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Handels-IT in der Wolke

Donnerstag, 01. März 2018
Fotolia (Production Perig)

Immer mehr Händler wollen für ihre IT-Anwendungen externe Ressourcen nutzen. Aktuelle Studien zeigen jetzt, in welche Richtung insbesondere der Einzelhandel die Nutzung von Cloud-Diensten vorantreiben will.

Steigende Anforderungen in puncto Geschwindigkeit und Flexibilität der Systeme und nicht zuletzt der wachsende Bedarf an IT-Fachleuten prägen auch im Handel die Situation der IT-Systemlandschaft. Zur Entlastung der eigenen Ressourcen gab es schon immer die Möglichkeit, Teile der IT an Dienstleister auszulagern. Eine neuere Variante des Outsourcing ist die Nutzung von Cloud-Diensten. 

Unter Cloud-Computing versteht man die bedarfsgerechte Nutzung von IT-Leistungen wie beispielsweise Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze. Das als Cloud (Wolke) bezeichnete Datennetz kann ein unternehmens- oder organisationsinternes Intranet (Private Cloud Computing) oder die Cloud eines externen Anbieters (Public Cloud Computing) sein. Wie bei jedem Outsourcing von Daten mit kritischen Informationen (eigene Daten und Kundendaten) stand der Handel auch der Nutzung von Cloud-Diensten anfangs skeptisch gegenüber. Zuletzt ist die Akzeptanz aber deutlich gestiegen, wie verschiedene Umfragen zum Thema Cloud-Nutzung belegen. 

Die Akzeptanz steigt deutlich

Laut einer Umfrage des EHI Retail Institutes («IT-Trends im Handel 2017») gehen 55 Prozent der IT-Verantwortlichen im Handel von einer heute bereits hohen und künftig steigenden Bedeutung von Cloud-Diensten für ihre Branche aus. Damit schliesst der Handel zu anderen Branchen auf. Insgesamt boomt die Cloud-Nutzung in der Wirtschaft: Laut dem «Cloud Monitor 2017», den der Digitalverband Bitkom und die Beratungsgesellschaft KPMG veröffentlicht haben, setzen zwei von drei Unternehmen (65 %) in Deutschland Cloud-Computing ein. An der Spitze der Branchen stehen dabei die Chemie- und Pharmaunternehmen, von denen mehr als 80 Prozent Cloud-Dienste nutzen. Im Handel sind es dieser Studie zufolge 52 Prozent der Unternehmen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil der Cloud-Nutzer im Durchschnitt aller Branchen-Unternehmen von 54 Prozent um elf Prozentpunkte angestiegen. «Cloud-Computing bietet enorme Chancen für Unternehmen aller Branchen, insbesondere in puncto Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur, Leistungsfähigkeit, Aktualität und Reaktionsgeschwindigkeit», begründet die KPMG diese Entwicklung. Dr. Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, geht sogar soweit: «Cloud Computing hat sich innerhalb weniger Jahre zur Basis-Technologie der Digitalisierung entwickelt.»

Wenn die Daten zentral auf einem Grossrechner liegen, ist es wesentlich leichter, jederzeit und von jedem Ort oder joder Filiale auf sie zuzugreifen. «Gerade mittlere und kleinere Unternehmen können diese aufwendige Infrastruktur häufig nicht selbst installieren. Mit der Cloud ist es kein Problem mehr für den Mitarbeiter, der beim Kunden vor Ort ist, mit dem Smartphone auf die Daten zuzugreifen, die er an seinem Arbeitsplatz angelegt hat», so die Experten der KPMG. Gleichzeitig sind die Cloud-Dienste aber nicht nur auf Dokumente beschränkt. Auch Programme können so einfacher genutzt werden, da sie nicht auf jedem Rechner installiert werden müssen, sondern direkt über die Cloud genutzt werden. Nebenbei verringert sich so das Risiko, wenn jemand seinen Laptop verliert. Die Daten und Programme sind dann nicht verschwunden, sondern in der Cloud.

Stellenwert externer Dienstleister wächst

Wie aus dem «Cloud Monitor 2017» weiter hervorgeht, planen neben den 52 Prozent der Händler, die die Cloud bereits nutzen, weitere 36 Prozent den Einstieg in die Wolke. Für nur 13 Prozent der befragten Händler ist die Cloud derzeit «kein Thema». 32 Prozent der Händler nutzen eine unternehmenseigene Private Cloud, 37 Prozent planen eine solche, und 31 Prozent planen sie nicht. Mit einigem Abstand folgt die Publik Cloud: 27 Prozent nutzen diese bereits, und weitere 27 Prozent planen den Einstieg. Die Mehrheit der Händler (56 %) lehnt indes die öffentliche Wolke ab. 

