Ausgabe:

Enorme Potenziale

Montag, 07. August 2017
Foto: MPreis

Durch den hohen Einsatz elektrischer Energie, insbesondere für die Kältetechnik, entsteht in jedem Supermarkt eine entsprechende Menge Abwärme, die sich jedoch per Wärmerückgewinnung nutzen lässt. Das Heizen mit Brennstoffen könnte deshalb für die meisten Händler verzichtbar sein, meint Benjamin Chini, Projektleiter im Forschungsbereich Energiemanagement beim EHI Euro Retail Institute. «Von zahlreichen Unternehmen wissen wir, dass sie in einer zunehmenden Anzahl ihrer Filialen bereits gänzlich auf einen Gasanschluss verzichten können.» 

Nutzen viel höher als Kosten

Im Kreis der MARKANT Mitglieder gibt es zahlreiche Beispiele für wirksame Energiesparmassnahmen. Als eines der ersten Handelsunternehmen in Europa hat MPreis in Österreich schon vor vielen Jahren Passivhaus-Supermärkte gebaut, die ohne Öl und Gas auskommen. Das gesamte Gebäude wird mit der Abwärme der Kühlmöbel geheizt. Diese Supermärkte sparen im Vergleich zu einem herkömmlichen neuen MPreis-Markt pro Jahr rund 10 000 Liter Heizöl, was 32,5 Tonnen CO2 entspricht. Darüber hinaus nutzt MPreis erneuerbare Ressourcen wie selbst erzeugten Strom aus Sonnenenergie (Foto) und Strom aus Wasserkraftwerken.

Auch Kaufland nutzt für neue Filialen besonders energieeffiziente Technik. Die Beheizung erfolgt fast vollständig mit der Abwärme aus den Kühlregalen über einen Kälte-Klima-Verbund, der im Winter über 80 Prozent der Wärmemenge liefert. Die Abwärme wird einer Industrie-fussbodenheizung zugeführt, die unter der gesamten Verkaufsfläche verlegt ist. Erdreich und Bodenplatten dienen so als Speicher und können die niedrigen Vorlauftemperaturen von 38 bis 40 Grad Celsius optimal nutzen. «Beim Kälte-Klima-Verbund stimmt die Kosten-Nutzen-Rechnung in mehrfacher Weise», teilt das Unternehmen mit. «Mit seiner Hilfe senken wir nicht nur unsere Energiekosten, sondern verringern gleichzeitig unsere CO2-Emissionen.» Wie gross die Einsparungen jeweils sind, meldet Kaufland online auf seinem «Klimaticker». Der letzte Stand (Mai 2017): 171 Filialen haben einen Kälte-Klima-Verbund, sparen damit fast 87 Millionen KWh Heizenergie oder 17 513 Tonnen CO2 pro Jahr. 

Digitale Spürhunde im Markt

Rossmann hat 2016 gemeinsam mit dem Energiedienstleister EWE einen Ener gieaudit nach DIN EN 16247-1 umgesetzt und das Zertifikat «Energiebewusstes Unternehmen» erworben. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die fast 4000 neu installierten digitalen Stromzähler in den Filialen. Diese helfen, die verschiedenen Energieeinsparpotenziale noch schneller und exakter als bisher zu identifizieren. Mit Hilfe einer Datenbank erfasst und analysiert die Abteilung Energiemanagement die Verbrauchsprofile aller Liegenschaften und kann so bei Auffälligkeiten sofort gezielte Massnahmen ergreifen. Rossmann beziffert die Einsparung allein im vergangenen Jahr auf rund zwei Millionen KWh Strom oder rund 1200 Tonnen. Das fortlaufende Ener giemanagement soll auch 2017 zu weiteren Optimierungen in Filialen, Logistik und Verwaltung führen. 

Metro Cash&Carry setzt ebenfalls schon seit vielen Jahren auf konsequentes Energiesparen in allen neuen Gebäuden und modifiziert bestehende Immobilien mit verschiedenen Massnahmen. Dazu zählen unter anderem die Verwertung von Abwärme aus der Gewerbekälte, der Einsatz von Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung, Photovoltaikund Geothermieanlagen, der flächendeckende Einsatz effi zienter Leuchtmittel wie LED und der sukzessive Einbau von Glastüren an Kühlregalen in allen Märkten. Auch bei Metro C&C stellte sich der Erfolg dieser Einzelmassnahmen schnell ein und schlägt sich in beeindruckenden Zahlen nieder: Allein in Deutschland beträgt die bislang kumulierte Verbrauchsreduktion für Strom rund 53 Millionen kWh im Vergleich zum Jahr 2011.

Info

83 %

des gesamten Energieverbrauchs im Food-Handel entfallen auf elektrischen Strom und nur 17 Prozent auf WärmeenergieEtwa ein Zehntel der vom EHI befragten Lebensmittelhändler beheizt bereits mehr als ein Fünftel seiner Filialen mit Abwärme, knapp 20 Prozent können fünf bis 20 Prozent ihrer Märkte nahezu komplett durch die Wärmerückgewinnung versorgen. Bei den meisten Händlern (73 %) liegt dieser Anteil allerdings erst bei maximal fünf Prozent. 

Die Effizienz eines Systemsdas über die Kälteanlage kühlt und gleichzeitig per Abwärme heizt, ist von einer optimalen Abstimmung zwischen Kälteanlage, Wärmerückgewinnungssystem und Gebäudehülle abhängig. Problematisch ist die wirtschaftliche Realisierbarkeit einer Wärmerückgewinnung folglich vor allem in BestandsmärktenHier müssen solche Systeme an die jeweiligen Vorgaben der Immobile angepasst werden. 

Quelle: EHI Retail Institute