Payment: Händler lagern aus

Dienstag, 14. Januar 2020
Foto: Adobe Stock (Mymemo)

Rechnung, Lastschrift, Digital Wallets und andere Zahlungsarten: Im ­Online-Handel erfordert der Payment-Mix viel Aufwand. Deshalb setzen Händler zunehmend auf spezialisierte Dienstleister, wie eine Studie zeigt.

Die Zahlverfahren im Online-Handel werden immer vielfältiger. Damit nimmt die Komplexität hinsichtlich Integration, Verwaltung und Sicherheit stetig zu, der Verwaltungsaufwand und die Kosten steigen. Hinzu kommt, dass für den Support der verschiedenen parallel laufenden Zahlungsverfahren Mitarbeiter mit entsprechendem Know-how im Unternehmen erforderlich sind. Deshalb setzen Händler vermehrt auf die Unterstützung durch Payment-Service-Provider oder andere Payment-Dienstleister. Das zeigt die ECC-Payment-Studie, die das ECC Köln gemeinsam mit Prof. Dr. Malte Krüger erstellt hat. Etwa die Hälfte der befragten Händler arbeitet bereits mit einem Dienstleister zusammen, ein weiteres Fünftel plant die Zusammenarbeit.

Die Studie bestätigt, dass der Handel die Konsumentenwünsche hinsichtlich der angebotenen Zahlungsverfahren mittlerweile weitestgehend erfüllt. Damit rückt die Optimierung interner Prozesse zunehmend in den Fokus. Ziele dieser Optimierungen sind vor allem eine schnellere Zahlungsabwicklung sowie effizientere Bestell- und Liefervorgänge. Payment-Dienstleister können den Händler dabei unterstützen, indem sie Prozesse vereinfachen oder einzelne Arbeitsschritte übernehmen. So nutzt bereits ein Drittel der befragten Händler Services und Tools eines Payment-Dienstleisters, um die eigene Buchhaltung zu optimieren. Des Weiteren zeigen rund 40 Prozent Interesse an einer Zusammenarbeit in diesem Bereich. Als besonders vorteilhaft wird die Bereitstellung einheitlicher Abrechnungsdateien durch den Zahlungsdienstleister erachtet. Aber auch Instrumente für ein einheitliches Transaktions-Reporting oder zur manuellen Autorisierung und Nachbearbeitung von Zahlungstransaktionen über verschiedene Absatzkanäle hinweg werden in einem Drittel der Fälle in Anspruch genommen.

Der Trend geht laut Studie dahin, dass Payment-Dienstleister zum Allround-Partner avancieren. Sie bieten vermehrt Zusatz-Services an, die über das eigentliche Kernangebot hinausgehen, und entwickeln sich so zu Anbietern von Komplettlösungen für den Handel. Für 51 Prozent der befragten Online-Händler ist insbesondere die Übernahme der Rücksendekosten durch den Dienstleis-
ter interessant. Die Unterstützung im Rahmen des Fulfillments (Verpackung und Versand von Waren) ist für 41 Prozent attraktiv. Weitere 32 Prozent der Händler können sich vorstellen, sensible Bankleis­tungen wie Kredite oder die Kontoführung durch den Payment-Dienstleister in Anspruch zu nehmen.

Die Payment-Welt und die Kundenanforderungen werden immer vielfältiger – Apple Pay und Google Pay sind nicht die Endstation. Auch wenn immer mehr Servicedienstleister ihre Hilfe anbieten, so muss der einzelne Händler grundsätzlich doch die Kontrolle über sein Payment-Gesamtpaket behalten, da er auch in dieser Hinsicht der erste Ansprechpartner des Kunden ist. Payment sei zwar nach wie vor keine Kernkompetenz des Handels, stellt Mailin Schmelter, Teamleiterin am ECC Köln, fest. Gleichwohl komme der Handel nicht umhin, in Sachen Payment «seine Hausaufgaben zu machen».

Info

SB-Kassen setzen sich durch
Kunden empfinden lange Warteschlangen an der Kasse meis­tens als sehr störend. Deshalb bietet der stationäre Handel zunehmend alternative Kassenprozesse an, die vom Kunden auch gern genutzt werden. Auch die Akzeptanz von SB-Kassen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, wie die Verbraucherbefragung des EHI Retail Institute zur Nutzung von Self-Checkout-Systemen (SCO) deutlich macht. Waren es 2015 knapp über die Hälfte der deutschen Verbraucher, die SCO-Systeme kennen, so sind es heute bereits 78 Prozent. Auch deren Nutzung ist – analog zu einer grösseren Verfügbarkeit im Handel – deutlich gestiegen. Rund 32 Millionen Menschen wickeln die Bezahlung ihrer Einkäufe inzwischen mehr oder weniger regelmässig selbst an SB-Kassen ab.