POS-Technik: Kampf den Energiefressern

Mittwoch, 13. April 2016
Foto: Privat

Lars Reimann, HDE-Referatsleiter Energiepolitik, über die Nutzung von Förderprogrammen bei Energieeffizienz-Maßnahmen im Handel

Laut EHI-Studie Energie-Monitor 2015 sind die Energiekosten im Einzelhandel im letzten Jahr um sechs Prozent gesunken. Warum rechnen die Händler dennoch wieder mit einem Anstieg der Kosten?
Der reine Stromhandelspreis ist zwar aktuell sehr gering, hat aber dennoch sehr negative Folgen für unsere Branche, weil dadurch besonders die EEG-Umlage – aktuell 6,35 Cent/kWh – und auch die Netzentgelte weiter steigen. Allein für die EEG-Umlage zahlt der Handel nach unseren Berechnungen jährlich über 2,2 Milliarden Euro. Insgesamt summieren sich die Kosten im Jahr 2016 auf über sechs Milliarden Euro – das sind gegenüber dem Vorjahr rund 300 Millionen Euro mehr – trotz gesunkener Rohstoffpreise.

Also bleiben weitere Energieeffizienz-Maßnahmen im Handel ein wichtiges Investitionsvorhaben. Welche staatlichen Förderprogramme können die Unternehmen dabei eigentlich noch nutzen? Die BAFA-Förderung für LED-Beleuchtung ist doch im letzten Jahr ausgelaufen…
Sehr viele Programme sind nur für kleine und mittelständische Unternehmen gedacht. Eines der größten Förderprogramme ist die Richtlinie für Investitionszuschüsse bei Querschnittstechnologien, die zwar keine LED-Beleuchtung mehr fördert, aber unter anderem Maßnahmen zur Wärmerückgewinnung, Abwärmenutzung oder Dämmung von Anlagen als förderungswürdig einstuft – dies jetzt auch bei großen Handelsunternehmen.

In welchem Umfang nutzen investitionswillige Händler diese Förderprogramme?
Einer aktuellen Studie der Dena (Deutsche Energie-Agentur), des HDE und EHI zum Energiemanagement im Handel zufolge werden diese Programme noch sehr wenig genutzt: Im Mittel kam man dabei auf einen Wert von neun Prozent der förderungsberechtigten Unternehmen, die sie tatsächlich in Anspruch genommen haben.

Das ist sehr wenig. Welche Gründe gibt es dafür?
Es ist insgesamt sehr aufwändig, dies zu beantragen, deshalb verzichten viele Unternehmen allein schon aus Gründen mangelnder personeller Kapazitäten darauf. Der Handel zahlt seine Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung dann lieber komplett aus der eigenen Kasse. Aber es spielen auch Informationsdefizite eine Rolle, hier ist also eine verbesserte Kommunikation gefragt.

Was kann der HDE hier leisten?
Wir haben beispielsweise Ende letzten Jahres in Zusammenarbeit mit der KfW einen Förderfahrplan entwickelt, um den Handelsunternehmen einen Überblick zu geben, was überhaupt möglich ist. Dieses kleine Faltblatt zeigt dem Handel in sechs Schritten den Weg zu mehr Energieeffizienz auf. Darüber hinaus gibt die gerade erwähnte Studie zum Energiemanagement viele Anregungen für die Unternehmen.

Statement

Benjamin Chini, Projektleiter Forschungsbereich Energiemanagement beim EHI Retail Institute
„20 Prozent der Store-Beleuchtung aller vom EHI befragten Handelsunternehmen sind bisher auf LED-Beleuchtung umgestellt. Auch wenn insbesondere Neubaufilialen vermehrt zu 100 Prozent mit LED-Beleuchtung ausgestattet werden, ist ein Rollout über alle Bestandsfilialen eher mittel- bis langfristig realisierbar. Ausgangspunkt sind in der Regel Sanierungs-/Modernisierungsmaßnahmen oder ein Refreshing einzelner Abteilungen. Die Optimierung des Energieverbrauchs muss für die Unternehmen schließlich wirtschaftlich darstellbar sein und erfolgt daher unter Berücksichtigung entsprechender Amortisationszeiten oft im Rahmen der Sanierungszyklen im Einzelhandel von fünf bis zehn Jahren. Filialunternehmen haben typischerweise eine sehr unterschiedliche Altersstruktur der Beleuchtungstechnik in ihren Filialen. Eine zeitgleiche Erneuerung in allen Filialen ist daher in den seltensten Fällen das Mittel der Wahl. Dieses Phänomen ist im Bereich der Kältetechnik aufgrund komplexerer Anlagen mit längeren Amortisationszeiten noch stärker ausgeprägt. Insgesamt steigt jedoch bei den befragten Händlern die Transparenz im Hinblick auf den Energieverbrauch und somit auch die Identifikation von Energiefressern. Im Strombereich sind zum Beispiel bereits 70 Prozent der Filialen in ein entsprechendes Energie-Monitoring eingebunden, um den Verbrauch zu überwachen und zu optimieren. Durch das Monitoring ergeben sich häufig Einsparpotenziale, die einfach und ohne großen Aufwand gehoben werden können.“

 

Info

20 % der Store-Beleuchtung aller vom EHI befragten Handelsunternehmen sind laut Benjamin Chini, Projektleiter Forschungsbereich Energiemanagement beim EHI Retail Institute, bisher auf LED-Beleuchtung umgestellt. Auch wenn insbesondere Neubaufilialen vermehrt zu 100 Prozent mit LED-Beleuchtung ausgestattet werden, sei ein Rollout über alle Bestandsfilialen eher mittel- bis langfristig realisierbar. Die Optimierung des Energieverbrauchs muss für die Unternehmen schließlich wirtschaftlich darstellbar sein und erfolgt daher unter Berücksichtigung entsprechender Amortisationszeiten oft im Rahmen der Sanierungszyklen im Einzelhandel von fünf bis zehn Jahren - im Bereich der Kältetechnik aufgrund komplexerer Anlagen auch noch in größeren Abständen. Insgesamt steigt jedoch bei den befragten Händlern die Transparenz im Hinblick auf den Energieverbrauch und somit auch die Identifikation von Energiefressern. Im Strombereich sind z.B. bereits 70 Prozent der Filialen in ein entsprechendes Energie-Monitoring eingebunden, um den Verbrauch zu überwachen und zu optimieren.

 

Downloads

Dena Studie:
http://www.zukunfthaus.info/fileadmin/media/03_bauen_sanieren/Nichtwohngebaeude/Studie_Energiemanagement_im_Handel.pdf

Flyer KFW/HDE:
http://www.einzelhandel.de/images/KFW_und_HDE_Forderfahrplan_energieeffizientes_Unternehmen.pdf