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Comeback der Bierdose

Freitag, 26. April 2019
Foto: F1online

Im Zeitalter von Mobilität und Convenience avanciert die Dose wieder zum beliebten Kultobjekt. Der Handel hat sie flächendeckend gelistet und verzeichnet eine steigende Nachfrage am Point of Sale.

Die Dose ist leicht, handlich und bruchsicher, hält das Getränk länger kühl als andere Verpackungen, schützt den Inhalt optimal gegen Umwelteinflüsse wie Licht und Sauerstoff. Und sie lässt sich auch dorthin mitnehmen, wo Glas inzwischen nicht mehr erlaubt ist: in öffentliche Parks und auf Festivals. Damit trifft sie den Nerv der Zeit – vor allem den der jungen Generation. Hersteller und Handel profitieren zudem von einem kostengünstigeren Handling im Vergleich zu Glas, von ihrer Recyclingfähigkeit, von der Stapelfähigkeit und platzsparenden Lagerhaltung.

Pfand ist keine Kaufbarriere

Selbst die Zwangsbepfandung zu Anfang der Jahrtausendwende, für das einst dynamisch aufstrebende Gebinde zunächst fast ein «Todesurteil», ist nach Erkenntnissen der Brauereien heute kein Hemmschuh mehr, Dosenbier zu kaufen. Einer aktuellen Studie der Carlsberg-Brauerei zufolge lehnen nur 25 Prozent der Bierkäufer die Dose als Gebinde ab. 35 Prozent kaufen dagegen mindestens mehrmals im Monat Dosenbier. Das hohe Pfand wird akzeptiert, nur 16 Prozent sagen, dies sei für sie eine Kaufbarriere.

Der Handel unterstützt das Comeback mit kontinuierlichen Listungsausweitungen. Mit schlanker Form, stylischem Outfit und Sondereditionen hat die Dose ihr Schmuddelimage inzwischen längst abgelegt und ist zum Eyecatcher geworden – im Regal, im Fussballstadion, beim Picknick, auf dem Musikfestival und bei vielen anderen Gelegenheiten.

Zwar hat sich die von Umweltschützern nach wie vor kritisierte Aludose nicht ganz von ihrem tiefen Sturz aus den Handelsregalen erholt: Von 7,5 Milliarden Stück vor Einführung der Pfandpflicht 2002 war das Volumen im Folgejahr auf nur noch rund 300 Millionen zusammengeschmolzen. Derzeit liegt die Absatzmenge wieder bei cirka drei Milliarden Stück – so besagen Schätzungen des Forums Getränkedose. Nielsen gibt für 2018, bezogen auf die 0,5-Liter-Dose bei Bier/Biermix, ein Plus von über 19 Prozent an und beziffert den Anteil der in LEH und GAM verkauften Menge mit rund 7,5 Prozent am Biergesamtmarkt. Auch das britische Marktforschungsinstitut Mintel beobachtet zwischen 2009 und 2018 einen langsamen, aber kontinuierlichen Marktanteilsgewinn der Dose – von drei auf aktuell 19 Prozent.

Damit liegt der deutsche Dosenteil am heimischen Biermarkt allerdings noch um einige Prozentpunkte unter dem der Nachbarländer Schweiz und Österreich. Ohne den deutsche «Trittin-Effekt» konnte sich das Dosengebinde in der Schweiz seit 2005 mit einem durchschnittlichen jährlichen Mengenplus von zwei Prozent bis 2018 auf zuletzt 37 Prozent vorarbeiten, so ein Sprecher des Schweizer Brauerei-Verbandes gegen über dem MARKANT MAGAZIN. Und in Österreich dokumentiert die Brau-Bilanz von 2018 einen Anteil der 0,5-Liter-Dose von 22 Prozent am Gesamtausstoss der Brauereien; das entspricht rund 2,6 Millionen Hektolitern Bier in Dosengebinden (inklusive Export inländischen Bieres). Auch in Österreich und der Schweiz treibt das wachsende Convenience-Bedürfnis die positive Entwicklung der Bierdose an. Die Mehrwegflasche sei dagegen in der Schweiz bereits seit Jahren rückläufig und liege aktuell noch bei rund 15 Prozent Marktanteil, so der Experte der Schweizer Brauwirtschaft.

