Bewusster Konsum

Montag, 28. März 2022
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Jede Kaufentscheidung hat einen gesellschaft-lichen Impact – dies wird immer mehr Verbrauchern bewusst. Vom künftigen Konsum geht also die Kraft des Wandels aus und damit wird Social Impact wird zum Kaufkriterium der Zukunft. Die Unternehmen müssen diesen Mindset-Wandel mitgehen, wenn sie weiterhin erfolgreich bleiben wollen.

Konsumieren und Gutes tun – dieser Trend ist nicht neu, allerdings bei den Verbrauchern unvermindert angesagt. Davon ist Dr. Sebastian Stricker, Gründer und Geschäftsführer von share wie auch Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin des BNW Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e. V. überzeugt. Marken wie Viva con Aqua, Lemonaid, Charitea und share machen schon seit einigen Jahren vor, wie sozialer Konsum funktioniert. Bei jedem Kauf eines Produkts dieser Marken unterstützen die Konsumenten automatisch konkrete soziale Projekte. Konsum kann daher sozial sein – und sollte auch sozial sein, so eine Forderung des share-Gründers. «Jede Kaufentscheidung hat einen gesellschaftlichen Impact, das wird immer mehr Menschen bewusst. Laut einer aktuellen Umfrage wollen 74 Prozent der Menschen in der Zukunft aktiv über ihren Konsum gesellschaftlichen Einfluss nehmen.»

Doch dafür braucht es nach Auffassung von Dr. Katharina Reuter allerdings Folgendes: «Grundsätzlich müssen wir das Wachstumsdogma der linearen Wirtschaft hinterfragen – und das hat auch Auswirkungen darauf, was und wie wir künftig konsumieren werden.» Dazu müsse Gesellschaft und Wirtschaft zukunftsfähig aufgestellt werden. Reuter fordert: «Wir müssen suffizienter leben (consume and produce less). Wir brauchen zirkuläre Wirtschaftsprozesse. Wir brauchen innovative Geschäftsmodelle, die genau diese Herausforderungen lösen.» Der Ansatz, den tagtäglichen Konsum mit sozialem Nutzen zu verbinden, könne gelingen,  wenn die Produkte beziehungsweise Dienstleistungen auch ökologische Nachhaltigkeitsleistungen sicherstellen würden. 

Kaufkriterium Social Impact
Indes hat der Wunsch nach sinnhaftem Konsum enorm zugenommen. Das geht einher mit einem Wertewandel in der Gesellschaft, dies hat Dr. Katharina Reuter festgestellt. So würden immer mehr einen Job mit Purpose suchen – der Lohnzettel stehe nicht mehr an erster Stelle, sondern die Auswirkungen auf die Welt. Dieses Mindset bestimmt laut Share auch das Konsumverhalten. Über 80 Prozent der Menschen in Deutschland würden einen Social Impact nicht als Trend sehen, sondern als Kaufkriterium der Zukunft. Über 60 Prozent würden zudem zukünftig Marken boykottieren, die keinen Social Impact bieten. «Jede und jeder Dritte will in Zukunft aktiv über Konsum gesellschaftlichen Einfluss nehmen. Produkte müssen überzeugen, aber die Werte der Unternehmen auch», sagt Dr. Stricker.  

Risikofaktor Greenwashing
Hersteller müssen sich daher ernsthaft mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. «Eine Glaubwürdigkeitslücke bei den Themen Ökologie und Gemeinwohlorientierung wird für Unternehmen ansonsten zum handfesten Wettbewerbsnachteil, vor allem in hochpreisigen Segmenten», sagt Dr. Reinhard Loske, Professor für Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik an der Universität Witten/Herdecke. Denn damit werde Greenwashing zum Risikofaktor, weil es leicht aufgedeckt und skandalisiert werden kann.

Soziale Wirkung
Handel und Verbraucher können durch ihr Handeln zur realen Verbesserung in zentralen Bereichen wie Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Biodiversitätsförderung teilhaben und damit einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Wichtig ist aber auch: «Nachhaltiger Konsum ist kein Ersatz für Politik. Die muss den gesetzlichen Rahmen für gute Produkte und gute Produktionsbedingungen auf der Grundlage von Fakten schaffen. Man kann nicht alles bei den Kunden abladen», berichtet Dr. Loske. Damit Handel und Verbraucher jedoch gemeinsam eine soziale Wirkung entfalten können, ist nach Auffassung von Dr. Katharina Reuter ein Abgleich der Werteorientierung nötig: Wo treffen sich die Bedarfe des Handels und die Wertegerüste der Verbraucher? Wie wird der Zusammenhang zwischen «Produkt» und «sozialer Wirkung» kommuniziert? «Da die Wirkungsmessung von Social Impact oftmals komplex ist, müssen die Projekte, die unterstützt werden, möglichst konkret sein. Insgesamt schafft der Handel damit auch ein Gefühl des «Empowerments» für die Verbraucher», sagt Dr. Reuter.  

Preisbereitschaft
Ein Grossteil der Verbraucher ist nach Beobachtung von share bereit für einen Social Impact mehr für ein Produkt zu bezahlen. Laut einer Umfrage des Unternehmens kaufen neun von zehn Frauen und acht von zehn Männern zumindest manchmal Social-Impact-Produkte. Vor allem in den Bereichen Lebensmittel, Drogerieartikel und Kleidung sei sozialer Konsum verbreitet. Eltern seien übrigens noch etwas häufiger dazu bereit, mehr Geld für Produkte mit Social Impact auszugeben. «Wir gehen davon aus, dass für deren Kinder sozialer Konsum eines Tages der Standard sein wird. Sozialer Konsum ist das Wirtschaftsmodell der Zukunft, resümiert der share-Gründer Dr. Sebastian Stricker.

 

News

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Ein Start-up will den Süsswarenmarkt umkrempeln, mit gesunden Naschereien – gesüsst mit Datteln.

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Die Unternehmensgruppe ist darauf spezialisiert, verschiedene Dienstleistungen für Händler und Lieferanten zu erbringen.

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Die Barzahler in Deutschland haben ihre Gewohnheiten in den Coronajahren verändert und sind dabei geblieben. Sie zahlen am liebsten mit Karte – und zwar mit der Girocard.

Fakten zum Thema Social Impact

Was die deutschen Verbraucher mit dem Wort „Konsum“ verbinden

  • 44 % Überfluss
  • 31 % Glücksgefühle
  • 77 % finden, dass Social-Impact-Marken Konsum positiv beeinflusse

Wird die Zukunft sozial?

  • 81 % der Deutschen denken, dass Social Impact, kein Trend, sondern ein Kaufkriterium der Zukunft ist
  • 74 % wollen in der Zukunft aktiv über ihren Konsum gesellschaftlich Einfluss nehmen

Sind Unternehmen in der Verantwortung?

  • 55 % sind der Meinung, dass Unternehmen den grössten Einfluss auf unser Konsumverhalten haben
  • 79 % finden, dass Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung tragen

Was, wenn Unternehmen nicht mitziehen bei der Social-Impact-Bewegung?

  • 61 % der Deutschen können sich vorstellen, in Zukunft Marken zu boykottieren, die keine Social Impact bieten

Quelle: share

Buchtipp

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