Mehr Vielfalt

Montag, 25. März 2024
Foto: stock.adobe.com/Mila Naumova

Mit zunehmendem Angebot an pflanzenbasierten Produkten steigt auch die Nachfrage. Für viele Shopper ist dabei Abwechslung und Genuss wichtig. 

Menschen, die sich für eine vegane Lebensweise entschieden haben, verzichten nicht nur bei ihren Mahlzeiten auf tierische Produkte, sondern in allen Bereichen ihres Alltags. «Im Gegensatz dazu bezieht sich ‹Plant-based› hauptsächlich auf die Ernährung. Als Lebensmittelhersteller verwenden wir daher diesen Ausdruck, um unsere Produkte eindeutig zu kennzeichnen und den Verbrauchern pflanzenbasiertes Fingerfood und Snacks deutlich zu präsentieren», erläutert Emiel Lommen, Global Commercial Director Frostkrone Food Group. Er ist davon überzeugt, dass pflanzliche Snacks, besonders im Tiefkühlbereich, noch beträchtliches Wachstumspotenzial aufweisen. Daher hat das Unternehmen seine Food-Range «Really?!» kürzlich um vegane Shrimps, Calamari und Fish Goujons erweitert. «Wir wollen gezielt alle Menschen mit einer flexitarischen Ernährungsweise ansprechen, daher verfolgen wir keine harte Linie bei der sprachlichen Differenzierung von ‹Vegan› oder ‹Plant-based›, sagt Marc Widmer, VP Sales Danone Deutschland. Laut dem Unternehmen, zu dem auch die Marke Alpro gehört, verzeichnen die pflanzlichen Alternativen im Bereich Getränke, vor allem Haferdrinks, ein starkes Wachstum. «Auch die pflanzenbasierten Joghurtalternativen sind vielversprechend, da die Penetration am Markt im Vergleich zur Weissen Linie aktuell nur bei 1 zu 6 liegt – im Gegensatz zu 1 zu 3 im Bereich der pflanzenbasierten Getränke», so Widmer. «Wichtig ist uns, dass die Verbraucher auf einen Blick verstehen, was sie erwarten können. Darum halten wir für deutschsprachige Verpackungen den Begriff ‹Vegan› für schneller zu begreifen und somit für transparenter», erklärt Sven Wieken, Geschäftsführer The Plantly Butchers. Er betrachtet die Segmente «Vegane Snacks und Teilfertiggerichte» sowie «Auf’s Brot» derzeit als besonders chancenreich für den Handel.  
 
Mündige Verbraucher 
Die Bezeichnung «Vegan» kann allerdings zunächst mit Verzicht assoziiert werden. Oder auch negativ oder gar belehrend wahrgenommen werden, wie Nick Helleberg, Chief Retail Officer bei Greenforce weiss. Daher spricht das Unternehmen in seiner Kommunikation bevorzugt von «Pflanzlich» oder «Plant-based». Schliesslich wolle man ohne erhobenen Zeigefinder inspirieren: «Wir laden Konsumenten ein, Alternativen auszuprobieren, und möchte nicht missionieren. Der Handel hat Erfolge, wenn er eine Auswahl bietet, die Wahl aber beim Shopper lässt.» Helleberg sieht im Aufschnitt-Sortiment noch Luft nach oben und findet, dass Marken bei pflanzenbasierten Alternativen echte Innovationen bringen müssen. «Wenn Produkte eine deutlich bessere Qualität als bisherige haben, dann haben sie Potenzial.»
Bei der Rügenwalder Mühle beobachtet man, dass das Segment «Auf’s Brot» weiterwächst – mit Ausnahme der Wurst am Stück in allen Kategorien. Dabei zeigten vegetarische/vegane Streichwürste und Feinkostsalate die grössten Wachstumsraten. Zudem steige der Bereich «Auf’s Brot» auch in der Käuferreichweite. Dass das Sortiment generell weiter zunimmt, findet grossen Anklang bei den Konsumenten. «Hier zeigt sich, dass das steigende Angebot auch die Nachfrage erhöht», berichtet Claudia Hauschild, Leiterin Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeit bei der Rügenwalder Mühle.
 
 

Markt

Deutschland
Laut dem «Fleischersatz Monitor 2024» von Splendid Research sind die Gesundheit (41 %) und die Neugierde auf Neues (33 %) Gründe für den Kauf von Fleischersatzprodukten. Wichtige Kaufkriterien sind der Preis (58 %) und die Qualität (53 %). 37 % der Deutschen kaufen mind. wöchentlich Fleischersatzprodukte. Laut der Studie «Milch & Molkereiprodukte 2023» von POSpulse empfinden 56 % der befragten Shopper pflanzliche Alternativen zu Milch und Molkereiprodukten als etwas zu teuer, 25 % als viel zu teuer. Am häufigsten werden Alternativen zu Milch und Joghurt regelmässig gekauft.

Österreich
Die Österreicher essen tendenziell weniger Fleisch: Etwas mehr als ein Viertel (27 %) gibt laut aktueller Iglo-Trendstudie Veganuary an (Befragung im Februar/März 2023), im Vergleich zu vor zwei bis drei Jahren etwas seltener Fleisch aufzutischen, 11 % der Befragten sprechen von viel weniger Fleisch. Hauptgrund sind derzeit das Tierwohl bzw. Tierschutzgründe, das nennen zwei Drittel der Österreicher als Motivation. Die Gesundheit treibt 28 % sehr und 41 % eher an, der Klima- bzw. Umweltschutz ist für etwas mehr als die Hälfte ein relevanter Grund (21 % sehr, 35 % eher). Doch nicht jeder Österreicher reduziert Fleisch aus ethischen Überzeugungen: Einige haben einfach andere Vorlieben entwickelt (21 % trifft sehr, 42 % trifft eher zu) oder nehmen so auf die Ernährungsgewohnheiten anderer Personen im Haushalt Rücksicht (17 % sehr, 29 % eher). Ein Drittel findet zudem, dass Fleischalternativen immer besser werden (12 % sehr, 21 % eher).

Schweiz
Im Jahr 2023 gaben laut Statista 28 % der befragten Schweizer an, dass sie mehrmals im Monat zu veganen Ersatzprodukten greifen. Mit Schnitzel-Ersatzprodukten wurde im vergangenen Jahr ein Umsatz von 16,3 Mio. CHF erzielt. Am zweithäufigsten nachgefragt waren pflanzliche Alternativen zu Geschnetzeltem (15,6 Mio. CHF) und Wurst (9,9 Mio. CHF). Der kumulierte Umsatz von veganen Käse-, Milch- und Joghurt-Alternativen stellt mit 134,5 Mio. CHF noch einen sehr kleinen Marktanteil dar (3,7 % am Gesamtmarkt in diesen Bereichen). 
 
Quelle: NielsenIQ (Switzerland) – Gesamtmarkt gemäss Handels- und Haushaltspanel; rollierendes Jahr bis KW 34/2023/Plant Based Food Report 2024

 

 

News

Foto: Unternehmen

Ein Start-up will den Süsswarenmarkt umkrempeln, mit gesunden Naschereien – gesüsst mit Datteln.

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Die Unternehmensgruppe ist darauf spezialisiert, verschiedene Dienstleistungen für Händler und Lieferanten zu erbringen.

Foto: Udo Hermann

Die Barzahler in Deutschland haben ihre Gewohnheiten in den Coronajahren verändert und sind dabei geblieben. Sie zahlen am liebsten mit Karte – und zwar mit der Girocard.

