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Der Markt ist in stabiler Verfassung und zeigt in den grossen Segmenten Wachstum. Auch bei den E-Zigaretten steigt die Zahl der Nutzer – trotz der neuen Steuerbelastung.
Im Verlauf des Jahres 2022 ist die Zahl der Zigarettenraucher in Deutschland von 31 Prozent auf über 35 Prozent gestiegen. Das zeigt die repräsentative zweimonatliche «Deutsche Befragung zum Rauchverhalten» (DEBRA). Auch die Zahl der aktiven Nutzer von alternativen Tabakprodukten hat weiter zugenommen. Laut DEBRA griffen Ende 2022 drei Prozent aller Erwachsenen zu E-Zigaretten und 0,6 Prozent zu Erhitzern (Heater). Damit haben sich deren Zahlen gegenüber 2021 jeweils verdoppelt.
Absätze steigen
Zwar sind die Absätze im Markt nicht proportional zu den neuen Konsumenten angestiegen, aber die Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bestätigen den Trend. Der Absatz von Zigaretten stieg im dritten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent, Feinschnitt legte um vier Prozent zu. Der Trend zur Vorratshaltung und zu Grosspackungen bei Tabakwaren ist weiterhin ungebrochen. Der überwiegende Teil der Verbraucher von Tabakwaren zeigt eine hohe Preissensibilität und zieht die preisgünstigeren XXL-Packungen vor.
E-Zigaretten immer beliebter
Erheblich turbulenter geht es auf dem Markt der E-Zigaretten zu. Nach einem Umsatzhöhepunkt von rund 500 Millionen Euro im Jahr 2018 ging es wellenartig bergab. Im Jahr 2022 setzte dann mit der stark steigenden Zahl der Nutzer wieder eine Erholung ein. Nach vorläufigen Zahlen des Verbandes des eZigarettenhandels (VdeH) erreicht der Jahresumsatz rund 300 Millionen Euro. Dass E-Zigaretten zuletzt so viele neue Freunde gewonnen haben, überrascht insofern, als sich die Produkte im Juli 2022 aufgrund neuer Besteuerung (16 Cent je ml) massiv verteuert haben. Eine Erklärung dafür ist die Bevorratung des Fachhandels (und der Verbraucher) mit altpreisiger Ware, die bis Februar 2023 verkauft werden durfte. Eine andere ist die zunehmende Attraktivität dieser Produkte als «gesündere» Alternative zur klassischen Zigarette. Auch die Hersteller unterstützen den Trend und optimieren ihre Systeme laufend hinsichtlich Gebrauchsnutzen, Design und Auswahl der Liquids.
Aromen treiben Nachfrage
Ein Erfolgsfaktor der E-Zigaretten ist die Aromenvielfalt, die zahlreiche langjährige Raucher buchstäblich auf den Geschmack gebracht und zum Umstieg bewogen hat. Insbesondere vor diesem Hintergrund wäre eine regulatorische Einschränkung der Aromenvielfalt, wie sie sich auf europäischer Ebene im Rahmen des «Europe’s Beating Cancer Plan» abzeichnet, aus Sicht des VdeH ein kontraproduktives Zeichen. «Aromen spielen eine bedeutende Rolle beim Wechsel von der Tabak-Zigarette zur risikoreduzierten E-Zigarette», sagt VdeH-Geschäftsführer Oliver Pohland.
Start-up für Kriminelle
Der Markt der E-Zigaretten ist geprägt von einer Vielzahl unterschiedlichster kleiner und mittelständischer Anbieter. Beim Vertrieb machen die inhabergeführten Fachhandelsgeschäfte mit bis zu sechs Filialen etwa 96 Prozent des E-Zigarettenhandels aus. Die grossen Unternehmen der Tabakindustrie sind mit ihren alternativen Produkten indes nur relativ gering in den Fachgeschäften vertreten und bedienen mit LEH, Tabakwarenhandel und Tankstellen hauptsächlich ihre etablierten Vertriebskanäle. Ein wachsender Teil der Verwender von alternativen Tabakprodukten deckt seine Ware aber auch auf dem Schwarzmarkt. Neben dem VdeH spricht auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP Zoll) von einer Zunahme des Schmuggels durch die Einführung der Steuer auf Tabak-Substitute. Die GdP Zoll sprach in diesem Zusammenhang sogar von einem «Start-up» für die Organisierte Kriminalität.
Das Problem dürfte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Denn bei der am 1. Juli 2022 eingeführten Steuer von 16 Cent je Milliliter bleibt es nicht. In weiteren Schritten wird die Steuer in den Jahren 2024, 2025 und 2026 jeweils zum 1. Januar auf insgesamt 32 Cent (pro ml) angehoben.