Leere Mülltonnen im LEH

Montag, 30. Januar 2017
Foto: Fotolia (eyetronic)

Die EU bereitet gesetzliche Maßnahmen zur Reduzierung der Lebens­mittelverluste vor und nimmt auch den Lebensmittelhandel in die Pflicht. Dabei hat dieser längst wirksame Maßnahmen eingeleitet.

Rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich in der EU verschwendet, wie die EU-Kommission anhand verschiedener Quellen berechnet hat. 10,97 Millionen Tonnen Lebensmittel sollen es jährlich allein in Deutschland sein. Diese Zahl hat das Institut für Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart im Jahr 2012 veröffentlicht. Sie bildet bis heute die Grundlage für die öffentliche Debatte über Lebensmittelverschwendung. Die EU will die Verlustquote schon bis 2020 halbieren und erhebt dazu jetzt eigene aktuelle Daten. Als ein wesentliches Glied in der Distributionskette vom Acker bis zum Teller sollen die Unternehmen des Lebensmittelhandels Daten aus ihrem Einflussbereich liefern. Der Branchenverband BVLH (Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels) hat sich deshalb dieser Sache angenommen und bringt die Interessen des Handels in die politische Entscheidungsfindung mit ein. Insbesondere sollen die Daten anonymisiert an die EU-Behörden übermittelt werden, um keine Rückschlüsse auf Betriebsinterna zuzulassen.
 
LEH reduziert Lebensmittelverschwendung 
 
Auch wirft der BVLH das Argument in die politische Debatte, dass der deutsche Lebensmittelhandel seinen ohnehin nur geringen Anteil an der Verschwendung sukzessive reduziert. Bereits das Zahlenwerk der Universität Stuttgart von 2012 zeigt, dass im LEH mit einer Quote von fünf Prozent die geringsten Verluste anfallen. Der Löwenanteil – nämlich 61 Prozent – der besagten knapp elf Millionen Tonnen wird in den privaten Haushalten weggeworfen. Der Rest geht zu gleichen Teilen (je 17 %) auf das Konto von Gastronomie und Ernährungsindustrie.
 
Kleinere Bestellmengen ein Mittel der Wahl 
 
Nach Darstellung des BVLH setzen die Handelsunternehmen inzwischen effektive Instrumente ein. Dazu gehören vor allem eine verbesserte Warenbedarfssteuerung und gezielte Preisreduzierungen kurz vor Ladenschluss. Das wirksamste Mittel, Lebensmittel auf der Handelsstufe vor dem Abfall zu bewahren, ist laut BVLH „eine vorausschauende und an die Nachfrage angepasste Warenbedarfsplanung“. In diese Richtung entwickelt der Handel seine Warenwirtschaftssysteme kontinuierlich fort. Erfolg verspricht er sich unter anderem durch den Einsatz von Prognosesystemen, die Nutzung von Abverkaufsdaten, von kürzeren Bestellrhythmen, kleineren Bestellmengen und kleineren Sicherheitsbeständen. 
 
Konzertiertes Vorgehen aller Beteiligten nötig
 
Unabhänig davon begrüßt der Verband aber die Erarbeitung von Reduzierungsstrategien und die Einrichtung von Koordinierungsplattformen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Denn eine spürbare Verlustreduzierung entlang der gesamten Lebensmittelkette sei nur durch ein „konzertiertes Vorgehen aller Beteiligten“ möglich, so der BVLH.

BVLH-Positionen auf einen Blick: 

  • Die Verlustquote im deutschen Lebensmittelhandel ist gering. Beachtung verdienen vor allem die Frischewarengruppen. Aber auch hier liegt die Bruch- und Verderbsquote bei gerade einmal drei Prozent.
  • Vergleichbare Messverfahren müssen sich an bereits vorhandenen sowie bewährten Methoden und Instrumenten der Verlusterfassung im deutschen Lebensmittelhandel orientieren. Dabei muss nicht nur der Heterogenität der Erfassungssysteme Rechnung getragen werden, sondern auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis gewahrt bleiben.
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum muss erhalten bleiben. Sein Name ist etabliert und gelernt. Seine richtige Handhabung trägt zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung bei.
  • Vermarktungsnormen stellen Homogenität, Vergleichbarkeit und Markttransparenz her. Sie dienen der Qualitätsdefinition und sind die Basis der Geschäftsbeziehung zwischen den Marktbeteiligten. Wo es sinnvoll ist, werden Produkte, die äußerlich kleine Mängel aufweisen, dennoch im Handel angeboten.
  • Ein Gesetz, das Lebensmittelhändler verpflichtet, Produkte, die nicht mehr verkäuflich sind, an karitative Organisationen zu spenden, greift unverhältnismäßig in die unternehmerische Freiheit ein. Es bevormundet den Handel, obwohl dort nachweislich die geringsten Verluste in der Produktionskette anfallen und obwohl die Unternehmen seit Jahren bereits auf freiwilliger Basis mit karitativen Organisationen zusammenarbeiten.

 

Info

Der deutsche LEH arbeitet an der Reduzierung von Lebensmittelverlusten. Einige Beispiele aus der Praxis.

Bei Kaufland wird bereits vor der Bestellung geprüft, welche Mengen der einzelnen Produkte in den Filialen benötigt werden. Darüber hinaus werden in den Märkten Artikel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht ist, schrittweise im Preis reduziert und auch an gemeinnützige Organisationen abgegeben. Viele Kaufland-Filialen arbeiten hier mit den Tafeln zusammen.

Für Metro Cash+Carry und real SB-Warenhaus ist der Verbraucher ein zentraler Akteur, wenn es darum geht, die Verschwendung von Lebensmitteln zu verhindern. „Je mehr unsere Kunden über die eingekauften Lebensmittel und den richtigen Umgang mit ihnen wissen, desto weniger landet später im Müll“, heißt die Devise. Die Unternehmen setzen deshalb auf Information und Aufklärung. Auf der Website von real finden die Kunden zum Beispiel umfangreiche Informationen zur Verwendung und richtigen Lagerung von Lebensmitteln. Dort wird auch beschrieben, worin eigentlich der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verzehrdatum besteht. Und auch die Bedientheken leisten einen Beitrag: Die Portionierung nach Kundenwunsch hilft, Verschwendung zu reduzieren.