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Bargeld lässt die Kasse klingeln

Donnerstag, 01. März 2018
Fotolia (Andrey_Arkusha)

Bargeld ist die beliebteste Art, im LEH zu bezahlen. In diesem Kontext können Geldautomaten in Marktnähe den Händlern höhere Umsätze bescheren.

Ob auf dem Wochenmarkt, im Supermarkt oder an der Tankstelle: Bargeld ist mit einem Umsatzanteil von 51 Prozent laut EHI Retail Institut unverändert die beliebteste Art, im Einzelhandel zu bezahlen – und wird zudem von einem hohen Anteil jüngerer Kunden auch ausdrücklich gewünscht. Und obwohl bargeldlose Bezahlverfahren weiter zunehmen, befürwortet auch der Einzelhandel das Zahlen mit Bargeld. 

Mehr Umsatz und Frequenz

Eine aktuelle repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag des hierzulande größten Geldautomaten-Anbieters, Cardtronics Deutschland, zeigt: Verbraucher schreiben dem Bargeld gegenüber anderen Zahlungsmitteln eine Reihe von bedeutenden Vorteilen zu, unter anderem Schnelligkeit und Sicherheit. Zwar kämen elektronische Zahlverfahren wie ec-Karten und Kreditkarten auf deutlich höhere Durchschnittswerte, sie würden jedoch auch deutlich weniger verwendet, so ein Ergebnis der Studie.

Der Einzelhandel profitiert deutlich von dieser hohen Bargeld-Affinität seiner Kunden, jedenfalls dann, wenn in der Nachbarschaft Geldautomaten vorhanden sind, an denen sich die Kunden jederzeit mit frischem Geld versorgen können. Je nach Einkaufsumfeld können die durchschnittlichen Bargeldausgaben um bis zu 30 Prozent höher sein, wenn die Verbraucher kurz zuvor einen Geldautomaten in der Nähe besucht haben. Für jeden vierten Deutschen ist überdies die Bequemlichkeit, gleichzeitig Geld zu beziehen und verschiedene Einkäufe zu erledigen, ein entscheidender Faktor dafür, wo sie einkaufen. Nahegelegene Bargeldautomaten ermöglichen den Einzelhandelsstandorten neben der Aussicht auf höhere Bargeldumsätze also auch höhere Kundenfrequenz und stärken die Kundenloyalität. Denn im Umkehrschluss heißt das auch, dass viele Kunden woanders einkaufen würden, wenn sie nicht mehr gleichzeitig vor Ort Geld abheben können. 

Immer mehr Bankfilialen schliessen 

So gesehen, spielen Banken und Sparkassen durch ihre Filialen und Geldautomaten eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der regionalen Wirtschaft. Doch im Zuge von immer mehr Bankfilialschließungen und der Verringerung von Automaten-Standorten nimmt auch die Zugangsmöglichkeit der Verbraucher zu Bankautomaten deutlich ab. Zwar übernehmen inzwischen auch immer mehr große LEH-Filialisten im Rahmen neuer cashback-Dienste die Versorgung ihrer Kunden mit Bargeld. Dazu gehören auch MARKANT-Mitgliedsunternehmen wie dm und Real, die den Kunden ermöglichen, neben Wurst, Milch und Eiern an der Kasse auch frisches Bargeld mitzunehmen. Mit dem Mindestumsatz von 20 Euro verbinden die Unternehmen vermutlich auch die Hoffnung, dass der eine oder andere Kunde mehr Artikel aufs Band legt, als er eigentlich geplant hatte. Doch, so zeigt eine aktuelle Forsa-Meinungsumfrage: Bislang gibt es eine deutlich geringere Akzeptanz für diesen Bankservice. Nur fünf Prozent der Kunden lassen sich beim Einkauf regelmäßig Bargeld per ec-Karte ausbezahlen. Ganz anders sehen die Umfrageergebnisse bei Geldautomaten aus: Nur fünf Prozent gaben an, noch nie Geld an einer Maschine gezogen zu haben.

Interview

Radenko Krpelj, Managing Director beim Geldautomaten-Anbieter Cardtronics Deutschland, rät Händlern zu mehr Eigeninitiative bei der Versorgung mit Geldautomaten.

Was kann der stationäre Handel insbesondere in ländlichen Regionen, Kleinstädten, Stadtteilzentren tun, wenn die Bargeldversorgung durch Geldautomaten schwierig wird?
Weltweit ist zu beobachten, dass der Einzelhandel mehr und mehr die örtliche Versorgung von Finanzdienstleistungen sicherstellt, während Banken ihre Filialnetze umbauen. Bei Geldautomaten im deutschen Einzelhandel gibt es dabei viele Optionen: Sie reichen von Partnerschaften mit örtlichen Banken, die die Abhebegebühren ihrer Kunden subventionieren, bis hin zu Modellen, bei denen Verbraucher die vollen Kosten für ihre Abhebung tragen. Es kommt ganz auf die Situation vor Ort an, aber es kann immer eine Lösung gefunden werden.

Viele Supermarktkassen ersetzen die fehlende Bargeldversorgung durch cashback-Dienstleistungen…
Für einen Einzelhändler wird Cashback nie die Vorteile eines Geldautomaten ersetzen können. Unsere Studie zeigt, dass Verbraucher Geld aus dem Geldautomaten eindeutig als bequemer und sicherer empfinden als Cashback. Außerdem können die Bargeldumsätze bei Kunden nach einem Geldautomatenbesuch deutlich höher liegen. Am Ende ist auch ganz praktisch zu bedenken, dass Kassen und Personal einfach nicht auf solch große Mengen an Bargeld eingestellt sind.

Wer trägt die Kosten für den Betrieb von Geldautomaten?
Geldautomaten sind darauf ausgelegt, Geschäfte wirtschaftlich zu unterstützen – und keine Kosten zu verursachen. Neben der Förderung von Umsatz, Kundenfrequenz und -loyalität können Einzelhändler auch von Mietzahlungen für die Automatenstellfläche oder anderen Provisionszahlungen profitieren. Händler sollten außerdem nicht vergessen, dass Wartung und Unterhalt von Geldautomaten vom Betreiber vorgenommen werden und kein Mehraufwand für das Ladenpersonal entsteht.

 

Info

Bare Vorteile - was Kunden am Bargeld schätzen: 

  • 46 % der von YouGov befragten Kunden geben an, dass Bargeld die einfachste Bezahlmethode für sie sei, 43 % betrachten sie als besonders schnelle Methode. 
  • Mehr als die Hälfte glaubt, es sei die sicherste Art zu bezahlen, und eine Mehrheit sieht im Bargeld auch einen besonderen Schutz der Privatsphäre. 
  • Viele Kunden schätzen Bargeld als nützliche Hilfe zur Budgetplanung und Ausgabenkontrolle.

Quelle: YouGov