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Neue Hygienekonzepte

Dienstag, 25. August 2020
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Der Handel hat mit seinen POS-Hygienekonzepten schnell auf Corona reagiert. Welche neuen Lösungen künftig das Potenzial für ein weiter professionalisiertes Hygienemanagement haben.

Boden-Markierungen zur Einhaltung von Sicherheitsabständen, transparente Trennwände an Frischetheken und Kassen,  Mund-und-Nasenschutz sowie Desinfektionsspender zum Infektionsschutz von Kunden und Mitarbeitern: Diese Sicherheits- und Hygienemassnahmen zum Schutz vor Corona prägen seit über einem halben Jahr den Einkaufsalltag im deutschen Handel. Und sie werden – solange es keinen Impfschutz gibt – auch noch längere Zeit ein Dauerthema im Handel bleiben. Das signalisiert unter anderem das erneute Aufflammen der Pandemie bereits im Sommer 2020. Jede Lockerung der strengen Schutzmassnahmen birgt neue Risiken. Viele Verbraucher zeigen seit Ausbruch der Krise ein erhöhtes Risiko- und Hygienebewusstsein und erwarten vom Handel professionelle Konzepte, die den Einkauf noch sicherer machen und das Kundenvertrauen stärken. Für den Handel empfiehlt es sich zu prüfen, ob das eigene Hygienekonzept diesen Anforderungen noch standhält.

Kontaktlos desinfizieren

Inzwischen stehen aus verschiedensten Branchen neue (automatisierte)  POS-Hygienelösungen bereit, die mehr Schutz und Sicherheit bieten sollen und sich sinnvoll in ein aktives Corona-Krisenmanagement im Handel integrieren lassen. Desinfektionsspender aus der Sprühflasche vom Anfang der Corona-Zeit beispielsweise haben sich zu vollautomatischen smarten Hygienestationen weiterentwickelt, die auf unterschiedlichen Konzepten für Hand- und Oberflächendesinfektion basieren. Dazu zählen beispielsweise der selbständig fahrende Desinfektionsroboter ‹‹Sterybot›› (Hersteller: Metralabs) für POS und Lager oder das automatisierte Desinfektionssystem ‹‹MediSeptic›› des MARKANT Partners C & G Trade Solutions. Laut Hersteller Metralabs kann Sterybot kontaktlos 99,99 Prozent aller Viren und Bakterien auf Oberflächen unter Einsatz von konzentriertem UV-C-Licht bekämpfen und fährt nach getaner Arbeit zurück an seine Ladestation – bis zum nächsten Einsatz. Die MediSeptic Desinfektionsstation sorgt nach Herstellerangaben in Sekundenschnelle zwei Stunden für reine Hände – ohne Viren-, Bakterien- und Pilzbefall beim Einkaufen. Die berührungslose Händedesinfektion über diesen langen Zeitraum kann auch dazu beitragen, Keim-Übertragungswege von Kunden auf Oberflächen im Markt, beispielsweise an der Brot/Brötchen-SB-Theke oder in der Obst- und Gemüseabteilung, an Einkaufswagen sowie beim kontaktlosen Bezahlen per Karte im Kassenbereich zu unterbinden. Ein integrierter Bildschirm im Gerät kann gleichzeitig vom Handel zu Werbezwecken genutzt werden.

Im westfälischen Lebensmittelhandel im Einsatz ist bereits eine  Waschanlage für Einkaufswagen von Saiko Maschinentechnik. Das All-in-one-Gerät des Herforder Start-up-Unternehmens verfügt über einen 5-Liter-Tank und wird SPS-gesteuert. Kunden schieben den Einkaufswagen einfach in die kompakte Waschanlage, starten das Programm per Knopfdruck und können parallel zur Wagenreinigung ihre Hände mittels eines seitlich angebrachten Desinfektionsmittelspenders reinigen.

Das digitale Hygienemanagement im Rollout einer deutschen Elektronikfachmarktkette basiert auf einer Hygiene-App ‹‹Covid-19›› von TÜV Süd und ist als so genanntes eHACCP ein System zur betrieblichen Eigenkontrolle. Jeder einzelne Markt kann damit in Echtzeit kontrollieren, ob die im Hygienekonzept eines Handelsunternehmens definierten Massnahmen eingehalten werden, und diese gegebenenfalls umgehend bedarfsgerecht anpassen. Laut TÜV Süd können damit alle hygienekritischen Punkte während des Einkaufs, vom Einkaufswagen über die Kasse bis zum Verlassen des Marktes abgebildet werden, über eine mobile App per Smartphone oder Tablet erfasst, in eine Online-Plattform übertragen und gepflegt werden. Das elektronische Reporting verläuft in Echtzeit und sendet bei Abweichungen vom definierten Hygienestandard Warnmeldungen an die Hygieneverantwortlichen.

Smartphone-Tracking-Apps bieten inzwischen auch die Möglichkeit, die Kontakte zwischen Menschen in einem Unternehmen zu erfassen – es sind kleine Geräte, die Mitarbeiter bei sich tragen und die anonym und ohne GPS Annäherungen von Kontaktpersonen aufzeichnen. Im Infektionsfall können so Kontaktpersonen der letzten zwei Wochen nachvollzogen werden und Gefährdungslagen beurteilt werden.

Für vergessliche Kunden

Schon im ostwestfälischen Lebensmittelhandel präsent ist für Kunden ein Hygieneautomat im Markt, der diverse Hygieneartikel für den Sofortbedarf anbietet: Neben der Händedesinfektion für die Kunden können auf Knopfdruck beispielsweise auch Masken ausgewählt und kontaktlos bezahlt werden, wenn die Kunden diese zu Hause vergessen haben. Infektionsschutz an Orten mit hohem Publikumsverkehr werde ohne die sofortige Verfügbarkeit wichtiger Hygieneartikel nicht funktionieren, unterstreicht Anbieter Harting Systems.

Im Handel eingesetzte Hako-Scheuersaugmaschinen etwa für die Oberflächenreinigung schliesslich können laut Reinigungsspezialist Hako auch zur Desinfektion eingesetzt werden – von kleinen und grossen Flächen sowie Wänden und Oberflächen und bis in kleinste Ecken. Auch die Hygiene der Maschine selbst lässt sich zum Beispiel mit der antibakteriellen Tankausstattung Hako-AntiBac verbessern.

Statements

Bartels-Langness, Kiel
Die Pandemie hat das Hygienebewusstsein der Menschen auf jeden Fall verstärkt. Unsere zuvor bereits bestehenden Hygienemassnahmen wie Desinfektionsspender haben wir ausgebaut, darüber hinaus sind an Stellen mit intensivem Kundenkontakt durch transparente Scheiben Lösungen gefunden worden, die dauerhaft bestehen bleiben sollen. Bei der Begrenzung der Kundenanzahl auf der Verkaufsfläche haben wir gute Erfahrungen mit abgezählten Einkaufswagen gemacht – dies nutzen wir allerdings nur bei Bedarf bzw. behördlicher Anordnung.

Kaufland Stiftung & Co. KG
Kaufland hat derzeit keine digitalisierten Hygienekonzepte im Einsatz. In allen Bundesländern stehen wir mit den zuständigen Behörden in Kontakt und setzen alles daran, die regional unterschiedlichen behördlich auferlegten Verordnungen zeitnah und pragmatisch umzusetzen. Die Erfahrungen, die wir dabei machen, können wir gegebenenfalls künftig für digitale Konzepte nutzen.