Kastner: Spezialitäten per Mausklick

Montag, 06. Juli 2015
Foto: Fotolia (milamon0)

Das MARKANT Mitglied Kastner betreibt seit kurzem einen Webshop im B-to-C-Bereich. Der Fokus liegt auf regionalen Spezialitäten aus Österreich. Ein Konzept, das sich rechnet.

Coco-Cola für jedermann verfügbar zu machen, ist einfach. Regionale österreichische Spezialitäten sind hingegen nur schwer zu bekommen. Bis jetzt. Davon ist Christof Kastner, Geschäftsführer der Kastner-Gruppe, fest überzeugt. Seit März betreibt der österreichische Großhändler mit dem E-Commerce Start-up myProduct.at gemeinsam den Online-Shop www.myproduct.at. Der Fokus liegt dabei auf B-to-C. Bislang war die Kastner-Gruppe zu 95 Prozent im B-to-B-Bereich tätig. „In dem neuen Geschäftsmodell, das den Verbraucher im Fokus hat, sehen wir für uns neue Möglichkeiten und Chancen, die wir nutzen möchten“, sagt Kastner.

Bereits Erfahrung im E-Commerce

Neuland ist der Online-Handel für Kastner indessen nicht. Bereits 2004 hat das MARKANT Mitglied einen Online-Shop für die Gastronomie gestartet. Das klingt nachvollziehbar, schließlich macht Kastner 60 Prozent seines Umsatzes mit der Gastronomie. Hinzu kamen der Kastner-Webshop, ein Online-Shop für seine Geschirrkunden sowie für das Tochterunternehmen Biogast. Mit zehn Jahren Erfahrung im Online-Handel will Kastner nun im B-to-C-Bereich durchstarten. Zu seinem bisherigen Sortiment und auch zu bereits existierenden Online-Konzepten gibt es indessen einige Unterschiede.

Schwerpunkt auf bäuerlicher, kleingewerblicher und handwerklicher Produktion

So setzen das Handelshaus und das E-Commerce Start-Up auf Produkte aus bäuerlicher, kleingewerblicher und handwerklicher Produktion aus Österreich. Kastner greift damit die Themen Qualität, Authentizität und Regionalität auf – Werte, die seit Anfang an im Unternehmen fest verankert sind. Besonders das Thema Regionalität hat bei den Österreichern eine große Bedeutung. Mit dieser Ausrichtung will Kastner sich gegenüber anderen Online-Konzepten differenzieren und profilieren. 

Einzigartiges Geschäftsmodell im Lebensmittelhandel

„Das ist das erste Geschäftsmodell, das im Lebensmitteleinzelhandel tragfähig ist, da wir hier nur Produkte verkaufen, deren Preise nicht vergleichbar sind“, sagt Kastner. Sprich die Besonderheit des Artikels steht im Vordergrund, nicht der Preis. Von daher befinden sich die Produkte auch nicht in der Preis-Optik wie etwa Produkte des täglichen Bedarfs. „Bereits heute vergleicht der Konsument den Preis eines Produkts in durchschnittlich vier bis fünf Webshops – und da spielt der Discount noch gar nicht mit“, sagt Kastner. Zudem wird seiner Ansicht nach das Channel-Hopping noch weiter zunehmen. Vor diesem Hintergrund lässt sich nach Ansicht von Kastner mit High-Interest-Produkten wie regionale Spezialitäten aus Österreich durchaus Geld verdienen. Das Sortiment umfasst mehr als 4.000 Artikel von 250 Herstellern. Wöchentlich kommen 100 neue Produkte hinzu. Die Produkte sind allerdings nur über den Webshop myproduct.at verfügbar. Im Großhandels-Sortiment von Kastner werden sie nicht geführt. Ein Schritt, für den sich Kastner ganz bewusst entschieden hat. 

Österreichische Regionen im Fokus

Das B-to-C-Geschäftsmodell ist indessen sehr vielschichtig: Im Webshop my.product.at werden alle Produkte gebündelt, er bildet quasi das Dach verschiedener High-interest-Shops. Darunter befinden sich unter anderem Webshops verschiedener österreichischer Regionen. So ist auf den Imageseiten von „So schmeckt Niederösterreich“ oder „So schmeckt Kärnten“ ein Online-Shop integriert, über den Produkte aus diesem Gebiet bezogen werden können. Diese Artikel sind nicht nur in den regionalen Webshops erhältlich, sondern werden quasi in das System von my.product.at gespült. Die einzelnen Regionen sind für das Sortiment ihrer Webshops selbst verantwortlich. Es obliegt ihnen, die Produkte aus ihrer Region zu forcieren. Kastner ist Systempartner von mittlerweile neun österreichischen Regionen. 

