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Energiewende

Mittwoch, 05. Februar 2014
Foto: www.johannmayr.de

Zuschüsse senken, Wachstum deckeln, Strompreisanstieg bremsen – wie die geplante EEG-Reform der Regierung im Handel ankommt und was die Unternehmen selbst tun, um Energie zu sparen.

Bloß nicht unterkriegen lassen: Energieeffizienz und Ressourcenschonung haben im Rahmen der viel zitierten Energiewende im Handel oberste Priorität. Das zeigt sich auch in den bisher getätigten Investitionen. So hat die Mehrheit der vom EHI Retail Institute befragten Handelsbetriebe in den vergangenen fünf Jahren zwischen fünf und zehn Millionen Euro in Energieprojekte und -technik investiert; bei fast jedem vierten Unternehmen lagen die Investitionen sogar bei mehr als zehn Millionen Euro. So groß der gesellschaftliche Konsens zur Energiewende, so umstritten ist jedoch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) als zentraler Pfeiler der Energiewende. Ein Politikum ist dabei vor allem die sogenannte EEG-Umlage, die als gesetzlich verankerter Bestandteil der Strompreise die Energie in Deutschland immer mehr verteuert.

Preistreiber EEG-Umlage

Ausgenommen oder teilweise davon befreit sind viele energieintensive Unternehmen, darunter auch Lieferanten des Lebensmittelhandels, etwa Geflügelvermarkter oder Süßwarenhersteller. Dies treibt wiederum die Strompreise für andere Abnehmer zusätzlich in die Höhe und führt zu einer ungleichen Kostenverteilung – auch zu Lasten der privaten Verbraucher, so die Kritiker. Hinzu kommt: Die EEG-Umlage hat 2014 mit einem Anstieg auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde ein neues Rekordhoch erzielt. Die Schmerzgrenze für Wirtschaft und Verbraucher scheint erreicht. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will mit einer Reform des EEG den weiteren Anstieg der Strompreise dämpfen. Dazu sollen unter anderem gesenkte Förderbeträge für die erneuerbaren Energien aus Solar-, Wind- und Biomasseanlagen beitragen, die derzeit von Politik und Wirtschaft heiß diskutiert werden. Eine weitere Maßnahme in der EEG-Novelle sieht vor, die Rabattierungen für Energie-Großverbraucher ebenfalls zu verringern. Dies ist auch ein wichtiges Anliegen des Handels, der seit längerem eine faire Lastenverteilung fordert. „Es dürfen nur tatsächlich energieintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen von den Vergünstigungen profitieren“, appellierte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth schon 2013 und forderte eine strengere Überprüfung der geltenden und bereits für 2014 beantragten Ausnahmeregelungen.

Kosten fair verteilen

Im vergangenen Jahr subventionierte der Einzelhandel die EEG-Umlage mit mehr als zwei Milliarden Euro. 2014 soll der gesamte Umlagebetrag von 20 auf 23,5 Milliarden Euro steigen – damit werden der Handel sowie andere „nicht-privilegierte“ Branchen (öffentliche Einrichtungen, Verkehr und Dienstleistungsgewerbe) noch stärker zur Kasse gebeten. Negative Auswirkungen befürchtet der Handel auch durch die weiter steigende Belastung der privaten Haushalte, die ohnehin den größten Teil der EEG-Umlage finanzieren müssen. Die neue Strompreissteigerung könnte diese zu Einschränkungen bei den privaten Konsumausgaben zwingen. Gabriels Pläne, die Strompreise zwar nicht zu senken, aber den weiteren Anstieg zumindest zu bremsen, stößt daher auf verhaltene Zustimmung im Handel. HDE-Geschäftsführer Kai Falk sieht darin „einen ersten und wichtigen Schritt“ ­(siehe Interview). Trotzdem hält der Einzelhandelsverband es für unabdingbar, die Förderung der erneuerbaren Energien generell zu überprüfen. Dank der jahrelangen erfolgreichen Förderung seien Wind-, Sonne- und Biomasseanlagen als Stromlieferanten mittlerweile konkurrenzfähig. Darum sei es höchste Zeit, von der bisherigen Subventionspraxis abzuweichen und auch in diesem Bereich marktwirtschaftliche Prinzipien anzuwenden.

