«Für mehr Grün im Grau»

Montag, 27. Juni 2022
Foto: Die Stadtgärtner/Robert Schlossnickel

Die Welt grüner und bunter zu machen, das ist die Intention von «Die Stadtgärtner». Seit 2011 produzieren die drei Gründer Jan, Torge und Derk Geschenkartikel, die nachhaltig Freude machen und somit auch dem Grau der Städte entgegenwirken sollen.

Was hat Sie dazu bewegt, «Die Stadtgärtner» zu gründen?
Torge Kahl: Wir drei Gründer sind alle auf dem Land gross geworden und hatten eine Kindheit, wie es sich für ein richtiges Dorfkind gehört: Wir spielten im Dreck, kletterten auf Bäume und waren zu jeder Jahreszeit draussen in der Natur unterwegs. Zum Studium zog es uns in Grossstädte – und dort merkten wir, dass uns die Natur und Jahreszeiten fehlten. Irgendwann fing Derk deshalb an, in seiner WG-Küche Samenbomben zu rollen und verteilte sie in seiner Umgebung. Im Gross­stadtdschungel entstanden plötzlich bunte Inseln und brachten etwas Farbe ins triste Grau. Schnell steckte er uns mit seiner Begeisterung an und auch unser Umfeld wollte immer mehr von unseren Samenbomben – so wurden «Die Stadtgärtner» geboren.

So stand auch der Unternehmensname schnell fest?
Torge Kahl:
Ja. Der Name ist ganz eng mit unserer Gründungsgeschichte verknüpft. Wir wollten mit unseren Samenbomben etwas gegen das viele Grau in den Städten tun und für kleine Oasen in der Betonlandschaft sorgen, also kleine «Stadtgärten» erschaffen. Da war der Weg zu «Die Stadtgärtner» nicht mehr weit.

Welche Vision verfolgen Sie mit Ihrem Unternehmen?
Torge Kahl:
Wir sind schlicht begeistert von der Schönheit und Vielfalt der Natur. Diese Begeisterung drückt sich in all unseren Produkten aus. Wir wollen damit Menschen mitreissen, diese Faszination mit uns zu teilen und im Einklang mit der Natur zu leben, sie zu bewahren und Freude, Kraft und Inspiration daraus zu schöpfen. Dieser Moment, wenn man einem Vögelchen beim Futtern zusieht oder man in einer summenden Wildblumenwiese steht und alle Sinne explodieren. Oder der Stolz, wenn die ausgesäten Samen zu keimen beginnen. Genau für diese Glücksmomente sind unsere Produkte gemacht.

Wie viele Produkte haben Sie in Ihrem Sortiment? Was sind Ihre Bestseller?
Torge Kahl
: Mittlerweile umfasst unser Sortiment über 400 Produkte – und viele weitere sind bereits in der Konzeption. Die Bestseller sind tatsächlich je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich. Unser Wunscherfüller, eine Pusteblume im Glas, ist das ganze Jahr über sehr beliebt. Besonders im Frühjahr sind es die bunten Blumenmurmeln für Kinder und unsere Bienenwohl-Serie, die am meisten gekauft werden. Im Herbst liegt der Fokus naturgemäss weniger auf Saatgut, dafür sind unsere kleinen Mahlzeiten für Vögel, Eichhörnchen und Igel in den kälteren Monaten beliebt.

Stellen Sie die Produkte selbst her oder lassen Sie produzieren?  
Torge Kahl:
Ein wichtiger Teil unseres Konzeptes ist es, dass alle Produkte von Hand in Deutschland gefertigt werden. So hat es damals mit den Samenbomben in der WG-Küche angefangen und bisher hat sich daran nicht viel geändert. Jedes Produkt wird von uns in Handarbeit hergestellt und ist ein Unikat. Dabei produzieren wir – wenn möglich – nahe an unserem Fertigungsstandort Nordhorn. Dafür arbeiten wir bereits seit 2014 mit der Lebenshilfe und anderen regionalen Werkstätten zusammen. Etwa ein Drittel unserer Produkte entsteht so nicht durch unsere Hände, sondern durch die liebevolle Handarbeit der Menschen dort. Auch, wenn das teilweise etwas länger dauert, freut es uns sehr, dass wir Menschen Arbeit, Beschäftigung und Abwechslung bieten können und damit gleichzeitig Menschen in und um Nordhorn unterstützen können.