Storytelling zur Differenzierung

Der Unterschied von myproduct.at zu anderen Online-Konzepten liegt nicht nur darin, dass es sich um urtypisch und meist nur regional verfügbare Qualitätsprodukte handelt. Ein Unterscheidungskriterium ist auch das Storytelling. „Jeder einzelne Produzent ist mit seiner individuellen Geschichte im Shop vertreten“, so Kastner. Zu jedem Produkt gibt es authentische Geschichten, Bilder und Zusatzinformationen zur Produktherstellung sowie zu den Menschen hinter den Produkten. Das Pricing wird gemeinsam mit dem Produzenten erarbeitet. „Unsere Überzeugung ist, nur wenn es dem Produzenten gut geht, kann es auch uns gut gehen“, erklärt der Kaufmann. „Da eine Handelsstufe wegfällt, haben wir einen Kalkulationspuffer, den man sonst nicht hat.“ Die Ware wird nicht über ein Zentrallager gehandelt, sondern mit Hilfe einer innovativen Logistik vom Erzeuger direkt zum Konsumenten geliefert. Werden von verschiedenen  Produzenten Artikel bestellt, kommt die Ware in ein Cross-Stocking-Lager und wird von dort aus an den Käufer geschickt.

Geschwindigkeit zählt

Die Ware ist ein Faktor für den Erfolg, die Geschwindigkeit beim Online-Shopping ist jedoch der wichtigste.  „Wir sind in der Bearbeitung von Suchanfragen so schnell wie Google. Unsere fortschrittliche Technik macht dies möglich.“, sagt Kastner. Weiter fügt er hinzu:  „Die Geschwindigkeit ist entscheidend dafür, um wie viel mehr ich Umsatz machen kann. Das hängt proportional miteinander zusammen. Ferner zählen eine gute Informationspolitik via Sms oder E-Mails sowie Serviceleistungen wie der Direktversand an den Kunden oder auch die Umleitung von Paketen.

Lieferung in Österreich und nach Deutschland

Kastner bietet im Webshop ein vielfältiges Angebot an österreichischen Spezialitäten, welche vorher so nicht verfügbar beziehungsweise nur schwer zu bekommen waren. Sowohl für einen Touristen, der im Skiurlaub eine Spezialität kennen gelernt hat und sie nun auch zu Hause genießen möchte als auch für die Österreicher selbst war es schwierig, bestimmte regionale Produkte zu bekommen. „Wenn ein Verbraucher aus dem Burgenland ein Regionalprodukt aus der Steiermark bekommen möchte, so machen wir die Ware durch unseren Webshop erst zugänglich“, erklärt Kastner. „Unser Ziel ist es, urtypische Qualitätsprodukte aus Österreich nicht nur verfügbar zu machen, sondern wir wollen damit auch österreichische Klein- und Mittebetriebe im Wettbewerb gegen internationale Großkonzerne und deren Massenware stärken“. Mittlerweile beliefert das Handelshaus nicht nur ganz Österreich mit den regionalen Spezialitäten, sondern seit kurzem auch Deutschland.

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Das Geschäftsmodell

Das Konzept: Im Webshop www.myproduct.at werden alle Produkte gebündelt, er bildet quasi das Dach verschiedener High-interest-Shops. Darunter befinden sich unter anderem Webshops verschiedener österreichischer Regionen. So ist auf den Imageseiten von „So schmeckt Niederösterreich“ oder „So schmeckt Kärnten“ ein Online-Shop integriert, über den Produkte aus diesem Gebiet bezogen werden können. Diese Artikel sind nicht nur in den regionalen Webshops erhältlich, sondern werden quasi in das System von my.product.at gespült. Die einzelnen Regionen sind für das Sortiment ihrer Webshops selbst verantwortlich, sprich es obliegt ihnen, die Produkte aus ihrer Region zu forcieren. Kastner ist Systempartner von mittlerweile neun österreichischen Regionen. 

Das System: Die Bestellung geht direkt zum Produzenten, er verpackt die Ware und schickt sie zum Kunden. Wenn von verschiedenen Produzenten Artikel bestellt werden, kommt die Ware in ein Cross-Stocking-Lager und wird von dort aus an den Käufer geschickt.

Das Sortiment: Im Webshop sind rund 4.000 Produkte von 250 Produzenten erhältlich, wöchentlich kommen 100 neue Produkte hinzu. Zu jedem Produkt gibt es authentische Geschichten, Bilder und Zusatzinformationen zur Herstellung sowie zu den Menschen hinter den Produkten.

Das Pricing: Das Pricing wird gemeinsam mit dem Produzenten erarbeitet. Durch den Wegfall einer Handelsstufe ergibt sich dadurch ein interessanter Kalkulationspuffer.

Die Bezahlung: Es werden alle gängigen Bezahlmethoden angeboten, mit PayPal wird am meisten bezahlt.

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