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Grosse Nachfrage

Montag, 03. Dezember 2018
Photocuisine_ Fondacci Markezana Jean Et Hélène

Äpfel sind in der DACH-Region das beliebteste Obst. Neben den Klassikern lohnt es sich saisonal, auch seltene, alte Sorten anzubieten.

Rund 85 Prozent der Deutschen und Österreicher verzehren nach Angaben des Ernährungsportals Food-Monitor und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Äpfel. Statista zufolge isst jeder Österreicher jährlich 14,1 Kilogramm des Obstes – und damit mehr als von jeder anderen Obstsorte. Die Schweizer kamen 2016 auf einen Pro-Kopf-Verbrauch von 15,2 Kilogramm, und die Deutschen essen laut Norbert Metz vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken sogar rund 20 Kilo jährlich. 

Dabei gaben, so Statista, im Jahr 2017 rund 95 Prozent der Deutschen an, Äpfel im Supermarkt einzukaufen, und auch ein Grossteil der Österreicher deckt über diesen Weg seinen Bedarf, so die GfK. Um die Nachfrage zu bedienen, setzen in Österreich beispielsweise Kastner und in Deutschland Globus vor allem auf heimische Produkte, was die Kunden auch bevorzugten, so die Unternehmen. Sind die Bestände allerdings abverkauft, nimmt Kastner Äpfel aus Übersee ins Sortiment. Globus setzt alternativ auf Äpfel aus Südtirol. 

Regionalität steht hoch im Kurs

Laut dem Ernährungsportal Food-Monitor wird Deutschland in diesem Jahr den Eigenbedarf weitestgehend durch die eigene Ernte decken können. Hauptanbaugebiete sind dabei das Alte Land bei Hamburg mit 307 000 Tonnen Äpfeln, dicht gefolgt von der Bodensee-Region mit 272 000 Tonnen und Sachsen/Sachsen-Anhalt mit rund 100 000 Tonnen. Waren die Früchte in Deutschland noch im August nach Angaben der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) teurer als im Vorjahr, wird sich der Preis nun aufgrund der besonders guten Ernte (Pink Lady zufolge +36 Prozent in Europa im Vergleich zu 2017) nach unten entwickeln. So waren Äpfel nach Angaben der BVEO Anfang September schon um zwei Prozent günstiger als im Vorjahr. 2017 hatte das Kilo im Mittel 1,72 Euro gekostet. 

Einen weiteren Grund dafür, vor allem auf heimisches Obst zu setzen, sieht Food-Monitor in den kurzen Transportwegen, die nicht nur die volle Entfaltung des Geschmacks begünstigten, sondern auch die Kosten senkten. Dabei werden die Äpfel, die nicht sofort nach der Ernte verkauft werden, eingelagert. «Sie fallen in eine Art Winterschlaf», beschreibt es die BVEO. Das heisst: Bei Temperaturen knapp über Null, niedrigem Sauerstoffgehalt und hoher Luftfeuchte werden sie konserviert und können so bis zu einem Jahr auf den Verkauf warten, ohne «alt» zu werden.

Alte Sorten bieten Mehrwert

Dennoch weist Norbert Metz darauf hin, dass Äpfel nach einer dermassen langen Lagerung keine Vitamine mehr enthalten. Deshalb empfiehlt er, auch wieder auf alte Apfelsorten (siehe Infokasten) zu setzen, die im Handel kaum noch erhältlich sind. Auch sie verlören bei der Lagerung alle Vitamine. Da sie aber einen viel höheren Anteil an gesunden antioxidativen Polyphenolen hätten, sei ihre Bilanz als gesundes Lebensmittel auch nach einer langen Lagerung noch deutlich höher als die einer neuen Sorte. 

Die Gründe, warum man alte Sorten heutzutage fast ausschliesslich auf Streuobstwiesen, aber nicht im Supermarkt findet? «Die entsprechenden Bäume sind nicht so ertragreich, die Ware ist nicht dauerhaft verfügbar, und ausserdem sind die Früchte druckempfindlich, wodurch sie Transport und Lagerung schlechter überstehen», erklärt Dr. Susanne Becker vom Pomologen-Verein.

Doch gerade bei den vier Millionen Apfel-Allergikern, die es laut Metz in Deutschland gibt, dürfte der Handel mit einem Angebot alter Sorten punkten. «Eine Studie der Berliner Charité belegt, dass solche oft besser sind für Allergiker», argumentiert er. Und auch die Kunden, die bevorzugt zu Bio-Äpfeln greifen, dürften überzeugt sein: «Der Anbau der alten Sorten erfordert einen viel geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als der der neuen.» Dadurch punkten sie selbst gegenüber der Bio-Ware, die ebenfalls gespritzt werden muss, wie der BVEO berichtet. 