Handel spart Energie

Unterdessen treiben viele Handels-unternehmen ihre eigene Energiewende mit Nachdruck voran. Die Zahl der ­energiesparenden Green-Building-Projekte mit innovativer und nachhaltiger Versorgungstechnologie nimmt stetig zu. Modernste Technologien bei Beleuchtung, Kühlung, Klimatisierung und Heizung, energieeffizient gesteuert – von einem zentralen digitalen Gebäudemanagement, Wärmerückgewinnungssysteme, Nutzung von Erdwärme (Geothermie) und Photovoltaik sind in diesem Zusammenhang wichtige Stichworte, wenn es um die Senkung des Stromverbrauchs geht. Und letzterer ist zugleich die wichtigste Stellschraube für den Handel, um den klimaschädlichen CO2-Ausstoß zu reduzieren – und damit das klimaneutrale Handeln voranzutreiben.

Interview

HDE-Geschäftsführer Kai Falk über die aktuellen Entwicklungen bei der EEG-Umlage und die Erwartungen des Handels mit Blick auf die Reformpläne.

Wie steht der HDE grundsätzlich zum Thema Energiewende?
Die Energiewende ist richtig und wichtig – dabei müssen aber Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltfreundlichkeit im Mittelpunkt stehen. Bei der konkreten Umsetzung geht es jetzt darum, den Anstieg der Energie- und Stromkosten für Verbraucher und Unternehmen zu stoppen. Dafür brauchen wir eine grundlegende Reform des EEG. Auch für erneuerbare Energien müssen marktwirtschaftliche Grundsätze gelten.

Was bedeutet die jüngste Erhöhung der EEG-Umlage für Handel und Verbraucher?
Im Jahr 2013 subventionierten die privaten Verbraucher und die nichtprivilegierte Wirtschaft die erneuerbaren Energien mit einem Betrag von über 20 Milliarden Euro. Allein der Einzelhandel zahlt über die EEG-Umlage jährlich mehr als zwei Milliarden Euro. Diese Belastung ist schlicht zu groß und eine Bedrohung für die Binnenkonjunktur.

Welche Entlastungen erwarten Sie von der geplanten EEG-Reform?
Ausnahmen für energieintensive Unternehmen, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen und in Deutschland viele Arbeitsplätze schaffen, sind richtig. Die derzeitigen Ausnahmen müssen aber wieder strenger überprüft und reduziert werden.

Wie bewerten Sie die von Minister Gabriel vorgeschlagenen Ideen zur Strompreisbremse?
Der von Sigmar Gabriel vorgelegte EEG-Reformvorschlag ist ein erster wichtiger und richtiger Schritt, um die Kosten der Energiewende gerechter zu verteilen und den Kostenanstieg zu dämpfen. In diesem Zusammenhang befürwortet es der HDE, zukünftig auch Eigenstrom anteilig an der EEG-Umlage zu beteiligen. Nach wie vor fordern wir aber dringend eine grundlegende Reform mit marktwirtschaftlichen Prinzipien für die Erzeugung und den Vertrieb erneuerbaren Stroms.

Wie spart der Handel selbst Stromkosten?
Viele Handelsunternehmen haben in den vergangenen Jahren in die Energieeffizienz investiert und Einsparungen von drei bis fünf Prozent erreicht, das enspricht bis zu zwei Terawattstunden jährlich. Die Maßnahmen reichen von optimierten Kühlanlagen und Beleuchtung bis hin zur Logistik.
 

Ljiljana Rakita, Energieexpertin beim EHI Retail Institute
„Der Einzelhandel ist beim Energiemanagement auf einem sehr guten Weg. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht, die Investitionsbereitschaft ist nach wie vor ungebrochen. Allerdings haben – trotz der hohen Energiekosten – einige noch keinen richtigen Zugang zu dem Thema gefunden. Dabei handelt es sich insbesondere um Unternehmen aus dem Nonfood-Bereich.“

Thomas Gutberlet, Geschäftsführer Tegut
„Die Energiepolitik wird uns auch in Zukunft sehr beschäftigen. Energieintensive Unternehmen werden von der Umlage befreit, weil die Politiker Angst haben, dass Industrieunternehmen ihre Standorte ins Ausland verlagern. Am Ende sind es Handel und Verbraucher, die die Energiewende stemmen müssen.“

 

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BMWI Eckpunkte der EEG-Reform.pdf(297.22 KB)