Ausgabe:

Qualifizierter Nachwuchs

Montag, 03. Dezember 2018

Seit diesem Jahr steht Auszubildenden, die eine Tätigkeit im Handel anstreben, das neue  kaufmännische Berufsbild «Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce» als Ausbildungsberuf zur Verfügung. Die Ausbildung bereitet systematisch auf eine Karriere im Online-Handel vor. Handelsunternehmen erhalten so eine weitere Option, ihren durch E-Commerce und Multi-Channelling wachsenden Fachkräftebedarf zu decken. Das Ausbildungskonzept wurde vom Handelsverband Deutschland (HDE) entwickelt und vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) mit initiiert. Im August 2018 starteten die ersten rund 900 künftigen E-Commerce-Kaufleute in diesem neuen Ausbildungsgang. Von den 1500 Betrieben mit anerkannter Eignung für die neue Ausbildung haben dabei rund 300 das erste Mal überhaupt Ausbildungsplätze angeboten, dies ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK) unter den 79 IHK. 

Karriere im Online-Handel

Dass der neue Ausbildungsberuf überfällig ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklungen im Online-Handel: Dieser ist mit überproportionalen Wachstumsraten seit Jahren der «Motor» des Einzelhandels. Mittlerweile werden laut HDE zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Einzelhandel online erzielt; im Nonfood-Einzelhandel liegt der Online-Anteil bei rund 14 Prozent. Auch immer mehr bisher rein stationäre Unternehmen sind im Internet für ihre Kunden erreichbar und werden zu Multichannel-Händlern. 

Die duale Ausbildung zum Kaufmann/ Kauffrau im E-Commerce erfolgt sowohl im Unternehmen als auch in der Berufsschule und dauert drei Jahre. Sie ist für Absolventen aller Schulformen geeignet. Wichtige Grundlagen sind gute Noten in Mathematik und Deutsch, aber auch Englisch spielt eine Rolle. Daher müssen Interessenten bereit sein, sich berufsbezogenes Fachenglisch anzueignen.

Vielseitiges Tätigkeits-Profil

Nach einer erfolgreichen Ausbildung können Kaufleute im E-Commerce in allen Wirtschaftsunternehmen arbeiten, die Waren und Dienstleistungen über das Internet anbieten und vertreiben. Oder sie können Unternehmen beim Aufbau einer E-Commerce-Strategie unterstützen. Das Berufsbild umfasst viele Tätigkeiten wie etwa die Konzeption und Weiterentwicklung von Waren- und Dienstleistungssortimenten, Beurteilung, Einsatz und Weiterentwicklung von Vertriebskanälen des E-Commerce oder die Bewirtschaftung von Online-Portalen und Online-Shops sowie die Unterstützung bei der Beschaffung. Kaufleute im E-Commerce setzen Instrumente der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle im E-Commerce ein, gestalten die interne und externe Kommunikation, entwickeln und führen Online-Marketing-Massnahmen durch, kümmern sich um Waren- und Dienstleistungsverträge, Bezahlsysteme und anderes mehr. 

Neben Weiterqualifizierungen unter anderem zum/zur Handelsfachwirt/in sollen – so die aktuelle Planung – Kaufleute im E-Commerce künftig auch die Möglichkeit haben, sich zum/zur Fachwirt in E-Commerce weiterzubilden.

 

Interview

Nachwuchs systematisch vorbereiten -  Katharina Weinert, Abteilungsleiterin Bildungspolitik und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE), zum neuen Ausbildungsberuf.

Warum wurde die Einführung des neuen Ausbildungsberufs Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce notwendig?
Die bisherigen kaufmännischen T ätigkeitsfelder orientieren sich stark an den Prozessen innerhalb der Wertschöpfungsstufen. Durch E -Commerce entstehen neue T ätigkeitsfelder, die diese  Wertschöpfungsstufen überschreiten, sowie neue Prozesse und Geschäftsmodelle, die spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten erfordern. Für diese sind eigene umfassende Ausbildungsinhalte notwendig.

Wer betreut bei den Handelsunternehmen bisher das Online-Geschäft?
Bisher werden Hochschulabgänger und Quereinsteiger im Online-Handel eingesetzt. Für die Zukunft reicht das allerdings aufgrund des steigenden Bedarfs an Fachkräften im E-Commerce nicht mehr aus. Die Händler wünschen sich einen Beruf, in dem der Nachwuchs systematischer und qualifizierter auf die vielfältigen neuen Anforderungen im Online-Handel vorbereitet wird.
 
Welche Voraussetzungen gelten für die ausbildenden Betriebe?
Sie müssen ihre Waren und Dienstleistungen bereits online anbieten und über Ausbildungspersonal verfügen, das den E-Commerce des Unternehmens fachlich betreut – also die erforderlichen fachlichen Kenntnisse bereits besitzt.
 

Info 

Fakten zum deutschen Online-Handel

Das weiter dynamisch wachsende Online-Geschäft hat Fakten geschaffen, die auch rund um das Thema Ausbildung/Weiterbildung des Nachwuchses im Handel nach Lösungen rufen:

Der Online-Handel erwartet 2018 ein Netto-Umsatzplus von rund 10 % auf 53,4 Milliarden Euro, während das stationäre G eschäft nur um 1,2 % zulegen wird.
(Quelle: HDE/Destatis)

 E-Commerce ist mittlerweile ein etablierter Vertriebsweg. Allein im Handel ist laut HDE mindestens ein Drittel der Unternehmen inzwischen nicht nur im stationären Handel, sondern auch im Online-Handel tätig

Die Online-Durchdringung unterscheidet sich stark nach Einzelhandelsbranchen: Von den 2017 erzielten Online-Umsätzen in Höhe von knapp 49 Milliarden Euro entfielen 3,9 Milliarden Euro auf den Bereich FMCG, das entspricht acht Prozent des Gesamtumsatzes.
(Quelle: Online-Monitor 2018)

Nach Fashion/Accessoires, CE /Electronics mit jeweils 25 % Anteil, Freizeit&Hobby (14,5 %), Wohnen/Einrichten (9,2 %) folgen schnelldrehende Konsumgüter in der Rangfolge der wichtigsten Warengruppen.

Eine Konjunkturumfrage des HDE vom Sommer 2017 hat ergeben, dass der Handel neben dem hohen Investitionsbedarf (51 % der Nennungen) vor allem im fehlenden Know-how der eigenen Mitarbeiter besondere Hemmnisse auf dem Weg in die Digitalisierung und im Auf-/Ausbau eines Online-Geschäfts sieht (46 %). Als weitere Problemfelder nannten die befragten Händler die hohen Kosten der Kundengewinnung und Kundenpflege (42 %) sowie die Schwierigkeit, geeignete Fachkräfte zu finden (24 %).