Recyclingquote von 99 %

Unterstützt wird die positive Entwicklung der Weissblechdosen-Verpackung in der DACH-Region allerdings auch durch eine funktionierende Kreislaufwirtschaft mit einem Recyclinganteil von über 90 Prozent. Deutschland steht nach Einschätzung von Stephan Rösgen, Geschäftsführer des Forums Getränkedose, dabei sogar an der Spitze. Der Sprecher der Lobby-Organisation gibt für die Dosen hierzulande eine Recyclingrate von 99,1 Prozent an – diese gebe es nirgendwo sonst auf der Welt und auch für kein anderes Material.

Info

Die Dose – ein ewiger Zankapfel
Der Streit darum, ob Einweg oder Mehrweg die ökologisch bessere Bilanz aufweist, nimmt mit dem Revival der Einwegdose hierzulande wieder an Fahrt auf. Für Umweltschützer wie die Deutsche Umwelthilfe bleibt Aluminium ein stark umweltbelastender und giftiger Werkstoff, der hohe Kohlendioxidemissionen, zudem einen erheblichen Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung verursacht.

Dagegen verweist das Forum Getränkedose unter anderem auf eine extrem hohe Recyclingfähigkeit der Dose sowie einen heutzutage sehr viel ressourcenschonenderen Einsatz von Aluminium. Das Mehrwegsystem verursache demgegenüber unter anderem einen hohen Energieaufwand und Umweltbelastungen durch das aufwändige Rücklauf-, Sortier- und Reinigungssystem für die Flaschen – dies auch im Hinblick auf den weiter steigenden Anteil an Individualgebinden bei Mehrweg.

Aus Sicht des Handelsverbandes Deutschland (HDE) ist die Schwarz-Weiss-Betrachtung hinsichtlich der Ökobilanz beider Gebindesysteme heute nicht mehr zielführend. Beide Systeme hätten ihre Vor- und Nachteile. Beim HDE fordert man neue Ökobilanzen, um herauszufinden, welche Verpackungsart für welche Getränkeart ideal sei.

 

Statements

So äussern sich die Brauereien zu den Wachstumsperspektiven der Dosenverpackung:

KROMBACHER, Peter Lemm, Leiter Unternehmenskommunikation
Grundsätzlich entwickeln sich unsere Absätze im Dosensegment in allen relevanten Vertriebsschienen weiterhin sehr dynamisch. Die 0,5-Liter-Dose Krombacher Pils ist dabei marktführend. Inzwischen sind aber auch die Absätze der Sorten Radler und Alkoholfrei in der Dose von Bedeutung und wachsen überproportional.a

 

VELTINS, Rainer Emig, Vertriebsdirektor Handel
Auch in den nächsten Jahren kann sich die Dose noch einer schrittweise wachsenden Nachfrage erfreuen. Mit ihrer Präsenz gelingt es, im Gebindeportfolio auch spezielle Vertriebswege – besonders in den Convenience-Stores – zu erschliessen. Wir setzen auf eine behutsame Fortentwicklung der Dose und werden damit den Weg einer konsequenten Premium-Positionierung fortschreiben.a

 

WARSTEINER, Michael Grupp, Vertriebsdirektor Handel National
Das Dosensegment entwickelt sich sehr positiv. Während die Steigerung der Käuferreichweite in diesem Segment insbesondere auf die erhöhte Zahl der Markenkäufer zurückzuführen ist, verliert PET deutlich an Bedeutung – und ist für Warsteiner keine Alternative. Wir sehen, dass vor allem Singles und junge Paare ohne Kinder bis 39 Jahren zur Dose greifen.