Kaes - Alles aus einer Hand

Montag, 29. August 2022
Foto: Unternehmen

Vor 157 Jahren hat Josef Kaes ein kleines Lebensmittelgeschäft in der Hinteren Gasse in Kaufbeuren eröffnet. Heute verbirgt sich hinter dem einst kleinen Markt eine Unternehmens-gruppe mit rund 962 Millionen Euro Umsatz. Christoph Hermann, Gesellschafter und Mitglied der Geschäftsleitung, spricht im Interview darüber, warum Nähe eine wichtige Rolle für den Unternehmenserfolg spielt und welche Innovation die Kundschaft 2023 erwartet.

Sie sind ein Familienunternehmen. Welche Rolle spielt dabei die Nachfolge für Sie?
Christoph Hermann:
Für mich persönlich ist es sehr besonders und ich bin sehr stolz, in unser Unternehmen mit 157 Jahren Familientradition einsteigen zu dürfen. Gleichzeitig gibt es da natürlich auch eine gewisse Demut vor der langen Tradition und den grossen Aufgaben. Wenn man aber in ein so gut funktionierendes Unternehmen einsteigt, mit einem stabilen Fundament an erfahrenen Führungskräften und Mitarbeitern, ist der Start verhältnismässig leicht. 

Was zeichnet Sie als Familienunternehmen aus?
Christoph Hermann:
Die Nähe zu Kunden und Mitarbeitern ist bei uns Tradition. Meinem Opa war es früher enorm wichtig, nicht nur immer wieder selber anzupacken, sondern beispielsweise auch wenigstens einmal im Jahr an Weihnachten jedem Mitarbeiter persönlich die Hand zu schütteln. Diese Nähe versuchen wir zu halten – auch durch flache Hierarchien – und das hilft uns strategische Entscheidungen nicht nur schneller zu treffen, sondern dabei auch immer die eigentliche operative Arbeit im Blick zu haben.

Sind Familienunternehmen die besseren Arbeitgeber?
Christoph Hermann:
Ja klar! Was uns auszeichnet, ist das hohe Mass an Verantwortung, das wir unseren Mitarbeitern zutrauen, und die dies auch fantastisch umsetzen. Besonders ist bei uns auch, dass man keinen Hochschulabschluss braucht, um in die Führungsebene zu kommen. Mit Engagement und gesundem Menschenverstand können das bei uns tatsächlich alle Auszubildenden schaffen. Letztlich versuchen wir ein Arbeitgeber zu sein, bei dem wir mit gutem Gewissen unsere Kinder in die Lehre schicken würden. Und wenn Sie jetzt denken, das sagt er nur so: Ich kann das belegen, 42 Prozent unserer Mitarbeiter sind seit mindestens zehn Jahren bei uns beschäftigt, einige sogar seit über 40 Jahren. Ich denke, diese Zahlen sprechen für sich. Zusätzlich ist uns natürlich auch das Engagement für und die Unterstützung von Vereinen und Organisationen in der Region seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit.

Wie differenzieren und profilieren Sie sich gegenüber dem Wettbewerb?
Christoph Hermann:
Wir haben ein riesiges Sortiment und auch noch kompetente Mitarbeiter, die sich damit auskennen. Die Vielfalt ist bei uns wirklich Programm, nicht nur in unseren V-Märkten. An vielen Standorten haben wir auch noch Baumärkte, Modemärkte, Tankstellen und Waschstrassen zu bieten. Angenommen, Sie ziehen in eine komplett leere Wohnung ein. Bei uns bekommen Sie nicht nur den Kühlschrank voll, sondern den Kühlschrank mit kompletter Küche und allen Geräten gleich mit dazu, können sich neu einkleiden und fahren gestärkt mit einer frischen Brezel, mit gewaschenem Auto und vollem Tank wieder vom Hof. Das verstehen wir unter One-Stop-Shopping.

Welche Stärken im Sortiment, der Präsentation und dem Service schätzen die Kunden?
Christoph Hermann:
Die Vielfalt macht’s. Bei uns finden Sie wirklich alles und wenn Sie mal etwas nicht finden, dann brauchen Sie es auch meistens nicht. Je nach Region und Standort haben unsere Verbrauchermärkte unterschiedliche Grössen, im Mittel über 3000 Quadratmeter. Somit können wir unseren Kunden eine unglaubliche Sortimentsbreite und –tiefe anbieten. Vom günstigen Preiseinstieg über Markenprodukte bis hin zu einem umfangreichen Bio-Sortiment und lokalen Herstellern, die ihre Lebensmittel nur im kleinen Kreis anbieten können. Besonderes Highlight sind unsere Frischebereiche, vereint unter einem Dach. Vom Brothaus mit eigenem Imbiss über die Obst- und Gemüseabteilung bis hin zu unserer Metzgereiabteilung. Unsere Mitarbeiter bringen dazu das passende Fachwissen mit – beispielsweise unsere 16 Sommeliers im Fleisch- und Käsebereich, die unseren Kunden eine besondere Beratung bieten.

