaffungskosten enthält, sondern alle Aspekte der späteren Nutzung, Betriebskosten, Reparatur und Wartung einschließt.  „Und dieser Entscheidung folgt im Besonderen auch die Mehrheit der Händler, wenn es um ein neues, energieeffizientes Beleuchtungssystem geht“, so Horbert.

Investitionssicherheit gewährleisten

Um auf der sicheren Seite zu sein, können sich Händler zudem über wichtige Qualitätskriterien einer hochwertigen und leistungsfähigen LED-Technik auch schon anhand einer kleinen Broschüre informieren, die in Zusammenarbeit mit unabhängigen Lichtplanern sowie Handelsunternehmen und Leuchtenherstellern entwickelt wurde und den Handel bei der Entscheidungsfindung für den LED-Kauf unterstützen will. Die Broschüre ist beim EHI erhältlich. Empfehlenswert ist darüber hinaus immer auch, den Rat von unabhängigen Lichtplanern einzuholen, die die Qualität von LED-Produkten – bezogen auf den jeweiligen Anwendungsbereich – ausgiebig testen und damit zur Investitionssicherheit beitragen.

INFO

Laut EHI Ladenmonitor genießen Investitionen in Beleuchtung auf Marktebene 2014 weiterhin höchste Priorität. Schließlich entfallen im LEH 27 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Licht, bei Nonfood sogar 53 Prozent. „LED als Beleuchtungsmedium ist dabei in punkto Energieeffizienz immer häufiger die erste Wahl und hat durch das Vordringen auch in der Allgemeinbeleuchtung einen zusätzlichen Investitionsschub erhalten“, sagt Claudia Horbert, Leiterin des EHI-Forschungsbereichs Ladenplanung und Einrichtung. Weit über die Hälfte der befragten Lebensmittelhändler hat sich bereits für den Einsatz von LED bei der Flächenbeleuchtung entschieden. Im Durchschnitt wird ein Pay-off-Zeitraum zwischen zwei und 2,5 Jahren akzeptiert. Unternehmen sind nach eigener Aussage aber auch bei höherem Pay-off-Zeitraum sehr viel häufiger bereit, auf neue wegweisende Technologien zu setzen, ganz besonders im Bereich Beleuchtung.

 

INTERVIEW

Lichtarchitekt Reinhard Vedder ist überzeugt, der LEH kann klar gewinnen, wenn er bereits heute auf LED-Technologie umsteigt.

Welche positiven Effekte hat LED-Licht auf die Ware?
Gute LED-Leuchten bieten ein natürlich wirkendes, hochwertiges Licht zur Beleuchtung von Frischesortimenten – im Unterschied zu Hilfsmitteln wie Farbfilter bei Entladungslampen. Dazu kommen weitere Vorteile: deutlich weniger Abschriften durch Wärme- und UV-Belastung mit Vergrauen von Fleisch & Wurst, Beschleunigung der vorzeitigen Reifung von Obst, Gemüse und Blumen. Derzeit laufen schon erfolgreiche Testreihen mit Dimmung der LED in sensiblen Frischebereichen zu frequenzärmeren Tageszeiten.

LED gilt aber nach wie vor als teuer…
In den letzten zwölf Monaten haben sich die Investitionskosten durch Preissenkungen bei LED bereits deutlich reduziert. Viele Händler irren außerdem mit ihrer Annahme, man fahre mit Entladungstechnologie günstiger. Sie betrachten nur die höheren Investitionskosten für LED im Vergleich zum konventionellen Leuchtensystem, ohne die Betriebskosten für Klimatisierung/Lüftung, Ersatz der Entladungslampen, Reparatur und Wartung der Anlage gegenüberzustellen. In der ganzheitlichen Betrachtung aber zeigt sich sehr schnell die höhere Wirtschaftlichkeit der LED-Technik.

Wozu raten Sie also Handelsunternehmen?
Allein aus wirtschaftlicher Sicht rate ich, lieber heute als morgen auf LED-Beleuchtung umzusteigen, auch schon im Rahmen kleinerer Modernisierungsmaßnahmen. Der Haupteinsparungseffekt liegt bei der Lüftung und Klimatisierung der Verkaufsräume, die durch Entladungslampen richtig Geld kostet. Bereits ab dem dritten Jahr werden die Einsparungen bei den Energiekosten unübersehbar sein.