Die COPLANT-Studie

Wussten Sie dass im vergangenen Jahr mit «COhort on PLANT-based Diets» die bisher grösste geplante Kohortenstudie zu pflanzenbasierter Ernährung im deutschsprachigen Raum an den Start gegangen ist? Rund 6000 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 69 Jahren sollen an acht Studienzentren in Deutschland und Österreich teilnehmen. Schliesslich wurde der Begriff «pflanzenbasierte Ernährung», der in den 1980er-Jahren primär eine fettarme, ballaststoffreiche, auf Pflanzen basierende und vollwertige Ernährung mit wenigen hochverarbeiteten Produkten meinte, in den letzten Jahren neu geprägt. Beispielsweise steigt das Angebot von veganen Lebensmitteln und Fleischersatzprodukten, die teilweise hochverarbeitet, zucker-, fett- und salzreich sind. Ergebnisse früherer Studien zum Thema sind daher nicht unbedingt auf die heutigen Ernährungsformen übertragbar. Und obwohl das Interesse für vegane und vegetarische Ernährungsweisen stetig wächst, liegen derzeit nur wenige wissenschaftlich belastbare Daten zur pflanzenbasierten Kost vor. Gegenstand der COPLANT-Studie bilden die vegane (keine tierischen Produkte), vegetarische (kein Fleisch und Fisch, aber Milchprodukte und Eier) und pescetarische (kein Fleisch, aber Fisch) Ernährungsweise. Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu den Vor- und Nachteilen pflanzenbasierter Ernährungsformen zu gewinnen. Die Nachbeobachtungszeit: 20 Jahre.

 

Statements

Im TK-Bereich sind plant-based Produkte bisher noch unter- repräsentiert, obwohl sie zahlreiche Vorteile bieten – wie die Möglichkeit der Vorratshaltung und die Vermeidung von Lebensmittel- verschwendung durch ein langen Mindesthalt- barkeitsdatum. Diese Vorteile können am POS besonders hervorgehoben werden. Das Angebot von Verkostungen oder Produktproben ermöglicht es den Verbrauchern, sich persönlich vom Geschmack der pflanzenbasierten Produkte zu überzeugen und eventuelle Vorbehalte abzubauen. Gleichzeitig bietet sich die Gelegenheit, Verzehranlässe, Zubereitungsmöglichkeiten und Rezepte zu präsentieren, beispielsweise durch Aufsteller an den Tiefkühltruhen.
Emiel Lommen, Global Commercial Director Frostkrone Food Group

Derzeit beobachten wir einen verstärkten Markteintritt zahlreicher neuer Marken und Hersteller, darunter auch prominente Persönlich- keiten, die alle ihre eigenen Haferdrinks erfolgreich positionieren wollen. Allerdings liegen etablierte Marken bei den Verbrauchern weiter vorne. Die Masse und Komplexität kann Kunden von einer einfachen Einkaufsentscheidung abhalten. Eine klare Struktur ist entscheidend, damit Kunden mühelos finden, wonach sie suchen. 
Marc Widmer, VP Sales Danone Deutschland

Unsere klare Strategie bei der Vermarktung am POS ist die Platzierung und Präsentation «im Block». Dies garantiert maximale Aufmerksamkeit für unsere Produktkategorie und zeigt gleichzeitig ihre Vielfalt. Durch die eindeutige Nutzung der Ankerfarbe Grün schaffen wir eine starke Verbindung innerhalb der Kategorie. Wir sind überzeugt, dass die Kommunikation am POS vorrangig über die Produktverpackung erfolgen sollte, und unterstützen dies durch gezielte POS-Werbematerialien an strategisch wichtigen Stellen.
Sven Wieken, Geschäftsführer The Plantly Butchers

Bei der Weiter- entwicklung von Produktkonzepten spielen neben den ernährungs- physiologischen Anforderungen vor allem sozioökonomische Aspekte wie Kaufbereitschaft, Preis oder Verbraucherakzeptanz eine grosse Rolle. Ein Wunsch, den nicht nur wir bei Greenforce in unserer Community wahrnehmen, ist zudem eine möglichst kurze Zutatenlisten bei bestem Geschmackserlebnis, weshalb wir unsere bestehenden Produkte und deren Rezeptur immer weiter verbessern.
Nick Helleberg, Chief Retail Officer bei Greenforce

