Handel fährt Investitionen hoch

Montag, 29. April 2024
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Nach einem Einbruch im Jahr 2023 zeichnet sich im Ladenbau jetzt eine Erholung ab. Der deutsche Einzelhandel sieht Investitionsbedarf, bei den Ladenbauern füllen sich die Auftragsbücher, aber es gibt auch neue Probleme.

Die Statistik des Deutschen Ladenbau Verbandes (dLv) spiegelt nicht nur die Auslastung der Branche wider, sondern ist auch ein Seismograf für die Stimmung und Investitionsbereitschaft im Einzelhandel. Meldeten im September 2021 noch 96 Prozent der dLv-Mitgliedsunternehmen eine Auslastung von 75 Prozent und mehr, waren es im November 2023 nur noch 57 Prozent. Der deutsche Handel hatte seine Investitionen heruntergefahren. Das bestätigt eine Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter mehr als 900 Händlern im Sommer letzten Jahres. «Die Händler sehen einen hohen Investitionsbedarf in ihren Unternehmen. Allerdings sind viele Betriebe in der aktuellen Krise nicht in der Lage, notwendige Zukunftsinvestitionen finanziell zu stemmen.» Die Verunsicherung des Handels war für die dLv-Mitgliedsunternehmen deutlich spürbar: «Renovierungen und Sanierungen statt Neubauten, kleinere Projektvolumen und zunehmender Wettbewerb führen zu konservativeren Jahresplanungen.»
 
Lage hellt sich auf
Seit Anfang 2024 hellt sich die Lage wieder auf. Im März 2024 legte der ifo-Geschäftsklimaindex im deutschen Handel deutlich zu. «Die Händler zeigen sich mit den laufenden Geschäften zufriedener. Insbesondere der Einzelhandel sieht einen Hoffnungsschimmer», so das Münchener Institut. In Erwartung besserer Geschäfte klopften Händler offenbar unverzüglich auch bei den Ladenbauern an. 69 Prozent der Ladenbauer arbeiteten im Januar 2024 nahezu unter Volllast.
 
Klimaschutz auf Platz 3
Am ehesten investiert der Lebensmitteleinzelhandel, und auch die Freizeitindustrie mit Bikes, Fitness und Sport gehört zu den ausgabefreudigeren Branchen. Noch mehr als in die Ausstattung der Geschäfte investiere der Handel in die Digitalisierung, so die Beobachtung des dLv. «Der Handel verlangt vom Ladenbauer Kenntnis darüber.» Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt Umdasch Digital Solutions anhand von vernetzten Systemen am Point of Sale. So können Inhalte auf digitalen Touchpoints wie Digital Signage, Electronic Shelf Labeling (ESL) oder Mitarbeiter-Tablets durch Vernetzung filialübergreifend und mit wenig Aufwand gesteuert und auch, etwa für Aktionen, filialgenau angepasst werden.
 
Mit Kälte sparen
Nachhaltigkeit ist laut dLv ebenfalls ein grosses Thema. Dieser Investitionsschwerpunkt zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr bei der HDE-Umfrage ab. Der Klimaschutz rangierte hinter Ladenbau/Geschäftsausstattung und Warenwirtschaftssystemen auf Platz drei der Schwerpunkte. Die Unternehmen wollen dafür in energiesparende Beleuchtung (38 %), Photovoltaik (22 %) sowie Elektromobilität und Ladesäulen (15 %) investieren. 
Beim grössten Stromverbraucher im LEH, den Kälteanlagen, führt der technische Fortschritt zu bemerkenswerten Einsparpotenzialen beim Austausch alter Anlagen. Bei den Herstellern stehen neben der Verbesserung der Energieeffizienz natürliche Kältemittel, mit Blick auf die Nachhaltigkeit langlebige Produkte, individuelle Beratung und Fernwartung oben auf der Agenda. Moderne Kühlgeräte verwenden fortschrittliche Technologien wie verbesserte Isolierung, effizientere Kompressoren und intelligente Steuerungssysteme, um den Energieverbrauch zu reduzieren. Am Beispiel des aktuellen steckerfertigen Kühlregals «Tango Ultra/MultiFresh» beschreibt Epta Deutschland, was der Austausch von Kühlmöbeln bringen kann. In der Version mit zwei Türen und einer Länge von 125 Zentimetern erreicht dieses hohe Kühlmöbel die bestmögliche Energieeffizienzklasse A. Es verbraucht 40 Prozent weniger Energie als das Vorgängermodell. Seit September 2023 sorgt auch die Verschärfung der Ökodesign-Richtlinie, die die Kennzeichnung von Produkten mit dem EU-Energielabel regelt, für mehr Nachhaltigkeit bei der Neuinstallation von Kältetechnik. Seitdem dürfen Geräte mit der Energieeffizienzklasse G nicht mehr verkauft werden. Die in Supermärkten, Tankstellen und Convenienceshops gebräuchlichen Mini-Truhen für Speiseeis mit bis zu 600 Liter Volumen dürfen sogar nur noch verkauft werden, wenn sie mindestens die Effizienzklasse E erreichen.
 
Mitarbeiter gesucht
In diesem Jahr richten sich die Ladenbauer darauf ein, neue Kunden gewinnen zu müssen. «Der Wettbewerb nimmt zu, Bestandskunden verschwinden vom Markt, neue Märkte müssen bearbeitet werden», so der dLv. Zum Abschmelzprozess der Bestandskunden zitiert der Verband den HDE, der für das laufende Jahr die endgültige Schliessung von 5000 Läden prognostiziert hat. Die grösste Herausforderung für die Ladenbau-Branche ist indes nicht die Auftragslage, sondern mit weitem Abstand das Problem, Personal zu finden und zu halten. «Projekte können nur vernünftig umgesetzt werden, wenn sie jemand bearbeitet», betont der Verband. «Dies wird zunehmend zum Problem.»

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Info

Bei den Einzelmassnahmen auf den Retail-Flächen identifizieren die Mitgliedsunternehmen im Deutschen Ladenbau Verband (dLv) folgende Trends:

- Nachhaltigkeit

- Beleuchtung, Energieeffizienz der LED

- Weiterentwicklung von Stromführungssystemen für unterschiedliche Anwendungen

- Optimierung des Warenhandlings auf der Fläche

- Diebstahlvermeidung

- ESL (elektronische Regaletiketten)