Verkostungen als Vermarktungsinstrument

Um Kontakt zu Bauern alter Sorten aufzunehmen, lädt Ulrich Kubina vom Pomologen-Verein den LEH ein, die Landesgruppen seines Vereins anzusprechen. «Auch einige Bio-Landwirte bauen sie an», ergänzt er, schränkt aber ein: «Alte Sorten sind meist nur kurze Zeit nach der Ernte verfügbar.»

Welche Äpfel auch immer der LEH im Angebot hat – um sie optimal zu vermarkten, rät IDM Südtirol zu Verkostungen. So könnten auch Spontankäufer überzeugt werden. Stammkäufern wiederum helfe der Handel am besten durch klare Kennzeichnungen, so dass sie «ihre» Sorte schnell finden. Auch Informationsbroschüren oder Rezept-Booklets bieten IDM Südtirol zufolge einen tollen Mehrwert. Die BVEO wiederum regt an, Äpfel in Verbundplatzierung mit Backzutaten wie Mehl zu präsentieren und so auf die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Früchte hinzuweisen.

Warenkunde

Beachten Sie auch die Warenkunde «Äpfel - neue und alte Sorten» am Ende der Randspalte.  

 

Info

Die neue Apfelgeneration

Bei Äpfeln gibt es einen klaren Trend zu neuen Sorten, darunter der Rockit (ein Snack-Apfel mit einer Grösse zwischen Golf- und Tennisball), die Sorten Kissabel (rotfleischiger Apfel), Sweetango (sehr früher Apfel) und GS66, eine Neuzüchtung der deutschen Erzeugerorganisationen, deren Name in diesen Monaten gesucht wird. Dieser Apfel entspricht bei der Textur, also beim Fruchtfleisch einem neuen Trend. Schon beim Reinbeissen ist das Beissgefühl anders als bei bisherigen Apfelsorten. Der GS66 wird 2020/21 mit kleinen Mengen auf den Markt kommen. Mit der Pflanzung wird in diesem Jahr an der Elbe, am Bodensee und in Sachsen begonnen.

Quelle: Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse.  

 

8 %

der Äpfel, die österreichische Haushalte kaufen, sind Bio-Äpfel. Zum Vergleich: bei anderem Obst liegt der Bio-Anteil bei circa zehn Prozent. Allerdings kaufen die Verbraucher nur 40 Prozent ihrer Bio-Äpfel im LEH ; dieser dient eher als Vertriebskanal für konventionelle Früchte (95 %).

Quelle: Gesellschaft für Konsumforschung  

 

Info

Die beliebtesten Apfelsorten

Laut Food-Monitor belegt in Deutschland die Sorte Elstar seit Jahren den Spitzenplatz in der Rangliste der beliebtesten Äpfel. Auf sie entfallen im Schnitt rund 20 Prozent der gesamten Absatzmenge. Platz zwei belegt der süss-säuerliche Braeburn mit rund 13 Prozent. Es folgen Jonagold, Jonagored, Gala und Golden Delicious. Auf dieses Sextett entfällt auch gut die Hälfte der deutschen Produktion.  

 

Info

Neue Apfelsorten 

Sie wurden in den 1930er Jahren meist aus den Sorten Golden Delicious, Cox Orange und Jonathan gezüchtet.
Ihr Vorteil: Die Bäume sind jedes Jahr ertragreich, die Früchte sind unempfindlich und eignen sich dadurch für Lagerung und Transport. Textur (bissfest) und Geschmack decken sich mit den Verbraucheransprüchen. 
Ihr Nachteil: Viele Allergiker vertragen sie nicht; ihr Anbau erfordert einen starken Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln.
Sorten (eine Auswahl): Elstar, Braeburn, Topaz, Pink Lady, Pinova, Idared, Boskoop, Jonagold, Cox Orange, Golden Delicious, Gala und Granny Smith

Alte Apfelsorten

Der Begriff «Alte Obstsorten» bezeichnet heute all jene, die vom Erwerbsobstbau nicht mehr angeboten werden.
Ihr Vorteil: Sie eignen sich oft auch für Apfel-Allergiker und enthalten deutlich mehr Polyphenole als Neue Sorten. Polyphenole wirken gesundheitsfördernd und antioxidativ. Im Anbau werden weniger Pflanzenschutzmittel benötigt. 
Ihr Nachteil: Sie sind nicht bissfest und nicht das ganze Jahr über verfügbar. Zudem variiert die Ernte von Jahr zu Jahr, bis hin zu Ernteausfällen. Sie überstehen Transport und Lagerung oft schlechter als neue Sorten. 
Sorten (eine Auswahl): Prinz Albrecht von Preußen, Boskop, Rheinischer Winter, Freiherr von Berlepsch (Goldrenette), Gloster, Goldparmäne, Gravensteiner, James Grieve, Brettacher

Quelle: Landschaftspflegeverband Mittelfranken, www.pomologen-verein.de, www.frag-mutti.de

 

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