«Harte Schale, smarter Kern»

Montag, 28. August 2023
Foto: Unternehmen

Das Berliner Start-up Neggst hat das erste komplett vegane Ei samt Schale entwickelt. Das Markant Magazin ONE hat mit Geschäftsführerin Verónica García-Arteaga darüber gesprochen, wie sie mit dem Zwei-Komponenten-Ei dem Markt der pflanzlichen Alternativen eine neue Dimension verleihen will und Schluss machen möchte mit unbefriedigenden Kompromissen.

Frau García-Arteaga, welche Idee steckt hinter Neggst?
Verónica García-Arteaga: Zunächst einmal ist Neggst das erste komplette vegane Ei. Wir haben es geschafft, die Äquivalente zum pflanzlichen Eigelb und Eiklar so zu entwickeln, dass die beiden Komponenten sich nicht miteinander vermischen – es sei denn, man möchte es. Die Eigelbkugel wird dabei durch die charakteristische Dotterhaut stabilisiert. Damit verfolgen wir die Idee, Wissenschaft und Nachhaltigkeit mit dem Genuss traditioneller Eiergerichte zu kombinieren.

Was treibt Sie dazu an?
Verónica García-Arteaga: Die Nachbildung eines so komplexen Produkts wie des Hühnereis ist eine enorme Herausforderung, als Lebensmittelwissenschaftlerin macht mir aber genau dies Spass. Hinzu kommt, dass wir ein Produkt schaffen, welches einen positiven Einfluss auf Tierwohl, Umwelt und Gesundheit der Konsumenten hat. Sich das vor Augen zu führen, ist immer wieder motivierend.

Warum haben Sie sich auf Ei-Alternativen spezialisiert?
Verónica García-Arteaga:
Ei-Ersatz-Produkte gibt es inzwischen schon ein paar Jahre. Diese sind jedoch eine vage Annäherung – und keine wirkliche Alternative. In puncto Geschmack, Optik, Konsistenz und Nährwerte haben diese mit dem klassischen Hühnerei nur wenig gemein. Zudem bieten die bisherigen «Alternativen» nicht die Vielseitigkeit in der Anwendung, für die das Hühnerei so beliebt ist. Das wollen wir mit Neggst nun ändern.

Woraus besteht die Ei-Alternative?
Verónica García-Arteaga: Neggst basiert auf einer Mischung von Hülsenfruchtproteinen, pflanzlichem Öl und Süsskartoffel. Zudem haben wir Nährstoffe hinzugefügt, wie zum Beispiel Vitamin B12, die auch in Hühnereiern enthalten sind. Bei den Rezepturen setzt Neggst auf natürliche Zutaten wie Süsskartoffel, Ackerbohne und Schwefelsalz. Auf Cholesterin, Soja oder Konservierungsstoffe wird verzichtet. Die Schale besteht aus einem biologisch abbaubaren Bioplastik und Calciumcarbonat.

Das Ei der Zukunft steckt in einer biologisch abbaubaren Schale?
Verónica García-Arteaga:
Ja – und diese Hülle hat einen entscheidenden Vorteil. Sie schützt den Inhalt vollständig vor Keimen, Luft und Austrocknung, wodurch Frische und Haltbarkeit auch ohne Konservierungsmittel sichergestellt werden.

Wie lange dauerte die Entwicklung?
Verónica García-Arteaga:
Am Fraunhofer Institut habe ich zwei Jahre am veganen Ei gearbeitet, aber in der Forschung hört die Entwicklung nie richtig auf. Wir sind ständig dabei das Rezept weiter zu entwickeln und zu optimieren. Dennoch haben wir mittlerweile Rezepte, mit denen wir sehr zufrieden sind.

Woher nehmen Sie Wissen und Kompetenz für die Entwicklung?
Verónica García-Arteaga:
Ich bin studierte Lebensmittelwissenschaftlerin/-technologin und habe in diesem Bereich auch an der Universität in München promoviert. Unser Team besteht überwiegend aus Lebensmitteltechnologen. Ohne diesen Hintergrund wäre es wahrscheinlich nicht möglich, ein so komplexes Produkt wie ein pflanzenbasiertes Ei zu entwickeln.

