Health Trends 2022

Montag, 27. September 2021
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Der «Health Report 2022» des Zukunftsinstituts beschäftigt sich mit unterschiedlichen Facetten von Gesundheitstrends, die durch die Covid-19-Pandemie angestossen oder verstärkt wurden. Dabei zählen die OTC-Branche und der Haustiermarkt zu den Krisengewinnern.

Schon vor der Corona-Pandemie belegte die Gesundheit den ersten Platz im Werte-Ranking der Deutschen. Kein Wert hat eine so hohe Bedeutung für die Konsumenten wie das, was sie mit Gesundheit assoziieren – nämlich das persönliche Wohlgefühl, die Abwesenheit von Krankheit, Fitness und Leistungsfähigkeit oder sogar Schönheit. Allerdings hat nun der Ausbruch der Corona-Pandemie die Gesundheit zum alles dominierenden Megatrend in der Gesellschaft werden lassen. Das ist ein zentrales Ergebnis des «Health Report 2022» des Zukunftsinstituts. In diesem Kontext haben die Forscher vier Trends analysiert, die zu Veränderungen auf den Gesundheitsmärkten führen werden: Healthy Pet-ing, Hanf-Hype, Resonanzräume und Well-come. Gesundheit wird laut der Studie künftig sogar noch wichtiger und die Konsumenten werden in Zukunft jede Menge tun, um ihr eigenes Immunsystem zu boostern. Das wiederum mündet in ein neues Gesundheitsverständnis post Corona, dem «Immun-Boosting».

Trend Healthy Pet-ing
Im vergangenen Jahr hat der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) einen Zuwachs von knapp einer Million Haustieren im Vergleich zum Vorjahr festgestellt und bestätigt damit den Trend zum Haustier. In fast jedem zweiten Haushalt in Deutschland (47 %) lebt mindestens ein Heimtier. Darüber hinaus sind besonders in vielen Singlehaushalten Haustiere anzutreffen (32 %). Das bestätigt die wichtige Rolle, die Hund, Katze und Co. als Sozialpartner spielen. Das spiegelt sich auch im Umsatz wider. So hat der stationäre Fach- und Lebensmitteleinzelhandel in 2020 einen Gesamtumsatz von 4,5 Milliarden Euro erzielt, das ist ein Umsatzplus von 4,3 Prozent. «Haustiere, allen voran Hunde, sind der neue Partner- oder Kinderersatz und werden Teil des eigenen Health-Styles», so die Gesundheitsexpertin. Weiter fährt sie fort: «Wer es sich leisten kann, optimiert Gesundheit und Wohlbefinden seines tierischen Begleiters – mit Hilfe besonderer Futterangebote oder probiotischer Snacks, mit sportlichen Trackinggeräten oder schicken Accessoires.» Auch die Nachfrage nach Beratung und Support – vom tierischen Verhaltenstraining bis hin zur medizinischen Begleitung – steigt weiter an. Die Pandemie hat diesen Trend angeheizt und dafür gesorgt, dass Healthy Pet-ing die Haustierbranche auch in Zukunft deutlich mitbestimmen wird.

Neues Gesundheitsverständnis post Corona
Die Gesundheit zu stärken, wird zu einer neuen, besseren Form der Selbstoptimierung. Prophylaxe im Gewand der Eigenoptimierung lautet daher das Motto. So ist es nicht verwunderlich, dass mit Beginn der Pandemie die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln anstieg. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden in 2020 in Deutschland 180 200 Tonnen Nahrungsergänzungsmittel produziert, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Produktionswert stieg im gleichen Zeitraum um fast ein Viertel (+23,4 %) auf 1,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 waren es noch 162 300 Tonnen im Wert von knapp 900 Millionen Euro gewesen. Eine globale Untersuchung des Marktforschungsunternehmens TechSci Research kommt zudem zum Ergebnis, dass bis zum Jahr 2025 mit weiter steigenden Umsatzzahlen bei Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminpräparaten zu rechnen sei. Die US-Forscher sprechen von einem globalen Umsatz von 17 Milliarden US-Dollar.

Nicht nur Vitamine aus der Dose sind künftig stärker gefragt. Auch das Selberkochen unter Verwendung frischer Zutaten erfreute sich im Krisenjahr 2020 einer gestiegenen Beliebtheit. Hanni Rützler spricht in ihrem Food Report 2021 vom Trend «Forced Health». Etliche Verbraucher betrachten ihre Nahrung nun unter präventiven, nicht nur unter kulinarischen Gesichtspunkten. Und das wir auch so bleiben, davon ist die Studien-Autorin fest überzeugt und führt dazu zwei Studien an. Laut einer Studie der Universität Göttingen haben gut ein Viertel der Deutschen aufgrund der Corona-Pandemie damit angefangen, mehr frisches Gemüse zu essen. Und auch die Marktforscher von Appinio belegen in ihrem Corona-Scan, dass alle Deutschen durch die Bank seit Beginn der Corona-Krise häufiger zuhause mit frischen Lebensmitteln kochen, besonders stark ist dieser Anstieg bei den 16- bis 34-Jährigen sowie den 55- bis 65-Jährigen ausgefallen, von denen knapp ein Drittel dieser Aussage im Oktober zustimmten.