Auch zu den Trends im Cloud-Computing liefert die KPMG-Studie neue Erkenntnisse. So zeichnet sich klar ab, dass der Stellenwert externer Dienstleister wächst. Die sogenannte «hosted Private Cloud» war 2017 erstmals stärker gefragt als die intern gemanagte Private Cloud. 

Sicherheitsbedenken bleiben die grösste Hürde, die einer Cloud-Nutzung im Wege steht. Gerade auch im Handel gibt es diesbezüglich grosse Bedenken. Aber: Diejenigen Unternehmen (aller Branchen), die bereits mit einer Cloud arbeiten, hatten 2016 in Publik-Cloud-Anwendungen weniger Sicherheitsvorfälle als in ihren hausinternen IT-Systemen. Bei den befragten Handelsunternehmen ist diese Relation sogar noch viel ausgeprägter: Nur acht Prozent hatten sicherheitsrelevante Vorfälle in der Cloud, 33 Prozent jedoch in ihren eigenen Systemen. 

Sicherheitsvorkehrungen überzeugen

Im Gegensatz zur privaten Cloud, die ein Unternehmen im eigenen Rechenzentrum oder bei einem externen Dienstleister betreibt, teilen sich die Kunden einer Public Cloud die Infrastruktur (Shared Infrastructure), werden aber anhand einer virtualisierten Sicherheitsinfrastruktur mit oft komplexen Sicherheitsmechanismen voneinander getrennt. Zu den führenden Anbietern im Public-Cloud-Markt gehören Amazon Webservices (AWS), Microsoft Azure, Google und IBM. Sie zusammen kommen nach Angaben von Crisp Research auf einen Marktanteil von mehr als 75 Prozent.

Die Marktforscher von Gartner erwarten, dass sich der Umsatz mit Public-Cloud-Diensten bis 2020 gegenüber heute auf mehr als 380 Milliarden Dollar verdoppeln wird, getrieben vor allem durch steigende Nachfrage von Unternehmenskunden. Gerade bei Software für Geschäftsanwendungen verbreite sich in vielen Branchen eine «Cloud first»-Mentalität, so die Analysten. Auf Kundenseite herrschten in der Vergangenheit vor allem Datenschutzbedenken gegenüber einer Public-Cloud. Um deutschen Unternehmen eine Alternative zur Datenverlagerung in die USA zu bieten, haben die führenden Anbieter inzwischen deutsche Rechenzentren aufgebaut. Offenbar überzeugen die Sicherheitsvorkehrungen, wie die erwähnten Wachstumsraten der Public-Clouds zeigen. Offenbar lösen sich sogar traditionelle Wettbewerbs-Rivalitäten in der Wolke auf. Denn Online-Händler Zalando hat sich bei der Suche nach einem Cloud-Anbieter ausgerechnet für AWS entschieden, den Cloud-Service vom Erzrivalen Amazon.

Die Bandbreite der AWS-Kunden reicht von Start-ups wie Pinterest, Dropbox, Airbnb und Spotify bis zu grossen Unternehmen wie Shell, BP, Philips, Audi, Hubert Burda Media, SAP und eben Zalando. «Um unser Niveau in diesem Bereich weiter zu erhöhen, streben wir nach zusätzlichen Sicherheits- und Compliance-Zertifizierungen in allen Feldern und Branchen, die unseren Kunden wichtig sind», betont ein Amazon-Sprecher. Ausserdem hätten die Kunden stets die volle Verfügungsgewalt über ihre Inhalte: «Diese werden von AWS nicht bewegt. Das bedeutet, dass Inhalte, die in der AWS-Region Frankfurt gespeichert sind, in Deutschland verbleiben – es sei denn, der Kunde entscheidet sich, die Inhalte in eine andere Region zu verlegen.»

