«Kosmopolit» in Flaschen

Donnerstag, 25. Mai 2023
Foto: stock.adobe.com/fotofabrika

Das deutsche Bierangebot ist äusserst vielfältig und abwechslungsreich. Dennoch werden bei den Konsumenten Importbiere immer beliebter. Sie stehen für Urlaubsgefühle sowie einen kosmopolitischen Lebensstil und profitieren von einem hippen Kultfaktor.

Der Biermarkt hat in den letzten Jahren geschwächelt. Langfristig betrachtet geht der jährliche Bierabsatz in Deutschland kontinuierlich zurück: Allein in der letzten Dekade ist er um 7,4 Prozent gesunken, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Gründe dafür lassen sich mehrere ausmachen: etwa ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher und der demografische Wandel. Dazu noch die Corona-Pandemie, wegen der die Gastronomie monatelang geschlossen bleiben musste und Festivals sowie Events ausfielen. «Analog anderer Segmente im Biermarkt verzeichneten die Importbiere in Summe einen Absatzrückgang», sagt Birte Kleppien, Pressesprecherin Radeberger Gruppe, über die Entwicklung der letzten fünf Jahre. Das habe man auch bei den Importmarken Guinness und Kilkenny gespürt, die normalerweise hohe Absatzanteile in Pubs erzielen. Im Handel hätten die beiden Marken jedoch deutliche Absatzzuwächse gewinnen können: «Hier erfreute sich das Segment über prozentual zweistellige Zuwachsraten. Selbst mit dem Rückfluss von Hektolitern in die Gastronomie und den Veranstaltungsbereich meldet Nielsen für das Jahr 2022 ein Absatzplus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.» Im Handel werden Biere aus dem Ausland also immer angesagter. Kaufrelevant seien vor allem die Markenbekanntheit, die Herkunft, der besondere Charakter sowie eine attraktive Ausstattung.

Fried-Heye Allers, Unternehmenssprecher Anheuser-Busch InBev, bestätigt, dass sich der Markt für Importbiere sehr positiv entwickelt habe. An internationalen Lagerbieren wie Corona Extra und San Miguel würden in Deutschland immer mehr Gefallen finden. «Im Einzelhandel konnten wir im Jahr 2022 einen hohen Marktanteil sichern.» Mit den beiden Bieren habe man zwei Premiummarken mit Kultcharakter im Portfolio, die vor allem Urlaubsgefühle erweckten. Für Konsumenten, die keinen Alkohol trinken möchten, wurde Corona Cero auf den Markt gebracht.

Sehnsüchte erfüllen
«In der globalisierten Welt steigt das Interesse an ausländischen Bieren. Es wachsen neue Generationen heran mit einer veränderten Sicht auf den nationalen und internationalen Biermarkt», sagt Nora Stiller, Marketing Director Germany & Austria bei Asahi Brands Germany. Dort hat man unter anderem die Marken Tyskie, Pilsner Urquell und Peroni Nastro Azzurro im Portfolio. Neben dem Geschmack seien bei internationalen Bieren die Emotionen, die das Getränk vermittelt, einige der Motive für den Kauf: «Womit kann sich der Verbraucher sonst von der breiten Masse abgrenzen, als kosmopolitisch wahrgenommen werden oder direkt an einen schönen (Sehnsuchts-)Ort im Ausland versetzt werden?» Auch die zumeist aussergewöhnlichere Flaschenform habe Einfluss.

Und wie schaut es mit der Bedeutung des Reinheitsgebots aus? «Gerade für junge Generationen rückt dieses Kriterium immer weiter in den Hintergrund», sagt Nora Stiller. Auch Fried-Heye Allers sieht, dass beim internationalen Premiumlager andere Merkmale entscheidend seien. Der Deutsche Brauer-Bund nimmt das gelassen. Deutsche Biere seien nicht nur im Inland weiterhin sehr beliebt. «Sondern auch international, was der Exportanteil von 18 Prozent im Jahr 2021 deutlich beweist», so Pressesprecherin Nina Göllinger. Dem stehe ein eher geringer Marktanteil von sieben Prozent der Importbiere gegenüber.

