Baumärkte im Umbruch

Freitag, 05. Juni 2015
Foto: T. Schindel, S. Brückner

Die deutschen Bau- und Heimwerkermärkte können in diesem Jahr mit Zuwächsen rechnen. Auch für Österreich und die Schweiz zeigen sich die DIY-Branchenexperten optimistisch.

Die Unternehmen der deutschen Do-it-yourself-Branche haben im Geschäftsjahr 2014 ein Umsatzplus von 8,8 Prozent erzielt. Dabei ist allerdings das Verschwinden der Praktiker-Gruppe mit den Praktiker- und Max-Bahr-Märkten berücksichtigt. Gemessen am Gesamtbruttoumsatz von 17,63 Milliarden Euro verzeichnete die Branche einen Umsatzrückgang von 6,2 Prozent gegenüber 2013, als dieses ehedem drittgrößte Branchenunternehmen noch mitgezählt wurde. Auf bereinigter Verkaufsfläche konnte der Baumarkthandel seinen Umsatz um fünf Prozent steigern. Diese Marktzahlen nennt der BHB Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten e.V. auf Basis von GfK-Daten.

"Branche gut aufgestellt"

Der Verband und die Branche zeigen sich in Anbetracht der schwierigen Rahmenbedingungen mit der Marktperformance der Handelsunternehmen zufrieden. "Der vollständige Marktaustritt der Baumarktgruppe Praktiker zum Märzbeginn 2014 hat es der Branche erwartungsgemäß unmöglich gemacht, das Umsatzvolumen des Vorjahres im Gesamtmarkt zu halten. Die Zuwächse der 2014 am Markt aktiven Unternehmen des Baumarkthandels beweisen aber, dass die deutsche Bau- und Heimwerkermarktbranche gut aufgestellt ist," sagt BHB-Vorstandssprecher Erich Huwer. Die höchsten Umsätze erzielten die deutschen Bau- und Heimwerkermärkte 2014 mit den Sortimenten Bauchemie/Baumaterial (1,64 Mrd. Euro), Sanitär/Heizung (1,63 Mrd. Euro), Anstrichmittel/Malerzubehör (1,27 Mrd. Euro) und Elektro (1,24 Mrd. Euro). Das geht aus dem GfK-Total-Store-Report hervor. Die Gesamtheit aller Gartensortimente - Gartenausstattung, -möbel und -geräte, Be- und Entwässerung, Lebend Grün sowie Gartenchemie, Erden und Saatgut - erzielte einen Umsatz von 3,73 Milliarden Euro und damit rund 21 Prozent des gesamten Jahresumsatzes.

"Potenziale für Wachstum"

Die Entwicklung von Standortzahl und Gesamtverkaufsfläche stand 2014 ebenfalls im Zeichen des Marktaustritts der Praktiker-Gruppe, von dem laut Gesellschaft für Markt- und Betriebsanalyse (Gemaba) zwischen Sommer 2013 und Februar 2014 rund 320 Standorte der Marken „Praktiker“, „Max Bahr“ und „Extra Bau & Hobby“ betroffen waren. Zum 1. Januar 2015 zählte die Gemaba bundesweit 2.118 Baumärkte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 13,03 Millionen Quadratmetern. Damit ging die Zahl der Standorte innerhalb des Jahres 2014 um 80 zurück, bei einem gleichzeitigen Rückgang der Verkaufsfläche um 280.000 Quadratmeter. Nach Schätzungen der Marktforscher stehen derzeit rund 25 Standorte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 160.000 Quadratmetern vor der Wiedereröffnung. Mittelfristig, so prognostiziert der BHB, werde sich die Zahl der Baumärkte auf einem Niveau von etwa 2.150 Standorten einpendeln.

Steigende Nachfrage von DIY-Sortimenten im Internet

Zunehmend fragen Heimwerker und Gärtner DIY-Sortimente über das Internet nach. Via E-Commerce haben der stationäre Handel, der Versandhandel und die Pure Player im vergangenen Jahr in Deutschland 2,33 Milliarden Euro mit DIY-Sortimenten umgesetzt. Das ist eine Steigerung gegenüber 2013 um 14,1 Prozent. Dabei lagen die Produkte des Heimwerkersortiments in der Gunst der Kunden mit einem Gesamtjahresumsatz von 1,53 Milliarden Euro klar vor den Artikeln des Gartensortiments (612 Mio. Euro) und Baustoffen/Baumaterialien (185 Mio. Euro). Allerdings ist der Anteil der E-Commerce-Umsätze am gesamten Marktvolumen mit 5,4 Prozent verglichen mit anderen Branchen weiterhin gering. Für 2015 erwarten die Marktforscher von results4retail einen weiteren Zuwachs der E-Commerce-Umsätze im DIY-Sektor um rund elf Prozent auf 2,57 Milliarden Euro. Bis 2020 geht der BHB von einem weiteren Anstieg der Onlineumsätze im DIY-Sektor auf rund zehn Prozent des Umsatzes aus. „Die DIY-Branche hat die wachsende Bedeutung des Internets für die Geschäftsentwicklung des Handels erkannt“, sagt BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst. Der Baumarktkunde von heute lege Wert auf ein „Anytime-anywhere-Shopping“: kaufen, wann und wo es ihm gefällt. „Dabei wollen die Kunden weiterhin nicht auf das haptische Erlebnis verzichten, ihre Geräte und Instrumente anfassen und ausprobieren zu können. Zugleich wollen sie aber die Vorteile des Onlinekanals nutzen, Preisinformationen und Verfügbarkeiten online abfragen und Bewertungen einsehen“, so Wüst. Entsprechend probieren die Handelsunternehmen neue Verkaufsmöglichkeiten durch Kleinformate aus und ergänzen ihre Angebote durch ein breites und tiefes Onlinesortiment mit Produkten, die auch im Geschäft via Internet bestellt werden können. Der stationäre Handel müsse - gemeinsam mit den Herstellern – seine Kunden in Zukunft noch emotionaler ansprechen, sagt Wüst. „Ob Produkttests, Events in den Märkten, persönliche Betreuung, gastronomische Angebote oder Zeitvertreib für Kinder – das Baumarkt-Shoppen muss bei den Kunden die Lust am Heimwerken wecken.“ 