Im letzten Oktober haben wir eine gross angelegte Shopper-Studie für den Bereich vegetarische und vegane Alternativen durchgeführt. Diese zeigt den Wunsch der Shopper zum einen nach einer getrennten Platzierung von Fleisch- und vegetarisch/ veganen Produkten. Der Grossteil der Befragten gab hierzu an, dass sie geplant einkaufen und sich bewusst für den Kauf von vegetarisch/veganen Produkten entscheiden. Zum anderen zeigt die Studie den Wunsch der Shopper nach einem übergreifenden Block aller gekühlten vegetarischen/ veganen Produkte. Das heisst: Neben den Fleisch- und Wurstersatzprodukten möchte der Grossteil der Shopper auch pflanzliche Alternativen aus Gelber und Weisser Linie, z.  B. pflanzliche Milchalternativen, im unmittelbaren Umfeld.
Claudia Hauschild, Leiterin Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeit Rügenwalder Mühle

 

Produkte

Alpro/Danone 
«This is not Y*gurt» von Alpro ist vollmundig und cremig im Geschmack, zu 100 Prozent pflanzlich und wird hauptsächlich aus Soja hergestellt. Die Joghurtalternative ist reich an Ballaststoffen, eine hochwertige Proteinquelle und enthält auch Calcium sowie die Vitamine D und B12 – eine gute Basis fürs Müsli, leckere Dips und Sossen.

Campofrio Food Group Deutschland 
Passend zur Grillsaison werden die neuen «Campofrio Veggie Chorizo Griller» auf Basis von Kürbis und Champignons lanciert – für fleischfreien Genuss nach spanischer Art. Sie lassen sich unkompliziert auf dem Grill oder in der Pfanne zubereiten und sind in der 120-Gramm-Packung für den SB-Bereich erhältlich.

Frostkrone Food Group 
«Really?! Vegane Shrimps»: Sie kommen dem Original in Aussehen, Geschmack und Konsistenz sehr nahe, verfügen über eine zarte, aber feste Textur und basieren auf Kartoffel- und Tapiokastärke. Umhüllt von einem krossen Coating lassen sie sich im Backofen in wenigen Minuten zu einem Fingerfood-Vergnügen zubereiten. Mit Sweet-Chili-Dip.

The Plantly Butchers
Der kleine Heisshunger zwischendurch lässt sich mit dem herzhaften veganen Salami-Snack von Billie Green stillen. Er hat einen hohen Proteingehalt und eignet sich daheim sowie unterwegs als schneller Energielieferant zwischendurch. Neben der Variante «Veganer Snack Salami-Style Klassik» ist auch «Salami-Style Chili» zu haben – mit einem feurig-würzigen Chili-Kick.

Greenforce
Das pflanzliche «Bio Hack» von Greenforce (180 g) basiert auf Sonnenblumenprotein, enthält 64 Prozent weniger Fett als Rinderhack und verfügt über einen hohen Protein- und Ballaststoffgehalt. Das Fleischersatzprodukt wird ohne Zusatz von Soja, Palmöl und Tropenfetten hergestellt und ist in wenigen Minuten zubereitet.

Rügenwalder Mühle
2014 hat die Rügenwalder Mühle ihren vegetarischen «Schinken Spicker» auf den Markt gebracht. Inzwischen ist dessen gesamtes fleischfreies Sortiment mit den Sorten Schnittlauch, Grillgemüse, Mortadella, Bunter Pfeffer und Bunte Paprika vegan. Der «Schinken Spicker Mortadella» wird auf Basis von Sonnenblumenkernen hergestellt und enthält eine kleine Menge Rapsöl.