Moderne Kassensysteme

Mittwoch, 03. August 2016
Foto: www.johannmayr.de

Der Handel will auf breiter Front seine Kassen modernisieren. Die Vernetzung der Vertriebskanäle, die effi ziente Abwicklung unbarer Zahlverfahren und die Vorteile mobiler Kassen sind die großen Treiber.

Die Anforderungen des Einzelhandels an die Kasse werden immer größer und zwingen die Unternehmen in der D-A-CH-Region, in neue, leistungsfähige POS-Systeme zu investieren. Auch in den nächsten Jahren werden neue Kassensysteme einen gewichtigen Anteil der IT-Investitionen ausmachen. Das ist die Kernbotschaft der aktuellen Studie „Kassensysteme 2016“ des EHI Retail Institute. Sie zeigt im Detail, auf welche Bereiche am Checkout die POS-Verantwortlichen ihr Augenmerk legen werden.

Microsoft gefragter als Linux

Die absolute Anzahl der Kassensysteme in Deutschland ist leicht gesunken. Insgesamt sind im Einzelhandel im weiteren Sinne rund eine Million Kassen im Einsatz. Das errechnete durchschnittliche Alter der Kassenhardware hat sich im Vergleich zu 2014 leicht verändert und liegt nun bei 4,9 Jahren (2014: 5,4 Jahre). 71 Prozent der befragten 51 Retailer wollen ihre Hardware in den nächsten Jahren ganz oder teilweise erneuern. Mit dem Austausch der Hardware geht nicht zwingend die Umstellung der Software einher. Der Anteil von im Handel installierten Linux-Betriebssystemen ist 2014 zum ersten Mal unter die 50-Prozent-Marke gefallen. Diese Entwicklung wird in der aktuellen Studie bestätigt. Microsoft-Lösungen sind jetzt auf knapp 51 Prozent der Systeme aus dem Untersuchungspanel installiert. Künftig soll auf 58 Prozent der Systeme Microsoft laufen. Auch wenn es noch sehr geringe Stückzahlen sind: Es kommen auch iOS und Android als Betriebssysteme auf mobilen Kassen zum Einsatz. Die durchschnittliche Laufzeit einer Kassensoftware beträgt etwa sieben Jahre, überdauert also die Hardware deutlich.

Mobile Geräte sollen Kassenprozess verbessern

47 Prozent der befragten Unternehmen wollen in den kommenden zwei Jahren neue Kassensoftware einsetzen. Handelsunternehmen wählen bei der Kassensoftware Anbieter aus, die sich auf die jeweilige Branche spezialisiert haben. Bei den aktuell befragten 51 Unternehmen in der D-A-CH-Region sind 25 verschiedene Softwareanbieter vertreten. Hierbei sind die verschiedenen Versionen und Varianten
einer Lösung, die deutlich voneinander abweichen können, und die Eigenentwicklungen nicht berücksichtigt. Die Mehrheit der Entscheider sieht vor allem im Einsatz von mobilen Geräten mit Kassenfunktion eine Möglichkeit, den Kassenprozess wesentlich zu verbessern, vor allem bei hohem Kundenandrang.

Optimierung der Zahlungsprozesse

Ein weiterer Schwerpunkt, in dem Optimierungspotenzial gesehen wird, ist nach wie vor der Zahlungsprozess. Die Erhöhung der Geschwindigkeit bei der Kartenzahlung und die effi zientere Abwicklung unbarer Bezahlverfahren stehen für die Verantwortlichen der Filial-IT oben auf der To-do-Liste. In Zukunft möchten 57 Prozent der Befragten den Anteil unbarer Bezahlung weiter erhöhen.