Neuer Glanz für Einkaufsstätten

Die Kosmetik- und Schönheitsindustrie ist eine weitere grosse Branche, die sich früh dem Thema Immun-Boosting gewidmet hat. In den Regalen des Handels sind zahlreiche Produkte zu finden, die den Alterungsprozess aufhalten sollen. Neben gesunder Ernährung und regelmässiger Bewegung gehört jetzt auch die Gesichtspflege aus sogenannten «Immunboostern» zur Beauty Routine.

Weltmarktführer im Bereich Infusionstherapien und Booster Shots ist das US-Unternehmen Revive, zum Konzern gehören 80 Filialen in über 30 Ländern. In Berlin können sich die Kunden über Anwendungen in den Treatment Rooms im KaDeWe freuen, deren Verantwortliche damit die Zukunft des Warenhauses einläuten: Wellness-, Vorsorge- und medizinische Services könnten den Einkaufsstätten in den City-Lagen zu neuem Glanz verhelfen.

Nun gilt es, diese neuen gesundheitsfördernden Gewohnheiten mit in die Zukunft zu nehmen. Fakt ist: Für den Handel ergeben sich hieraus attraktive Chancen.

 

Die Studie

Der Health Report 2022 von Corinna Mühlhausen bietet einen Überblick über aktuelle Entwicklungen der Gesundheitsmärkte und zeigt auf, welchen Einfluss die Covid-19-Pandemie auf das Gesundheitssystem haben wird. Beim Kauf dieser Publikation erhalten Sie zusätzlich kostenfrei eine digitale Kopie des Inhalts zur persönlichen Nutzung. Erhältlich online unter: onlineshop.zukunftsinstitut.de.

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Die weiteren Trends im Überblick

Hanf-Hype
In Zukunft wird rund um den Hanf ein neuer Hype entsteht. «Denn die Wirkweisen der Cannabis-Produkte sind so vielfältig wie ihre Darreichungsformen und schafft einen boomenden Markt für zahlreiche Produkte und Lifestylekonzepte», so die Studien-Autorin. Laut BDS Analytics belief sich der weltweite Umsatz im legalen Cannabismarkt im Jahr 2020 auf fast 21,3 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahresumsatz von 14,4 Milliarden US-Dollar.

Well-come
Well-come ist ein Zeitgeistphänomen der Pandemie mit hohem Potenzial ein soziokultureller Trend zu werden. «Wenn sich die Hygiene-Etiketten zu längerfristigen Verhaltensweisen entwickeln, verändern sie auch gängige Begrüssungsrituale wie das Händeschütteln», erklärt Mühlhausen. Dabei werden nach Auffassung der Expertin vor allem die «Pandemie-Innovationen weiterhin Bestand haben. Dazu gehören unter anderem Mund- und Gesichtsmasken, die weniger medizinisch als vielmehr stylisch aussehen. Desinfektionsmittel, die in hochwertigen recycelten Aluminiumflaschen verpackt sind und darüber hinaus die Haut pflegen. Masken-Sprays, die nach Rosengeranie oder Minze duften und für ein angenehmes sowie frisches Tragefühl sorgen.

Resonanzräume
Die Coronna-Pandemie verändert, wie und wo wir arbeiten – und somit auch die Funktion des Arbeitsplatzes. In diesen Health-Trend spielen auch die Megatrends New Work und Individualisierung mit hinein. Dabei wird sich die benötigte Büroimmobilienfläche massgeblich verändern. Für die leerstehenden Gewerbefläche hat das finnische Unternehmen inFarm eine neue Nutzungsidee: Das Agtech-Start-up bietet ein Portal, das Bürobesitzer und Lebensmittelproduzenten zusammenbringt, um Raum für Vertical Farms zur Züchtung von Gemüse, Obst und Kräuter zu vermitteln. Diese Kräuter- und Gemüsegärten als Bestandteil des eigenen Büros können künftig zu Stätten der Begegnung im Arbeitsalltag werden.

Steckbrief

Corinna Mühlhausen  
Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Corinna Mühlhausen als Trend- und Zukunftsforscherin mit dem Megatrend Gesundheit in all seinen Facetten. Ende 2019 startete ihre Reihe des «Health Report» mit seiner ersten Ausgabe im Zukunftsinstitut. Dass Gesundheit und Wohlbefinden Themen sind, über die regelmässig berichtet werden sollte, und dass ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis immer wichtiger wird, davon ist sie überzeugt.

Mühlhausen, die mit ihren beiden Söhnen in Hamburg lebt, versucht selbst immer wieder die Balance zwischen Arbeit und Familie herzustellen. Sie weiss um die Folgen der Pandemie – körperlich wie seelisch. Und doch schaut sie optimistisch in die Zukunft: «Wenn wir es schaffen, die Krise als Neuanfang zu verstehen, haben wir die Chance, uns selbst als Teil eines grossen Ganzen zu begreifen. Jede und jeder Einzelne kann dazu beitragen, das System Gesundheit, aber auch das ganze System Erde so zu verändern, dass die neue Normalität nach Covid-19 eine bessere wird.»