Was unternehmen Sie, um das Handelsunternehmen fit für die Zukunft zu machen?
Christoph Hermann:
Zentraler Baustein für unsere Zukunft sind und bleiben unsere Mitarbeiter. Das haben wir immer im Blick und darum legen wir besonderen Wert auf unser Ausbildungsprogramm. Ein Highlight ist da zum Beispiel der Ausbildungsmarkt, bei dem unsere Azubis einige Wochen komplett eigenständig einen Markt übernehmen können. Oder die Abschlussprojekte unserer Nachwuchsförderung, die nicht nur theoretisch ausgearbeitet, sondern tatsächlich umgesetzt werden und unser Unternehmen immer wieder bereichern.

Welche Rolle spielt das Thema Innovation für Sie?
Eine Innovation ist für uns ein neues Kleinflächenkonzept, wir haben es V-Mini getauft. Unter diesem Namen werden wir dieses Jahr unseren ersten teilautonomen Markt eröffnen. Dieser soll auf einer circa 800 Quadratmeter grossen, für uns sehr kleinen Verkaufsfläche ein schönes Sortiment für den täglichen Bedarf bieten und mit moderner Technik einen schnellen, unkomplizierten Einkauf ermöglichen. Dabei soll der Markt effizient von unseren Mitarbeitern geführt werden, aber auch die notwendige Flexibilität bieten, zeitweise autonom zu laufen. Zum einen dient er uns als Versuchslabor für Prozesse, welche wir auch auf unsere Bestandshäuser ausweiten können, Stichwort Fachkräftemangel, um dort den Mitarbeitern die Abläufe zu erleichtern. Zum anderen überlegen wir auch, mit diesem Konzept in Zukunft Standorte zu belegen, welche bisher nicht betriebswirtschaftlich sinnvoll waren. Daneben ist unser V-Baumarkt-Onlineshop sehr erfolgreich gestartet und wir haben ihn Anfang dieses Jahres beinahe auf unser komplettes Baumarkt Sortiment, auf circa 40 000 bestellbare Artikel, erweitert. Und das ist dann auch die Überleitung zum Überbegriff Digitalisierung. Natürlich beschäftigt uns das sehr. In welche Technik investieren wir, wie sorgen wir für nachhaltige Cybersicherheit, wo können unsere Kunden oder das Unternehmen tatsächlich einen Mehrwert aus der Digitalisierung ziehen und wie nehmen wir unsere Mitarbeiter bei diesen Veränderungsthemen mit.

Sie feiern dieses Jahr auch 55-jähriges Jubiläum V-Markt. Was haben Sie vor, zumal in dem Jahr auch die 6. Generation ins Familienunternehmen einsteigt?
Christoph Hermann:
Seit Januar bieten wir unseren Kunden ausgewählte Jubiläumspreise an. Ebenso werden wir über das gesamte Kalenderjahr Gewinnspiele über die verschiedenen Kanäle veranstalten. Mit einem Newsletter, unserem Kundenmagazin Vielfalt, den Social Media-Auftritten und den gewohnten Handzetteln erreichen wir direkt einen Grossteil unserer Kunden. Ebenso sind wir froh, dass sich die Rahmenbedingungen gebessert haben. Seit Mai veranstalten wir wieder unsere Marktfeste, die einige Zeit ausfallen mussten. Bei dem bunten Rahmenprogramm für Jung und Alt lernen wir unsere Kunden besser kennen und können sie noch stärker an unser Familienunternehmen binden.

Wie sehen Ihre Pläne für 2023 aus?
Christoph Hermann:
Wir werden weitere Investitionen in Nachhaltigkeitsprojekte forcieren. Bis 2023 werden wir auf allen Märkten, wo es technisch möglich ist, PV Anlagen installiert haben. Wir schaffen circa  200 Ladepunkte für die E-Mobilität unserer Kunden und wir wollen 2023 den  ersten E-LKW in unseren Fuhrpark aufnehmen. Besonderes Augenmerk wird auch auf der Erweiterung unserer neuen Vertriebslinie V-Mini und der Optimierung unseres Onlineshops liegen.

Fakten

Unternehmen
Die Georg Jos. Kaes GmbH ist ein familiengeführtes Handelsunternehmen in der 6. Generation. Zur Gruppe gehören 39 V-Märkte und 12 V-Baumärkte, der V-Baumarkt Online-Shop, 35 Tankstellen, drei Modemärkte und 14 Waschstrassen. Das mittelständische Handelsunternehmen mit Sitz im bayerischen Mauerstetten setzte im Geschäftsjahr 2021 rund 962 Millionen Euro um.