Biergenuss weltweit

Die Spitzenreiter
Geht man nach dem Pro-Kopf-Verbrauch von Bier, liegt Tschechien laut Statista im internationalen Länder-Ranking auf Platz 1. Hier summierte sich der durchschnittliche Verbrauch pro Person im Jahr 2021 auf 184,1 Liter. Es folgen Österreich (98,7 l), Litauen (96,3 l), Rumänien (95,6 l) und Polen (94,1 l). Deutschland liegt in diesem Ländervergleich mit 90,4 Litern auf Platz 7. Spanien findet sich auf Rang 8 (88,5 l), bevor mit Namibia das erste nicht-europäische Land folgt (85,7 l). Die weiteren Ränge belegen Kroatien, Gabun, Lettland, die Slokwakei, Slowenien, Irland, Bulgarien, die USA (72,6 l), Finnland und Australien. Daraufhin folgen Panama, Ungarn, die Niederlande, Bosnien & Herzegowina, Brasilien und das Vereinigte Königreich (67,6 l). In der Schweiz lag der Pro-Kopf-Konsum 2021 bei 50,6 Litern, so der Schweizer Brauerei-Verband (SBV). Beim Ranking des europäischen Pro-Kopf-Konsums liegt die Schweiz gemäss der «European Beer Trends 2022» damit auf Platz 17. Im Gegensatz zur internationalen Statista-Rangliste wurden hier allerdings einige europäische Länder nicht mit einbezogen, etwa Lettland, Estland und Litauen.

News

Foto: Unternehmen

Die deutschen Verbraucher geben weiterhin viel Geld für ihre Schönheits- und Haushaltspflege aus.

Foto: Unternehmen

In Brasilien, dem weltweit grössten Produzenten von Orangensaft (80 % Marktanteil), zeichnet sich ein Rückgang der Orangenernte für die Saison 2024/2025 um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab.

Foto: Unternehmen

Gemeinsam mit Partnern sagt Müller dem Plastikmüll in Kroatien den Kampf an. Ziel ist langfristiger Umweltschutz im Rahmen eines Kreislaufsystems.

Foto: Unternehmen

Um ihr E-Auto an einem der bundesweit über 300 Märkte mit Ladesäulen zum besten Tarif aufzuladen, können Kunden künftig auch die «Kaufland Card» nutzen.

Statements

Am POS zu empfehlen sind Sonderplatzierungen in Kleingebinden auf impulsstarken Verkaufsflächen sowie als vorgekühlte Einzelgebinde in Sichtkühlschränken. Zudem können Themenplatzierungen wertvolle Kaufimpulse auslösen. Auch der gezielte Einsatz absatzfördernder POS-Materialien kann den Verkaufserfolg steigern.
Birte Kleppien, Pressesprecherin Radeberger Gruppe

Im Handel erfolgreich Visibilität und Aufmerksamkeit zu schaffen – das ist und bleibt eine spannende Herausforderung, die aber sehr viel Freude macht. Bei Corona nimmt das Limetten-Ritual eine wichtige Rolle ein, das am POS sicherlich die Vorfreude weckt – etwa durch Samplings.
Fried-Heye Allers, Unternehmenssprecher Anheuser-Busch InBev

Mit gezielten Aktionen, zum Beispiel Länderwochen, lässt sich das Interesse der Shopper weiter steigern und der internationale Biere-Block zu einem festen Bestandteil im Sortiment machen. Wir als Industrie sind gefordert, unsere Produkte mit der bestmöglichen Sichtbarkeit und Promotion gemeinsam mit dem Handel im Markt zu präsentieren.
Nora Stiller, Marketing Director Gemany & Austria Asahi Brands Germany

Der Biermarkt in der DACH-Region

Deutschland
Gemäss der «European Beer Trends – Statistic Reports 2022», die von der Vereinigung «The Brewers of Europe» herausgegeben wird, hat Deutschland 2021 rund 15,74 Mio. hl Bier exportiert. Demgegenüber steht ein Import von rund 6,46 Mio. hl. Vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2022 zufolge lag die Importmenge im letzten Jahr bei rund 6,47 Mio hl, die Exportmenge bei rund 15,21 hl. Laut Deutschem Brauer-Bund wurde 2021 das meiste deutsche Bier nach Italien, Russland und China exportiert. Am meisten Bier nach Deutschland importiert haben demnach Tschechien (1 086 131 hl), die Niederlande (929 560 hl) und Belgien (772 668 hl). Die beliebtesten Top 10-Import-Biermarken hierzulande sind gemäss eines Rankings des Getränke-Markt-Magazins «Inside» aus dem Jahr 2021: Heineken, Budweiser, Gösser, Carlsberg, Tyskie, Desperados, Pilsner Urquell, Corona, Breznak und Faxe. Die beliebteste Biersorte der Deutschen ist, so der Deutsche Brauer-Bund, mit einem Marktanteil von weiterhin rund 50 % das Pils.

Zuwächse verzeichneten 2022 Hellbiere und Lagerbiere sowie nach ersten Schätzungen auch alkoholfreie Biere. Seit 2007 hat sich die Produktion alkoholfreier Biersorten in Deutschland mehr als verdoppelt: auf gut 680 Millionen Liter im Jahr 2021. Aktuell liegt der Marktanteil damit bei mehr als 7 %. Für 2022 liegen noch keine Absatzzahlen vor.