Wie und wo verkaufen Sie Ihre Produkte?  
Torge Kahl:
Im Jahr 2011 hat alles mit Dawanda (heute Etsy) angefangen, doch schon ein Jahr später eröffneten wir unseren eigenen Online-Shop. ­Allerdings sind viele unserer Produkte auch im Handel zu finden, wie beispielsweise im Buchhandel oder in Concept Stores und Spielwarengeschäften. Ausserdem kann man bei Amazon unsere Produkte kaufen. Darüber hinaus bieten wir Whitelabel-Lösungen unserer Produkte als Werbemittel oder Give-away an.

Woher nehmen Sie die Ideen für neue Produkte?
Torge Kahl:
Wir lassen uns von der Natur inspirieren. Wir schauen uns die Dinge an, die uns in der Natur faszinieren und überlegen im nächsten Schritt, mit welchen wunderschönen Produkten wir diese Begeisterung an andere weitergeben können. Die Idee für den Wunscherfüller beispielsweise entstand, als Derk in einer schwierigen Situation von seiner Frau eine selbst gepflückte Pusteblume im Glas geschenkt bekam und von der Idee und Schönheit sofort begeistert war. Da war klar: Dieses Gefühl möchten wir weitergeben!

Welche Rolle spielen die Themen Regionalität und Nachhaltigkeit für «Die Stadtgärtner»?
Torge Kahl:
Wie bereits erwähnt, ist die Fertigung unserer Produkte in Deutschland ein wichtiger Teil unseres Konzepts. So viel wie möglich findet rund um unseren Standort Nordhorn statt. Auch beim Sponsoring setzen wir grösstenteils auf einen regionalen Fokus, denn so können wir unserer Region etwas Gutes tun und die Folgen unseres Handelns direkt sehen. Das Thema Nachhaltigkeit hat bei uns einen hohen Stellenwert, aber wir sind in dieser Hinsicht sicherlich nicht perfekt. Wir versuchen, unsere Produkte so nachhaltig wie möglich zu machen und verzichten – wo möglich – beispielsweise auf Plastikverpackungen. Wir gehen aber auch Kompromisse ein, wenn wir keine 100 Prozent nachhaltige Lösung finden können und setzen unsere Ideen dann zumindest so umweltverträglich wie möglich um. Wir beobachten nachhaltige Trends, zum Beispiel in Sachen Umverpackungen oder Bio genau und implementieren diese, sobald die Technologien ausgereift und für uns umsetzbar sind.

«Für mehr Grün im Grau» – wie weit sind Sie Ihrem Ziel schon gekommen und wo wollen Sie hin?
Torge Kahl:
Wenn wir auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken, sind wir schon ziemlich weit gekommen. Was als Guerilla-Gardening-Projekt begann, ist heute ein Unternehmen geworden, das mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigt und mehr als drei Millionen Euro Umsatz im Jahr macht. Zusätzlich zu Samenbomben haben wir in den letzten Jahren unsere Produktpalette deutlich erweitert und können so noch viel mehr Menschen erreichen und ihnen unsere Liebe zur Natur näherbringen. Ferner tüftelt unsere Produktentwicklung jeden Tag an weiteren Produktideen. Generell rückt das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz immer mehr in den Fokus der Gesellschaft, was uns natürlich sehr freut und uns unserem Ziel immer näherbringt.

Wo sehen Sie «Die Stadtgärtner» in fünf Jahren?
Torge Kahl:
Wir möchten gerne weiter das tun, wofür wir brennen: Menschen durch unsere Produkte begeistern, sie dazu inspirieren rauszugehen und unsere faszinierende Natur zu erleben. Wir sind sehr glücklich darüber, wie es läuft und werden mit genauso viel Freude dabeibleiben und weiter-
machen.

 

Steckbrief

Die Cousins Niemeijer
Jan Niemeijer (links) hat eine Ausbildung und ein Studium im Sicherheitsbereich absolviert. Danach hat er in diesem Bereich in Amsterdam gearbeitet, zuletzt als Bereichsleiter für Securitas in Schleswig-Holstein. Derk Niemeijer (rechts) hat gemeinsam mit Torge Kahl (Mitte) in Emden studiert. Er war auch der Initiator von «Die Stadtgärtner» mit der Seedbombs-Idee.

Torge Kahl hat nach einem Studium in Emden mit Stationen in Honolulu und Madrid sein Berufsleben bei Spreadshirt in Leipzig gestartet und dort das erste Mal Start-up-Luft geschnuppert. Nach weiteren E-Commerce-Stationen in Hamburg (Casamundo) und Lübeck (checkdomain) war der Weg zur eigenen Gründung dann nicht mehr weit und als «Mann für Organisation und Digitales» hat Torge das Gründungsteam neben Derk und Jan komplettiert.