Was gab letztlich den Anstoss, ein Start-up zu gründen?
Verónica García-Arteaga:
Während ich das pflanzenbasierte Ei entwickelte, wurde schnell klar, dass es eine echte Innovation ist – ein komplett neues Produkt, das es so bisher noch nicht gab. Nachdem sich bereits Milch- und Fleischalternativen erfolgreich auf dem Markt etabliert haben, stellen pflanzenbasierte Eier die nächste grosse Alternativ-Produktkategorie dar. Dabei ist es unser Ziel, die Massentierhaltung in die Geschichtsbücher zu verbannen, und wir arbeiten konsequent daran, dieses Ziel Schritt für Schritt zu erreichen – quasi ein Bissen nach dem anderen.

Sie haben 2021 das Start-up gegründet. Konnten Sie Investoren hierfür begeistern?
Verónica García-Arteaga:
Neggst wurde in 2021 gemeinsam mit unserem Lead Investor, dem Green Generation Fund in Berlin, gegründet. Im vergangenen Jahr konnten wir in unserer Seed Runde unter anderem auch die BayWa AG und die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG (RWZ) als weitere Investoren gewinnen.

Wer ist die Zielgruppe?
Verónica García-Arteaga:
Oft wird angenommen, dass unsere Zielgruppe ausschliesslich aus Veganer:innen besteht. Dem ist aber nicht so. Denn wir sprechen wir in erster Linie die Flexitarier:innen und auch alle anderen Konsumenten an, die sich bewusster ernähren möchten und in dem Kontext einen positiven Beitrag zum Tierwohl und zur Umwelt leisten wollen.

Wo ist die Ei-Alternaitve erhältlich?
Verónica García-Arteaga:
Sie wird noch in diesem Jahr für den Foodservice verfügbar und über Grosshändler beziehbar sein.

Wie verkaufen Sie das vegane Ei – im handelsüblichen Eierkarton?
Verónica García-Arteaga:
Ja, der 10er-Eierkarton ist eine Möglichkeit, wir evaluieren aktuell aber auch noch verschiedene andere Verpackungsmöglichkeiten.

Welche Absatz- oder Umsatzziele haben Sie sich gesetzt?
Verónica García-Arteaga:
Das lässt sich so konkret noch nicht beziffern, wir planen aber einen signifikanten Anteil an Hühnereiern mit pflanzenbasierten Eiern zu ersetzen. 

 

News

Foto: Unternehmen

Die deutschen Verbraucher geben weiterhin viel Geld für ihre Schönheits- und Haushaltspflege aus.

Foto: Unternehmen

In Brasilien, dem weltweit grössten Produzenten von Orangensaft (80 % Marktanteil), zeichnet sich ein Rückgang der Orangenernte für die Saison 2024/2025 um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab.

Foto: Unternehmen

Gemeinsam mit Partnern sagt Müller dem Plastikmüll in Kroatien den Kampf an. Ziel ist langfristiger Umweltschutz im Rahmen eines Kreislaufsystems.

Foto: Unternehmen

Um ihr E-Auto an einem der bundesweit über 300 Märkte mit Ladesäulen zum besten Tarif aufzuladen, können Kunden künftig auch die «Kaufland Card» nutzen.

Steckbrief

Verónica García-Arteaga kommt gebürtig aus Mexiko-City. Im Jahr 2015 ist die 32-Jährige für ihr Masterstudium nach Deutschland gekommen, 2018 hat sie ihren Doktor an der Universität in München begonnen und Anfang 2023 erfolgreich abgeschlossen. Die Gründerin ernährt sich vegetarisch, wobei der Anteil veganer Produkte in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Darüber hinaus ist sie ein grosser Fan der mexikanischen und asiatischen Küche.

Das Start-up

Hinter dem Berliner Start-up Neggst steckt die Lebensmittelwissenschaft­lerin/-technologin Verónica García-Arteaga. Die 32-Jährige ist Co-Founderin und CEO des Unternehmens. Unterstützt durch das Fraunhofer Institut und den Green Generation Fund setzt die Gründerin ihre Vision in die Realität um und hat sich zum Ziel gesetzt, den pflanzlichen Eier-Markt zu revolutionieren und Schluss zu machen mit unbefriedigenden Kompromissen. Damit Nachhaltigkeit, Tierwohl und Genuss auch beim Frühstücksei Hand in Hand gehen. Während ihrer Forschungstätigkeit am Fraunhofer Institut legte die Wissenschaftlerin mit der Leidenschaft für Food den Grundstein zur Umsetzung ihrer Vision eines komplett veganen Eis. Beim 122. Markant Handelsforum im Herbst 2022 hat Neggst am Pitch in der Start-up-Arena voilà! teilgenommen und konnte sich den Markant Handelspartnern  präsentieren.