Cloud bietet enorme Chancen

Zu den Pionieren bei der Nutzung von Microsofts Cloud-Services gehört der MARKANT Partner Lekkerland. Mit dem Umstieg auf Office 365 hat das Unternehmen Anfang 2017 begonnen, die Arbeitsumgebung von rund 2500 Mitarbeitern in die Microsoft-Cloud zu übertragen und ermöglicht so mobiles Arbeiten. «Lekkerland ist eines der ersten Unternehmen in Deutschland, das Office 365 als Cloud-Lösung vollumfänglich ausgerollt hat», sagt Alain Genevaux, Leiter des Office-Geschäfts bei Microsoft Deutschland. Allen Mitarbeitern der Lekkerland Gruppe bietet die neue Arbeitsumgebung durchgehend digital gestaltete Kommunikationsprozesse und interne wie externe Kollaboration – über SharePoint Online, Skype for Business oder die Gruppenchat-Software Microsoft Teams. Der wichtigste Erfolgsfaktor aus Sicht von Lekkerland ist es, über cloudbasierte Lösungen mobiles, flexibles und damit effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Damit sollen die Mitarbeiter den Freiraum erhalten, den sie für das Entwickeln neuer Services und Angebote für die Kunden des Unternehmens benötigen.

Info

Digitale Services der MARKANT

Auch die MARKANT Gruppe bietet ein umfangreiches Portfolio von hochwertigen IT-gestützten Services. Die Chancen der Digitalisierung sind immens und nehmen ständig weiter zu. Gemeinsam mit den Landesgesellschaften wird die MARKANT die Vorteile für die Handels- und Industriepartner sukzessive nutzbar machen.

 

Zahlen

Die Cloud-Funktionen und Vorteile

Unter dem Begriff «Cloud Computing» versteht man die Bereitstellung von IT-Infrastruktur und IT-Leistungen über das Internet. Dazu gehören beispielsweise Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Service. Konkret bedeutet das, dass Cloud-Lösungen nicht im herkömmlichen Sinne von einem bestimmten Computer vor Ort bereitgestellt werden. Stattdessen werden Cloud-Lösungen mittels einer virtuellen «Rechnerwolke» bestehend aus einer Vielzahl verschiedener, miteinander vernetzter und verbundener Rechner zur Verfügung gestellt.

  • Die oft kosten- und zeitintensive Bereitstellung, Installation und Wartung eigener Rechnersysteme und Anwendungen wird zum Teil überflüssig.
  • Die nutzungsabhängige Abrechnung von Cloud-Diensten ermöglicht eine bessere Kostenkontrolle.
  • Cloud Computing eröffnet den Zugang zu innovativer, aktueller Software.    Die Implementierung neuer Anwendungen kann schneller erfolgen.
  • Die Skalierbarkeit steigt: Rechenleistung oder die Anzahl von Benutzerlizenzen können nach Bedarf dynamisch erweitert oder reduziert werden.
  • Cloud-Anwendungen sind standortunabhängig und mobil einsetzbar.
  • Die Sicherheit wird gesteigert: Daten sind nicht mehr verloren, wenn beispielsweise ein Laptop verloren wird oder der Desktop-Rechner den Geist aufgibt.

Zusammengefasst ermöglicht Cloud Computing eine höhere Flexibilität sowie mehr Innovationen und spart zudem Zeit und Kosten. Davon können gerade kleine und mittelständische Unternehmen profitieren, die häufig keine oder nur eine kleine eigene IT Abteilung besitzen. 

(Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie)

 

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IT-Fachkräfte gefragt - auch für die Cloud

Der Mangel an IT-Fachkräften spitzt sich weiter zu. In Deutschland gibt es derzeit 55 000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr mit 51 000 offenen Stellen, so das Ergebnis der aktuellen Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte des Digitalverbands Bitkom, für die mehr als 1500 Unternehmen aller Branchen befragt wurden.

Knapp zwei Drittel der Unternehmen (63 %), die freie Stellen für IT-Spezialisten haben, suchen Software-Entwickler. Von ihnen wird vor allem Know-how in Big Data (57 %, +10 Punkte im Vergleich zu 2016) und Cloud Computing (45 Prozent, +5 Punkte) erwartet. Stärker gefragt als im Vorjahr sind auch Entwickler für Social Media, Apps und mobile Webseiten sowie Sicherheit. «In Deutschland wird es immer schwieriger, die dringend benötigten IT-Spezialisten zu finden. Die Wirtschaft braucht Software-Entwickler, Spezialisten für IT-Sicherheit und IT-Berater, um die Digitalisierung erfolgreich zu gestalten», sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.