Kassenhardware soll umweltfreundlich sein

Das Thema Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle bei den Investitionsentscheidungen. 78 Prozent der Befragten sagen, dass die Umweltfreundlichkeit bei der Auswahl der Kassenhardware eine wichtige oder sogar entscheidende Rolle spielt. Ein geringer Energieverbrauch ist bei einer Neuinvestition allerdings keinUnterscheidungsmerkmal mehr, sondern wird von den Händlern als selbstverständlich vorausgesetzt. Über die Branchengrenzen hinweg hat sich der Touchscreen als Eingabemedium etabliert. Auch bisher skeptische Branchen wie der LEH sehen zunehmend Vorteile gegenüber der Tastatur. Künftig wollen alle Unternehmen aus dem EHI-Panel Touchscreens einsetzen. 76 Prozent werden dabei auch auf eine unterstützende Tastatur verzichten. Vielfach wird auch über den Einsatz erweiterter Funktionen des Touchscreens wie Gestensteuerung nachgedacht. Sechs Prozent der Unternehmen geben an, dass das Design der Kasse bei der Auswahl der Kassenhardware entscheidend ist. Bei weiteren 82 Prozent spielt dieser Punkt bei der Auswahl zumindest eine wichtige Rolle.

Trend Zentralisierung

Die Breitbandanbindung der Filialen an die Zentralen ist im deutschsprachigen Raum weitgehend zum Standard geworden. Der Trend zur Zentralisierung von Kassenanwendungen setzt sich damit fort. 84 Prozent der befragten Unternehmen streben eine Realtime- beziehungsweise Neartime-Kommunikation zwischen Zentrale und Filiale an. Dennoch fällt es vielen IT-Verantwortlichen schwer, sich von den traditionellen, auf Kasse und Backoffice-Server basierenden Filialinfrastrukturen zu trennen. Vor allem aus Sicherheitsaspekten haben noch 76 Prozent der Befragten einen Backoffice-Server physisch in ihren Filialen.

Steigendes Interesse bei Self-Checkout und Self-Scanning

Die Verbreitung von Self-Checkout und Self-Scanning-Systemen verläuft in Deutschland nach wie vor langsamer als in anderen europäischen Ländern. Dennoch ist ein steigendes Interesse festzustellen. Der Anteil der Unternehmen, die den Einsatz planen, hat sich von 28 Prozent 2014 auf jetzt 37 Prozent erhöht. Ein großes Thema der kommenden Jahre wird die mobile Kasse sein. 67 Prozent der Teilnehmer planen künftig, den Kassiervorgang auch auf mobilen Geräten abzuwickeln. Bereits heute kassieren knapp zehn Prozent zusätzlich mobil.

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Trends

  • 67 Prozent der Studienteilnehmer planen den Einsatz von mobilen Geräten mit Kassenfunktion, um Checkout-Prozesse zu optimieren.
  • 57 Prozent der Befragten wollen den Anteil unbarer Bezahlung weiter erhöhen.
  • Potenzial sehen die Händler auch in einer schnelleren Abwicklung der Zahlung und bei Self-Checkout-Systemen.
  • Weitere Trends sind die Zentralisierung der Kassenanwendungen sowie der Touchscreen als Eingabemedium.
  • Der Anteil der Unternehmen, die zukünftig den Einsatz von Self-Checkout oder Self-Scanning planen, hat sich von 28 Prozent 2014 auf jetzt 37 Prozent erhöht.
  • Der Trend zur Zentralisierung von Kassenanwendungen setzt sich fort. 84 Prozent der befragten Unternehmen streben zukünftig eine Realtime- oder Neartime-Kommunikation zwischen Zentrale und Filiale an.

 

Info

Zur Studie
An der Umfrage „Kassensysteme 2016“ des EHI Retail Institute haben sich 51 Handelsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Allein in Deutschland haben die befragten Unternehmen 2015 in 56.000 Filialen einen Umsatz von rund 190 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Studie: Kassensysteme 2016 (PDF-Version)
Autor: Acar, Cetin
Produktnr.: VER16457
ISBN: 978-3-87257-457-2
Preis: 930,00 Euro (zzgl. MwSt.)
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