Trends im DIY: Altersgerechtes Wohnen und Homing

Altersgerechtes Wohnen und Homing sind die aktuell bestimmenden Trends für die DIY-Branche. Der Wunsch nach barrierefreiem Wohnen in modernisierten Immobilien und die Gestaltung des eigenen Zuhauses als sozialer Mittelpunkt beförderten auch in den kommenden Jahren die Sortiments- und Produkttrends der Bau- und Heimwerkermarktbranche, prognostiziert BHB-Vorstandssprecher Huwer. Der demografische Wandel verändere Kundenerwartungen und -bedürfnisse stark. Die auch für den Baumarkthandel bedeutende Kundengruppe 50-Plus strebe nach Lebensqualität im Alltag im gewohnten privaten Umfeld. Hierzu sei barrierefreies Wohnen die Voraussetzung – ein Trend, der sich bereits deutlich in der Nachfrage der Kunden widerspiegele, so Huwer. Auch der Homing-Trend bestimmt derzeit die Sortimentspolitik des Baumarkthandels. Die Aufwertung des eigenen Zuhauses und des Gartens zum Mittelpunkt des Soziallebens und Treffpunkt für Familie und Freunde hat die Nachfrage nach Sortimenten und Produkten für die zeitgemäße Ausgestaltung des Wohnraums und des Gartens als „grünes Wohnzimmer“ stark gefördert.

Baumarktbranche für 2015 vorsichtig optimistisch

Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich die Branche vorsichtig optimistisch, auch mit Blick auf anstehende Eröffnungen in ehemaligen Praktiker- und Max Bahr-Standorten. Der BHB erwartet in Deutschland ein Umsatzwachstum von flächenbereinigt 1,5 bis 2,5 Prozent. Potenzial für Umsatzzuwächse sieht der Verband im privaten Renovierungs- und Wohnungsbau - wegen der niedrigen Finanzierungskosten und einer Unsicherheit in Bezug auf andere Kapitalanlagen. Der Baumarkthandel in Österreich verzeichnete 2014 einen Gesamtbruttoumsatz von 2,39 Milliarden Euro. Das war ein Zuwachs von 0,8 Prozent. Im laufenden Jahr erwartet die österreichische DIY-Branche ein Wachstum von ein bis 1,5 Prozent. Ein ähnliches Bild in der Schweiz: Mit einem Gesamtbruttoumsatz von 1,91 Milliarden Euro erzielten die Bau- und Heimwerkermärkte 2014 ein Plus von 0,5 Prozent. Für die Schweiz zeigt sich der BHB für 2015 "vorsichtig optimistisch" und geht von einem Umsatzwachstum von 0,5 bis ein Prozent aus. Die Prognosen sind schwierig, nachdem die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro aufgehoben hat. Auch die Umsatzabflüsse durch den grenznahen Einkaufsverkehr belasten den Schweizer DIY-Handel.

Statement

Erich Huwer, Vorstandssprecher, BHB
„Der vollständige Marktaustritt der Baumarktgruppe Praktiker zum Märzbeginn 2014 hat es der Branche erwartungsgemäß unmöglich gemacht, das Umsatzvolumen des Vorjahres im Gesamtmarkt zu halten. Die Zuwächse der 2014 am Markt aktiven Unternehmen des Baumarkthandels beweisen aber, dass die deutsche Bau- und Heimwerkermarktbranche gut aufgestellt ist.“

Dr. Peter Wüst, Hauptgeschäftsführer, BHB
„Der Baumarktkunde von heute legt Wert auf ein „Anytime-anywhere-Shopping“ – kaufen, wann und wo es ihm gefällt. Dabei wollen die Kunden weiterhin nicht auf das haptische Erlebnis verzichten, ihre Geräte und Instrumente anfassen und ausprobieren zu können. Zugleich wollen sie aber die Vorteile des Onlinekanals nutzen, Preisinformationen und Verfügbarkeiten online abfragen und Bewertungen einsehen.“

 

INFO

Altersgerechtes Wohnen und Homing sind die großen bestmmenden Trends im Markt. Das bedeutet für den Baumarkthandel:

  • Ausbau der Sortimente zur altersgerechten Wohnmodernisierung, insbesondere der Abteilungen Sanitär und der Komfortartikel.
  • Aufbau eines breitgefächerten Angebots, das es sonst nur im Fachhandel gibt.

Insgesamt müssen Handel und Industrie Erwartungen der Kundengruppe 50+ erfüllen. Geeignete Maßnahmen sind:

  • Reduzierung von Komplexität: Kundenführung im Markt, Vereinfachung der Sortimentsgestaltung, Warenpräsentation/Übersicht am Regal, logischer Verlauf von Produktplatzierungen, auch Sortimentsverzicht.
  • Ausbau der Beratungs- und Serviceleistungen: Warenverfügbarkeit und qualifizierte Beratung.
  • Verkaufsverpackungen verbessern.
  • Kunden wollen Problemlösungen: Ware plus Dienstleistung plus Service/Beratung plus After-Sales-Services.

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