Österreich
Österreich hat laut obigem Statistik-Report von «The Brewers of Europe» im Jahr 2021 648 000 hl Bier importiert und 934 000 hl Bier exportiert. Dabei lieferte Deutschland 414 000 hl nach Österreich, Tschechien 76 000 hl, Slowenien 32 hl, Irland 8 hl und Mexiko 1 hl (Quelle: Statistische Daten über die österreichische Brauwirtschaft, Verband der Brauereien Österreichs). Österreichs Bierexporte gingen demgemäss nach Slowenien, Italien, Deutschland, Kroatien und Ungarn. 2019 lag der Bierimport bei 828 000 hl, 2020 bei 627 000 hl. Der Inlandsabsatz von alkoholfreiem Bier lag 2021 bei einem Anteil von 3,3 %. 2021 erzielten die österreichischen Brauereien einen Umsatz von mehr als 1,4 Mrd. €. Laut österreichischer Verbraucheranalyse (Quelle: Statista) war 2022 Gösser die beliebteste Marke für «normales» Bier in Österreich. Auf Platz 2 folgten mit jeweils 20 Prozent die Marken Zipfer und Stiegl. Platz 3 belegten Puntigamer und Ottakringer mit jeweils 12 Prozent. Dann kommen Wieselburger, Heineken, Corona, Murauer, Schwechater und Budweiser. Bei Weissbier liegt die Marke Franziskaner auf Platz 1. In Österreich wird besonders viel Lager- bzw. Märzenbier gebraut.

Schweiz
Die Eidgenossen haben nach Angaben des Schweizer Brauerei-Verband (SBV) 2022 rund 66 200 hl Bier in 29 Länder exportiert, vorrangig nach Deutschland, Italien, Frankreich, Slowenien, Schweden, Dänemark, ins Vereinigte Königreich und nach Österreich. Rund 1,05 Mio. hl wurden importiert: primär aus Deutschland, Portugal, Belgien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Mexiko und Tschechien. Die schweizerischen Brauereien haben 2022 insgesamt rund 3,68 Mio. hl Bier ausgestossen. Im Land wurden insgesamt 4,73 Mio. hl Bier getrunken. Und der Konsum von alkoholfreien Bieren nahm gegenüber dem Vorjahr um knapp 20 % zu. 2021 lag die Inlandsproduktion an Bier bei 3,38 Mio. hl. Im gleichen Jahr betrug der Anteil an Lagerbier 75,2 %, an Spezialbier (die Schweizer Bezeichnung für Pilz) bei 6,1 % und an Spezialitätenbieren – dazu gehören alle Bierstile ausser Lager hell und Spezial hell - bei 18,7 %. Im Vergleich zu 2015 hat die Biervielfalt damit zugenommen. Mit 139 Brauereien pro eine Million Einwohner hat die Schweiz, Stand 2020, übrigens die höchste Brauereidichte Europas.

Produkte

Anheuser-Busch InBev Deutschland
Mit einem Anteil von mehr als 90 Prozet recyceltem Plastik, zum Grossteil aus der maritimen Industrie, trägt der «Corona Extra Mehrwegkasten» dazu bei, die Meere zu schützen. Über 350 000 Kästen werden jährlich produziert und wiederverwendet. Die Verpackung wurde mit dem German Design Award 2023, dem PAC Global Award 2023 und dem Deutschen Verpackungspreis 2022 ausgezeichnet.
https://corona.de

Radeberger Gruppe 
«Guiness Draught» präsentiert sich auch daheim wie frisch gezapft vom Fass. In der Getränkedose ermöglicht das eine kleine weisse Kapsel, die Stickstoffgas enthält. Dieses wird beim Öffnen der Dose freigesetzt; es entstehen aufsteigende Gasbläschen, die für die typisch cremige Schaumkrone sorgen. Dabei bleiben die Röstmalzaromen sowie Kaffee- und Schokolade-Noten erhalten.
www.guinness.com/de-de/

Asahi Brands Germany 
«Peroni Nastro Azzurro» hat im letzten Jahr seinen Weg in den Lebensmitteleinzelhandel gewagt und bringt nun ein Stück Dolce Vita nach Deutschland. Sein Geschmack basiert auf ausgewählten Zutaten wie dem charakteristischen Nostrano Dell'Isola Mais, der eigens für Peroni in der Lombardei angebaut wird. Ein spritziges Bier mit einer feinen Balance von Bitterkeit und aromatischen Zitrusnoten.
https://peroniitalia.com/de