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Treiber der Volkswirtschaft

Dienstag, 05. November 2019
Foto: F1online (Andrew Michael Age)

In Österreich ist der Lebensmittelhandel mit seinen Umsatzmilliarden ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Wie gross seine Effekte auf die Volkswirtschaft tatsächlich sind, wurde nun erstmals genau analysiert.

Der österreichische Lebensmittelhandel zählt rund 3500 Betriebe, vom KMU bis zum Grossunternehmen, die einen Jahresumsatz von über 21 Milliarden Euro erwirtschaften, fast 84 000 Menschen beschäftigen und 5,4 Milliarden Euro Steuern und Abgaben zahlen. Darüber hinaus sorgt der LEH aber noch für viele weitere Impulse, wie der Handelsverband Österreich detailliert aufgeschlüsselt hat. Die Datenbasis dafür wurde von der Innsbrucker Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) erstellt. «Der Lebensmitteleinzelhandel stellt einen zentralen Wirtschaftsfaktor für Österreich dar, erstmals haben wir dies auch volkswirtschaftlich nachgewiesen», erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Sichert 161 000 Arbeitsplätze

Den Erhebungen zufolge sorgt der österreichische LEH über seine eigenen Arbeitsplätze hinaus indirekt für beinahe 78 000 weitere Stellen in unterschiedlichsten Branchen, sichert so insgesamt direkt und indirekt 161 600 Arbeitsplätze. Sein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) summiert sich auf 14,6 Milliarden Euro. Dies schlägt sich unter anderem in signifikanten Einnahmen seitens der öffentlichen Hand nieder. Die Abgaben, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge durch die Tätigkeiten des Lebensmitteleinzelhandels belaufen sich auf insgesamt 5,4 Milliarden Euro.

Weichenstellung nötig

Neben dem Staat und seinen Institutionen profitiert natürlich auch die Wirtschaft vom laufenden Geschäftsbetrieb der Händler. Die Branchen, die diese Wertschöpfungseffekte am stärksten spüren, sind die Sachgütererzeugung mit 1,3 Milliarden Euro und die Landwirtschaft mit 413 Millionen Euro Auftragsvolumen, das letztlich vom LEH stammt. Darüber hinaus liefern seine Investitionen von rund 94 Millionen Euro spürbare Impulse, etwa für Bauwirtschaft und Ladenbau.

Der Lebensmitteleinzelhandel sei nicht nur als Wirtschaftsfaktor für Österreich wichtig, sondern wirke auch stark über seine eigenen sektoralen Grenzen hinaus, kommentiert Frank Hensel, Vizepräsident des Handelsverbandes, diese Ergebnisse. «Damit das aber so bleibt und der heimische LEH auch in Zukunft seine essentielle Rolle als Beschäftigungsmotor, Nahversorger und Wirtschaftsfaktor erfüllen kann, müssen auch auf regulatorischer Ebene einige Weichen neu gestellt werden», sagt Hensel. Der Handelsverband Österreich hat dazu eine Liste an Empfehlungen veröffentlicht und an die politischen Entscheidungsträger adressiert.

Info

Neue Weichenstellungen für den LEH – die regulatorische Empfehlungen des Handelsverbands Österreich

Senkung der Lohn- und Abgabenquote: In kaum einem westlichen Land ist die Besteuerung des Faktors Arbeit höher als in Österreich. Daher braucht es eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie der Lohnsteuer.

Reform des Zuschlagwesens: Im österreichischen Handel sind die Wochenöffnungszeiten und Zuschlagsregeln extrem starr und kompliziert geregelt. Österreich braucht daher dringend eine Vereinfachung und Entrümpelung.

Längere Zustellungen an Samstagen: Stationäre Händler dürfen an Samstagen bis 18:00 Uhr verkaufen, das Transportgewerbe darf aber nach 13:00 Uhr nicht mehr zustellen. Angesichts der steigenden Bedeutung des Online-Handels muss die Zustellung an Samstagen bis 19:00 Uhr zugelassen werden.

Abschaffung der Mietvertragsgebühr: Die Einhebung einer Gebühr für Rechtsgeschäfte ist nicht mehr zeitgemäss und vor allem im Hinblick auf die fehlende staatliche Gegenleistung nicht gerechtfertigt.

Längere Öffnungszeiten: Bei einer Ausweitung der maximalen wöchentlichen Ladenöffnungszeiten von 72 auf 76 Stunden könnte der LEH von 7:00 bis 20:00 Uhr werktags und samstags bis 18:00 Uhr öffnen.

Tourismuszonen in Wien: Wien verzichtet als einziges Bundesland auf die Einführung von Tourismuszonen. Diese Massnahme könnte rund 140 Mio. Euro Mehrumsatz und bis zu 1000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen.